Die Ukraine hat auf UN-Ebene erneut ihre Position zur Beilegung des Konflikts bekräftigt: Laut RBC-Ukraine, unter Berufung auf eine Erklärung des ukrainischen Außenministeriums, hat Kiew bereits im März 2025 einen vollständigen, sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand akzeptiert und fordert nun die russische Seite auf, einen ähnlichen Schritt zu tun. Diese Formulierung wurde zum zentralen Element einer gemeinsamen Erklärung von 51 UN-Mitgliedstaaten, in der betont wird, dass die Friedensinitiative von Kiew ausgeht und von Moskau verlangt wird, „endlich dasselbe zu tun“.
Erklärung der 51 UN-Mitgliedstaaten
Im Text des gemeinsamen Dokuments, auf das sich die ukrainische Seite beruft, wird ausdrücklich auf die Bereitschaft der Ukraine zum Frieden und auf die Notwendigkeit der Beendigung der Aggression hingewiesen. „Die Ukraine will Frieden. Russland muss seine Aggression beenden, einen Waffenstillstand akzeptieren und sich inhaltlich an den Verhandlungen über einen umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden beteiligen“, heißt es in der Erklärung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem humanitären Aspekt: Die UN forderten Moskau auf, alle „willkürlich festgehaltenen, zwangsverbrachten oder deportierten“ ukrainischen Zivilisten, einschließlich Kinder, sofort in die Ukraine zurückzubringen.
Energie-Waffenruhe: Positionen der USA und der Ukraine
Parallel zum diplomatischen Druck in den UN wird ein engeres, aber operativeres Format der Beilegung diskutiert – die sogenannte Energie-Waffenruhe. Laut einem Bericht erklärte der US-Außenminister Marco Rubio, dass Russland Interesse an einer Waffenruhe mit der Ukraine gezeigt habe, die ein begrenztes Ende der gegenseitigen Angriffe auf Energieinfrastruktur vorsieht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte seinerseits die Bereitschaft Kiews zu diesem Format, benannte jedoch eine strenge Bedingung: Die Einstellung der Angriffe auf feindliche Energieobjekte seitens der Ukraine ist nur möglich, wenn die russische Seite ihre Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt. Selenskyj äußerte zudem die Hoffnung, dass der Krieg mit der Vermittlung des US-Präsidenten Donald Trump bis zum Winter beendet werden könnte.
Widersprüchliche Angaben
In den Erklärungen beider Seiten zeigt sich ein Unterschied im Umfang der diskutierten Waffenruhe, der bei der Interpretation zu berücksichtigen ist. Einerseits sprechen die ukrainische Seite und die 51 UN-Mitgliedstaaten von einem „vollständigen, sofortigen und bedingungslosen“ Waffenstillstand, den Kiew, so ihre Aussage, bereits im März 2025 akzeptiert habe. Andererseits wird in den Kommunikation um Rubio und Selenskyj ein engeres Format erwähnt – die „Energie-Waffenruhe“ mit einem begrenzten Ende gerade der Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Außerdem, während die Ukraine eine bereits bestehende Bereitschaft zu einem vollständigen Waffenstillstand erklärt, hat die russische Seite, laut Angaben des US-Außenministers, lediglich „Interesse“ an einer Waffenruhe gezeigt. Somit sprechen die Seiten über verschiedene Stufen und Phasen der Beilegung, und eine Übereinstimmung in den Formulierungen ist derzeit nicht festzustellen.
Kontext: Auftritte im UN-Sicherheitsrat
Die diplomatische Aktivität zur ukrainischen Beilegung in den UN beschränkt sich nicht auf gemeinsame Erklärungen: Im Rahmen der Sitzungen des Sicherheitsrats führte die ukrainische Seite direkte Diskussionen mit der russischen Führung. Insbesondere richtete der ukrainische Diplomat Sybiga dem russischen Außenminister Lawrow eine Reihe von Fragen zu, einschließlich des Hinweises darauf, dass Russland ursprünglich beabsichtigt hatte, Kiew in drei Tagen zu erobern, sowie der seitdem erfolgten Eskalation, bis hin zu Angriffen auf die russische Hauptstadt. Diese Auftritte bilden den allgemeinen Hintergrund, vor dem die Aufrufe zu einem Waffenstillstand und zu Verhandlungen ertönen.
Ergebnis der aktuellen diplomatischen Welle ist ein doppeltes Signal: Formal bestehen Kiew und seine Verbündeten in den UN auf einem vollständigen und bedingungslosen Waffenstillstand, während auf operativer Ebene ein schrittweises Format einer Energie-Waffenruhe diskutiert wird. Die entscheidende Voraussetzung für die Förderung eines dieser Szenarien bleibt die Bereitschaft der russischen Seite, von Erklärungen über „Interesse“ zu konkreten Schritten zur Einstellung der Angriffe und zur Teilnahme an inhaltlichen Verhandlungen überzugehen.