In der Werchowna Rada der Ukraine wurde der Entwurf einer Entschliessung Nr. 16166 registriert, mit dem vorgeschlagen wird, den Bibeltag jaehrlich am 31. Oktober zu begehen. Dies berichtet RBK-Ukraine unter Bezugnahme auf den Text des Dokuments. Die Initiative befindet sich derzeit im Entwurfsstadium: Die Entschliessung wurde noch nicht auf die Tagesordnung der Sitzung gesetzt und nicht vom Parlament angenommen. Dennoch haben die Autoren bereits die Schluesselparameter des kuenftigen Gedenktags und seine symbolische Bedeutung fuer die ukrainische Kultur umrissen.

Warum ausgerechnet der 31. Oktober

Die Wahl des Datums ist kein Zufall: Am 31. Oktober 1903 wurde die vollstaendige Uebersetzung der Bibel in die moderne ukrainische Literatursprache veroeffentlicht. An dieser grossangelegten Uebersetzung arbeiteten drei herausragende Persoenlichkeiten der ukrainischen Kultur — Pantelejmon Kulisch, Iwan Netschuj-Lewyzkyj und Iwan Puluj. Ihre Arbeit wurde zu einem der Schluesselereignisse in der Geschichte des ukrainischen Buchwesens und der Literatursprache, weshalb die Autoren des Projekts der Ansicht sind, dass genau dieses Datum das Wesen des vorgeschlagenen Feiertags am genausten widerspiegelt.

Was sein wird und was nicht sein wird

Eine wichtige Klarstellung der Initiatoren: Der Bibeltag wird kein staatlicher Feiertag werden und sieht keinen zusaetzlichen freien Tag vor. Unternehmen, Behoerden und Organisationen arbeiten im normalen Modus. Im Falle der Annahme der Entschliessung koennen thematische Veranstaltungen zu diesem Datum in Bildungseinrichtungen, Museen und Bibliotheken organisiert werden — Vortraege, Ausstellungen, Lesertreffen und andere Formate, die auf die Foerderung des biblischen Erbes im ukrainischen sprachlichen Kontext ausgerichtet sind.

Ziele der Initiative

Gemaess der Begruendung zum Entwurf der Entschliessung soll die Einfuhrung des Gedenktags dazu dienen, die ukrainische Sprache, die Geschichte des Buchwesens und das kulturelle Erbe des Landes zu foerderen. Die Autoren gehen zudem davon aus, dass der Bibeltag das Interesse der Jugend an der Religions- und Literaturgeschichte wecken und einen zusaetzlichen Anlass fuer Bildungs- und Kulturprogramme an Schulen und Hochschulen schaffen wird. Somit wird die Initiative nicht als religioeser Feiertag, sondern als kulturhistorisches Datum im Zusammenhang mit dem Sprach- und Verlagserbe positioniert.

Kontext: Welle neuer Gedenktage

Die Initiative zum Bibeltag fuegt sich in einen breiteren Kontext der Einfuhrung neuer Gedenk- und Feiertage in der Ukraine ein. So hatte der Allukrainische Kirchen- und Religionsorganisationsrat zuvor dem Praesidenten vorgeschlagen, den 12. Oktober zum staatlichen Feiertag — dem Tag des militaerischen Seelsorgers — zu machen. Ausserdem unterzeichnete Wolodymyr Selenskyj ein Dekret zur Einrichtung eines neuen militaerischen Feiertags — dem Tag der tagesaktuellen Verstaendigungstruppen und Cybersicherheit der Streitkraefte der Ukraine, der jaehrlich am 8. August begangen wird. Vor diesem Hintergrund wirkt der Entwurf der Entschliessung zum Bibeltag wie ein weiteres Element bei der Gestaltung des Kalenders nationaler und kultureller Daten.

Aktueller Stand der Initiative

Stand Oktober 2026 handelt es sich ausschliesslich um einen im Parlament registrierten Entwurf einer Entschliessung. Das Dokument hat keinen Ausschuss passiert, wurde nicht dem Plenum vorgelegt und nicht angenommen. Damit der Bibeltag ein offizieller Gedenktag wird, muss das Projekt das Standardverfahren durchlaufen: Pruefung durch den zustaendigen Ausschuss, Abstimmung im Saal der Werchowna Rada und gegebenenfalls Unterzeichnung durch den Praesidenten. Vorerst bleibt der 31. Oktober ein Datum, das die Initiatoren als bedeutsam fuer die ukrainische Kultur anerkannt sehen wollen, das jedoch keinen offiziellen Status besitzt.