---
title: "Politik gegen Wirtschaft: Wie die Ukraine die Tariferhöhung während des Krieges bremst"
description: "Die Ukraine bremst während des Krieges bewusst die Erhöhung der Gemeindetarife, trotz milliardenschwerer Schulden der Branche. Vizepremier Kuleba nannte dies eine politische Entscheidung zum Schutz der Bevölkerung, und die Preise für Gas und Strom sind bis 2026–2027 fixiert. 🔥⚡🇺🇦"
date: 2026-07-03T14:38:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ukraine-bremsen-erhoehung-kommunal-tarife-waehrend-des-krieges
tags: []
publisher: "XAB.info"
---

# Politik gegen Wirtschaft: Wie die Ukraine die Tariferhöhung während des Krieges bremst

![Ukrainischer Energieminister Herman Haluschtschenko auf einer Pressekonferenz, die die Eindämmung der Tarifsteigerungen während des Krieges diskutiert](https://xab.info/media/2026/07/03/ukraina-derzhit-tarify-na-kommunalnye-uslugi-v-usloviyakh-voyny/ukraina-derzhit-tarify-na-kommunalnye-uslugi-v-usloviyakh-voyny-1.webp)

Unter den Bedingungen des anhaltenden Kriegszustands hat die ukrainische Regierung eine grundlegende Entscheidung getroffen: die Erhöhung der Gemeindetarife zu bremsen. Trotz des kritischen Zustands der Branche und der Anhäufung milliardenschwerer Schulden sind die Behörden der Ansicht, dass der Schutz der Bürger vor finanzieller Belastung unter den aktuellen Umständen Priorität hat. Dies erklärte der stellvertretende Ministerpräsident für den Wiederaufbau der Ukraine und Minister für die Entwicklung von Gemeinden und Territorien, Oleksij Kuleba, in einem Interview mit „Ukrinform“.

### Tarife als politische Frage

Oleksij Kuleba verschweigt nicht, dass die aktuelle Situation mit den Preisen für kommunale Dienstleistungen eine rein politische Entscheidung ist. Der Beamte betonte, dass der Staat bewusst die Verantwortung übernimmt, die Last für die Menschen nicht zu verschärfen, die täglich unter Beschuss leben. Nach seinen Worten ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung, die aktuellen Tarife zu halten, um die Bevölkerung während des Krieges nicht unter Druck zu setzen.

Hinter dieser Entscheidung stehen jedoch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Im zuständigen Ministerium wird eingestanden, dass die geltenden Tarife der Unternehmen für Fernwärme und Wasserversorgung längst nicht mehr den Marktrealitäten entsprechen. Die Diskrepanz zwischen den Kosten für die Ressourceneinkäufe und den Verkaufspreisen an die Bevölkerung führt dazu, dass sich in der Branche enorme Schulden für Gas und Strom anhäufen.

### Milliardenschulden und Tilgungsplan

Die Situation mit den Rückständen im kommunalen Sektor hat einen kritischen Punkt erreicht. Zuvor wurde berichtet, dass die Schulden für Wärme gegenüber „Naftogaz“ bereits 180 Milliarden Griwna erreicht haben. Um dieses Problem zu lösen, sucht die Regierung gemeinsam mit dem Finanzministerium und Volksabgeordneten nach Wegen, aus der Krise zu kommen.

Insbesondere wird die Möglichkeit erwogen, im Haushalt für 2027 ein spezielles Programm zur Tilgung von 122 Milliarden Griwna Rückständen aufgrund der Tarifdifferenz zu verankern. Oleksij Kuleba betonte, dass eine Überprüfung der Preisgestaltung unvermeidlich ist, dies jedoch erst nach Beendigung des Krieges und dem Sieg geschehen wird, unter strikter Einhaltung der Anforderungen zum Schutz sozial vulnerabler Bevölkerungsgruppen.

### Stabilität der Ressourcenpreise bis 2027

Parallel zur Lösung der Schuldenfragen hat das Kabinett der Minister die Kosten für Schlüsselressourcen für die Bevölkerung auf absehbare Zeit fixiert. Dies schafft eine gewisse Stabilität für die Ukrainer unter den Bedingungen der Unsicherheit:

    - **Strom:** Der geltende Tarif für die Bevölkerung (4,32 Griwna pro kWh) wird mindestens bis zum 31. Oktober 2026 beibehalten. Für Haushalte mit elektrischer Heizung im Winter ist ein ermäßigter Preis von 2,64 Griwna pro kWh vorgesehen.

    - **Gas:** Etwa 98 % der Haushaltskunden werden zu einem Festpreis von 7,96 Griwna pro Kubikmeter versorgt. Dieser Tarif wird mindestens bis Ende April 2027 gelten.

Wichtig ist zu beachten, dass die Preisgestaltung für Wasser vollständig auf die Ebene der lokalen Verwaltungen und Regionen übertragen wurde, was, wie Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko sagte, eine flexiblere Reaktion auf lokale Bedürfnisse ermöglicht, die Verantwortung jedoch auch auf die Regionen verlagert.

### Balance zwischen Überleben und Wirtschaft

Die Entscheidung der Behörden, die Tarife zu bremsen, ist ein Versuch, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung zu finden. Einerseits arbeiten die Versorgungsunternehmen mit Verlust und häufen Schulden an, die in Zukunft von den Steuerzahlern getilgt werden müssen. Andererseits wäre ein starker Preisanstieg unter Kriegsbedingungen ein Schlag gegen die Lebensqualität von Millionen Ukrainern, die bereits mit dem Verlust von Eigentum und Einkommen konfrontiert sind.

Oleksij Kuleba hat deutlich gemacht, dass das aktuelle Modell der Preisgestaltung eine vorübergehende Maßnahme ist, die vom Kriegszustand diktiert wird. Nach dem Sieg wird das Land unvermeidlich mit der Notwendigkeit der Reform der Branche konfrontiert sein, doch derzeit bleibt der Schutz der Bürger vor zusätzlicher finanzieller Belastung Priorität.