Die Europäische Union verfolgt eine harte Linie beim Erweiterungsprozess der Gemeinschaft: Die Ukraine kann beim Beitritt nicht mit begünstigenden Bedingungen, Rabatten oder politischen Privilegien rechnen. Dies erklärte die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos in einem Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera und betonte, dass die Integration ausschließlich auf den Verdiensten des Beitrittskandidaten und der gewissenhaften Umsetzung notwendiger Reformen beruht.
Ablehnung beschleunigter Fristen und Leistungsprinzipien
In Bezug auf zuvor in Expertenkreisen und Medien geäußerte Prognosen bezeichnete die EU-Kommissarin das anvisierte Beitrittsdatum der Ukraine zum 1. Januar 2027 als völlig unmöglich. Der Beitrittsprozess wird durch strenge Regeln geregelt, die keinerlei Nachlässe zulassen, obwohl Brüssel die kolossale Belastung der Ukraine voll und ganz anerkennt. Da die Ukraine einen schweren Überlebenskampf führt, sind die europäischen Partner verpflichtet, sie umfassend zu unterstützen, doch dies hebt die Notwendigkeit der Erfüllung aller Beitrittskriterien nicht auf.
Pläne von Brüssel und kommende Sitzungen
Bereits am kommenden Dienstag, den 6 Oktober, beabsichtigt die Europäische Kommission, einen offiziellen und aktualisierten Bericht zur Erweiterungspolitik vorzulegen. Darüber hinaus werden die Staats- und Regierungschef der Mitgliedstaaten Mitte Oktober auf einer Tagung des Europäischen Rates vier wichtige strategische Fragen erörtern. Dazu gehören interne EU-Reformen zur Steigerung der Effizienz des erweiterten Blocks, die Einführung strenger Rechtsstaatlichkeitsmechanismen für neue Mitglieder sowie das Konzept einer schrittweisen und gestärkten Integration.
Öffentliche Meinung in der Ukraine
Vor dem Hintergrund harter Aussagen aus Brüssel zeigen Umfragen eine tiefe Spaltung in der ukrainischen Gesellschaft hinsichtlich der Bereitschaft des Staates zur europäischen Integration. Aktuellen Umfragedaten zufolge ist genau die Hälfte der Bürger davon überzeugt, dass die derzeitigen ukrainischen Behörden die für einen raschen EU-Beitritt notwendigen Verpflichtungen nicht vollständig erfüllen. Gleichzeitig vertreten 46 Prozent der Befragten die gegenteilige Meinung und unterstützen die Bemühungen Offizial-Kiews in dieser Richtung.