Bei seinem Treffen mit dem estnischen Präsidenten Alar Karis in Kiew zog Wolodymyr Selenskyj eine Bilanz des Gipfels der Koalition der Willigen und sprach von konkreten Waffenlieferungen für die Luftverteidigung sowie von neuen gezielten Unterstützungspaketen. Laut dem Staatschef betreffen die erreichten Vereinbarungen mehrere Klassen von Luftverteidigungssystemen sowie bestimmte Regionen und Wirtschaftssektoren der Ukraine.

Vereinbarungen zum Schutz des Himmels

Selenskyj bestätigte den Eingang einer zusätzlichen Charge Munition für die amerikanischen Flugabwehr-Raketenkomplexe Patriot. Dabei nannte er weder das Lieferland noch den genauen Umfang der Charge und bemerkte lediglich, dass es „wenige“ Raketen seien und man „mehr“ brauche. Der Präsident teilte zudem mit, dass die Überstellung mehrerer Crotale-Luftverteidigungssysteme zusammen mit den dazugehörigen Raketenpaketen bestätigt wurde, sowie den Eingang von AIM-Raketen, die laut seinen Worten zur Abfangung von Raketen des Gegners eingesetzt werden.

AIM-Raketen und Crotale-Systeme

Wie Selenskyj betonte, haben die AIM-Raketen für die Ukraine eine besondere Bedeutung, da sie zum Abschuss von Feindraketen verwendet werden. Die Crotale-Systeme und ihr Munitionsbestand ergänzen der Logik der Aussage zufolge den Flugabwehrschild auf kurze Distanzen. Details zur Anzahl der übergebenen Komplexe und zum Spenderstaat wurden in der öffentlichen Ansprache nicht offengelegt, was für Mitteilungen über Luftverteidigungslieferungen unter den gegenwärtigen Bedingungen charakteristisch ist.

Gezielte Unterstützung für Regionen und Wirtschaftssektoren

Neben der Luftverteidigung kündigten die Partner nach dem Gipfel neue Unterstützungspakete für bestimmte Gebiete und Branchen an. Selenskyj nannte Belgien und Dänemark (Richtung Mykolajiw) sowie Estland als Unterstützer von Sschytomyr. Belgien und Deutschland kündigten zudem separate Energiepakete an, und Schweden stellt laut dem Präsidenten erhebliche Mittel für die Produktion ukrainischer Drohnen bereit. Die Teilnehmer der Koalition der Willigen unterstützten außerdem eine Reihe von Veteranenprojekten.

Widersprüchliche Angaben

Hier weichen die Versionen der Beteiligten teilweise voneinander ab. Auf der einen Seite stellt Selenskyj fest, dass bereits eine, wenn auch kleine, Charge von Patriot-Raketen sowie neue Crotale-Systeme und AIM-Raketen eingetroffen sind. Auf der anderen Seite weist Juri Ignat, Leiter des Kommunikationsbüros des Kommandos der Luftstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte, darauf hin, dass der Mangel nicht nur bei den Patriot-Abfangraketen, sondern auch bei den Raketen für boden- und luftgestützte Luftverteidigungsplattformen anhält. Die Analysten bewerten ihrerseits eher die „Chancen“ Kiews, eine ausreichende Anzahl von Raketen zu erhalten, als deren garantierte Lieferung. Damit hebt die bestätigte kleine Lieferung die Dringlichkeit des allgemeinen Mangels nicht auf, und die Angaben zu Lieferant und Umfang bleiben unklar.

Kontext: Mangel an Abfangraketen und Vorbereitung des Besuchs in den USA

Angesichts dieser Aussagen teilte der britische Premierminister Andy Burnham mit, dass er im September in die USA reisen wolle, um Präsident Donald Trump zu überzeugen, der Ukraine vor dem Winter Zugang zu einem Teil der Bestände an Patriot-Abfangraketen zu gewähren. Dies zeigt, dass die Frage der Versorgung der Luftverteidigung mit Abfangraketen offen bleibt und bereits in den kommenden Wochen auf bilateraler Ebene behandelt werden soll.