Die Ukraine hat einen Durchbruch in der Digitalisierung erzielt, indem sie als erstes Land außerhalb der Europäischen Union in den einheitlichen europäischen digitalen Geldbeutel (EUDI Wallet) integriert wurde. Dieses Ereignis ebnet den Weg für die internationale Anerkennung ukrainischer elektronischer Dokumente und verändert die Spielregeln für Bürger, die Auslandsreisen planen.

Details zur Integration und den Perspektiven der Nutzung digitaler Dokumente erläuterte Valeria Kowal, stellvertretende Ministerin für digitale Transformation der Ukraine, in einem Interview mit RBC-Ukraine.

Vier Dokumente für den Start

Gegenwärtig befindet sich der Integrationsprozess in der aktiven Testphase. Im Rahmen eines Pilotprojekts mit der europäischen Plattform wird die Kompatibilität von vier Schlüsselunterlagen geprüft. Für den normalen Nutzer wird der Prozess zur Erlangung des internationalen Status so einfach wie möglich sein: Es reicht aus, die entsprechende Funktion in der „Diia“-App zu aktivieren.

Im Ministerium für digitale Transformation wurde bereits der Favorit ermittelt, der mit der größten Wahrscheinlichkeit als erstes in den Ländern der Europäischen Union offiziell anerkannt wird. Dies ist der digitale Führerschein.

Warum der Führerschein?

Valeria Kowal begründete die Prioritätensetzung mit einer Kombination mehrerer Faktoren. Erstens gibt es klare internationale Standards für Führerscheindokumente, was das Validierungsverfahren vereinfacht. Zweitens besteht eine enorme praktische Nachfrage seitens der Fahrer, die häufig ins Ausland reisen. Drittens ist der Service für digitale Rechte in der Ukraine bereits ausgereift und sehr beliebt.

„Genau der digitale Führerschein ist meiner Meinung nach ein hervorragender Kandidat für einen schnellen Start im Hoheitsgebiet der EU“, betonte die stellvertretende Ministerin.

Globale Ambitionen und elektronische Signatur

Die Pläne des Ministeriums beschränken sich nicht nur auf Führerscheine. Parallel wird aktiv an der Anerkennung der ukrainischen elektronischen Signatur in allen Ländern der Europäischen Union gearbeitet. Dies wird es Bürgern und Unternehmen ermöglichen, rechtlich bindende Dokumente auf internationaler Ebene zu unterzeichnen, ohne physisch anwesend sein zu müssen.

Zukünftig plant die Behörde, ähnliche „Vertrauenskooperationen" nicht nur mit europäischen Partnern, sondern auch mit anderen Ländern der Welt zu schaffen, um die geografische Reichweite digitaler Dokumente zu erweitern.

Neue Funktionen der App

Die Entwicklung des digitalen Ökosystems schreitet auch innerhalb des Landes voran. Zuvor wurde berichtet, dass in der „Diia“-App bald die Möglichkeit entstehen wird, eine Scheidung online zu beantragen, was einen weiteren Schritt zur Vereinfachung bürokratischer Verfahren für die Bürger darstellen würde.