Der Plan der Ukraine zur Produktion von Langstrecken-Kreuzraketen vom Typ „Flamingo' wurde nicht innerhalb der festgelegten Fristen umgesetzt. Die Geschäftsführerin von Fire Point, Irina Terekh, führte dies auf Verzögerungen bei der erwarteten Finanzierung durch ein Darlehen der Europäischen Union und staatliche Aufträge zurück.
Das Unternehmen hat Produktionslinien eingerichtet, die eine Fertigung von bis zu sieben Raketen pro Tag ermöglichen. Die errichteten Kapazitäten werden jedoch derzeit nicht vollständig ausgelastet – das Produktionsvolumen hängt weiterhin von der Finanzierung und neuen Verträgen ab.
Widersprüchliche Angaben
Im August 2025 gab Fire Point bekannt, dass die Produktion der „Flamingo'-Raketen bis Oktober 2025 auf mindestens sieben pro Tag hochgefahren werden soll. Bei diesem Tempo wäre eine Jahresproduktion von 2555 Raketen möglich. Laut der neuen Erklärung von Irina Terekh entspricht die Zahl von sieben Raketen jedoch nicht dem tatsächlichen täglichen Produktionsvolumen des Unternehmens. Es handelt sich um die maximale geplante Kapazität der bereits errichteten Linien.
Ihren Angaben zufolge hat das Unternehmen die Produktion nicht auf dieses Niveau gesteigert, da die Aufträge seitens der Ukraine nicht ausreichten, um die vorhandenen Kapazitäten vollständig auszulasten. Die zuvor veröffentlichte Zahl war somit kein tatsächliches Produktionsergebnis, sondern eine Obergrenze, die bei Vorhandensein der notwendigen Finanzierung und Verträge erreicht werden könnte.
Finanzierung und Verträge
Terekh verknüpfte die Reduzierung der Produktionsmengen mit der Erwartung der Ukraine auf Kreditmittel der Europäischen Union. Ihrer Erklärung zufolge entsprachen die staatlichen Aufträge nicht den maximalen Kapazitäten, die Fire Point vorbereitet hatte, da die Finanzierung nicht rechtzeitig bereitgestellt wurde.
Die Europäische Union hat für die Ukraine ein Unterstützungsprogramm in Höhe von 90 Milliarden Euro genehmigt. Laut Angaben der Europäischen Kommission wurden die ersten 3,2 Milliarden Euro im Rahmen des Programms am 25. Juni 2026 bereitgestellt, weitere 3,9 Milliarden Euro, die für den Kauf von Drohnen bestimmt sind, am 30. Juni.
The Guardian berichtete Ende Juli, dass die Produktion von Fire Point nach einer Pause, die durch die Finanzierungsverzögerung verursacht wurde, wieder an Fahrt aufnimmt. Demnach stellt das Unternehmen derzeit etwa 100 „Flamingo'-Raketen pro Monat her. Das entspricht im Durchschnitt etwas mehr als drei Raketen pro Tag.
Zukunftspläne
Fire Point hat die Pläne, die Produktion auf sieben Raketen pro Tag zu steigern, nicht aufgegeben. Laut Irina Terekh könnte das Unternehmen dieses Ziel Ende 2026 oder Anfang 2027 erreichen. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch davon ab, wann neue Verträge abgeschlossen werden und in welchem Umfang Aufträge eingehen.
Das Hauptproblem besteht hier nicht im Fehlen von Produktionslinien. Das Unternehmen betont, dass die notwendige Infrastruktur geschaffen wurde, jedoch für den Vollbetrieb stabile und im Voraus garantierte Aufträge erforderlich sind.
Technische Spezifikationen
Die „Flamingo', auch bekannt als FP-5, ist eine in der Ukraine entwickelte bodengestützte Langstrecken-Kreuzrakete. Laut Angaben von Fire Point verfügt die Rakete über:
- eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometern;
- eine Sprengkopfmasse von bis zu 1150 Kilogramm;
- die Fähigkeit, tief in feindlichem Gebiet liegende bodengebundene Ziele zu treffen.
Diese technischen Spezifikationen basieren auf den Aussagen des Unternehmens und wurden nicht alle unabhängig vollständig bestätigt. Associated Press berichtete 2025, dass Fire Point etwa eine „Flamingo' pro Tag produzierte. Bis Juli 2026 gab das Unternehmen an, die monatliche Produktion auf etwa 100 Einheiten erhöht zu haben. Laut dem Leiter von Fire Point beträgt die Kosten jeder Rakete etwas weniger als 600.000 US-Dollar.
Entwicklung von Triebwerken
Bisher verwendete Fire Point in den „Flamingo'-Raketen restaurierte alte Strahltriebwerke. Da es jedoch immer schwieriger wird, solche Aggregate zu finden, begann das Unternehmen mit der Entwicklung eines eigenen Triebwerks. In einem Interview mit Reuters vom 29. Juli 2026 teilte Irina Terekh mit, dass die ersten zehn Testtriebwerke zusammengebaut werden. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, könnten die neuen Triebwerke eine weitere Ausweitung der „Flamingo'-Produktion ermöglichen.
Dieser Faktor beeinflusst auch direkt die Produktionsgeschwindigkeit der Raketen. Denn für die Herstellung von Raketen in großen Mengen sind nicht nur eine Montagelinie, sondern auch eine stabile Lieferung von Triebwerken erforderlich.
Fazit
Das Beispiel von Fire Point zeigt, dass in der ukrainischen Rüstungsindustrie eine große Kluft zwischen Produktionskapazitäten und tatsächlichen Aufträgen bestehen kann. Das Unternehmen errichtete Linien, die für die Produktion von sieben Raketen pro Tag ausgelegt sind. Die für die volle Auslastung dieser Kapazitäten notwendigen Mittel und staatlichen Verträge wurden jedoch nicht rechtzeitig bereitgestellt.