Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), die Rechte des Olympischen Komitees Russlands (OKR) wiederherzustellen, hat eine scharfe Reaktion in Kiew ausgelöst. Vor dem Hintergrund des verstärkten Sanktionsdrucks seitens des Westens äußern die ukrainischen Behörden tiefe Besorgnis über die mögliche Rückkehr russischer Athleten auf die internationale Bühne.
Der vom Präsidenten der Ukraine für Sanktionspolitik Bevollmächtigte, Wladyslaw Wlasjuk, erklärte in einem Gespräch mit Journalisten von RBC-Ukraine, dass alle Schritte zur Wiederherstellung der vollen Teilnahme russischer Sportstrukturen der Logik der aktuellen geopolitischen Situation widersprechen.
Verbindung von Sport mit Sicherheitsbehörden
Das Hauptargument Kiews besteht in der engen Integration des russischen Sports mit staatlichen Sicherheitsbehörden. Laut Wlasjuk repräsentiert ein erheblicher Teil der russischen Sportler Vereine des russischen Verteidigungsministeriums, der Nationalgarde (Rosgvardia) und anderer Strukturen. Viele von ihnen tragen militärische Ränge, was sie aus Sicht der ukrainischen Seite zu einem Teil der Kriegsmaschinerie macht.
Besonderes Augenmerk wurde auf die öffentliche Position von Stars des russischen Sports gelegt. Wlasjuk nannte die Namen olympischer Champions und Medaillengewinner, die den Krieg gegen die Ukraine offen unterstützen:
- Angelina Melnikowa
- Jana Jegorjan
- Wladislaw Larin
- Swetlana Daschanimaewa
Diese Sportler haben nicht nur die Politik des Kremls öffentlich gebilligt, sondern auch an propagandistischen Veranstaltungen teilgenommen und von Russland besetzte Gebiete besucht. Genau für diese Handlungen hat die Ukraine bereits persönliche Sanktionen gegen sie verhängt.
Neue Ziele für europäische Sanktionen
Der politische Druck erstreckt sich nicht nur auf die Athleten, sondern auch auf die Führung des Sports. Die ukrainischen Behörden diskutieren die Erweiterung der Sanktionslisten im Rahmen des kommenden 21. Sanktionspakets der EU. Insbesondere könnte der Präsident der Internationalen Schachföderation (FIDE), Arkadi Dworkowitsch, der bereits unter ukrainischen Sanktionen steht, betroffen sein.
Zu den anderen Beamten, gegen die die Einführung europäischer Beschränkungen erwogen wird, gehören:
- Russischer Sportminister Michail Degtyarew
- Präsident des Ringerverbands Michail Mamiaschwili
- Ehemaliger OKR-Vorsitzender Stanislaw Pozdnjakow
Sport als Instrument der Propaganda
Wladyslaw Wlasjuk betonte, dass der Sport in Russland weiterhin ein mächtiges Instrument der staatlichen Propaganda und Unterstützung militärischer Aktionen bleibt. Daher sollten internationale Organisationen, so die Meinung des ukrainischen Bevollmächtigten, die Isolierung nicht lockern, sondern eine harte Politik gegenüber allen, die die Aggression fördern, beibehalten.
Angesichts dieser Erklärungen hat die FIFA die Vorbereitungen für eine offizielle Diskussion über die mögliche Aufhebung des Verbots für russische Mannschaften bei internationalen Turnieren aufgenommen. Anlass für diese Diskussionen war die Entscheidung des IOK, die Disqualifikation des OKR aufzuheben und die internationalen Sportföderationen darüber zu informieren.