Die moderne Unterhaltungsindustrie zeigt eine globale Kluft im Lebensstandard. Das Projekt The World in Maps hat in Zusammenarbeit mit der Analyse-Community Maven Mapping eine Studie veröffentlicht, die die Kaufkraft der Bevölkerung in europäischen Ländern anschaulich darstellt. Als Index für die Erschwinglichkeit wurde ein fiktiver wirtschaftlicher Marker gewählt: die Anzahl der Arbeitsstunden, die für den Kauf einer Standard-Digitalveröffentlichung im Wert von 79,99 US-Dollar erforderlich sind. Als Referenz dient der Grundpreis der erwarteten Medienfranchise GTA VI.

Die Ergebnisse der Studie sind ein harter Spiegel der aktuellen wirtschaftlichen Realität. Die Ukraine belegte in dieser Liste den letzten Platz und verzeichnete die höchste berechnete Anzahl an Arbeitsstunden. Das bedeutet, dass ein Einwohner des Landes mehr Zeit aufwenden muss, um ein digitales Produkt zu erwerben, als jeder andere Einwohner der im Ranking vertretenen Länder.

Ranking der Erschwinglichkeit: Von der Schweiz bis zur Ukraine

Die Autoren der Studie stellten den Einzelhandelspreis des digitalen Produkts den Indikatoren des nationalen Median-Nettoeinkommens (nach Abzug der Steuern) sowie der tatsächlichen Arbeitszeit pro Monat gegenüber. Die resultierende Tabelle zeigt eine gewaltige Kluft zwischen West-, Nord- und Osteuropa.

Führend im Ranking sind Länder mit hohen Einkommen und einer entwickelten Wirtschaft:

  • 🇨🇭 Schweiz: 2,66 Stunden.
  • 🇱🇺 Luxemburg: 3,20 Stunden.
  • 🇩🇰 Dänemark: 3,45 Stunden.
  • 🇬🇧 Großbritannien: 4,27 Stunden.
  • 🇩🇪 Deutschland: 4,74 Stunden.

Die Situation ändert sich drastisch beim Übergang zu den Ländern Osteuropas und des GUS-Raums. Die Diskrepanz in den Indikatoren wird kritisch:

  • 🇵🇱 Polen: 11,50 Stunden.
  • 🇷🇴 Rumänien: 17,64 Stunden.
  • 🇧🇬 Bulgarien: 18,77 Stunden.
  • 🇹🇷 Türkei: 23,52 Stunden.
  • 🇷🇺 Russland: 26,60 Stunden.
  • 🇽🇰 Kosovo: 29,86 Stunden.
  • 🇺🇦 Ukraine: 32,11 Stunden.

Wirtschaftliche Mathematik und Methodik

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Berechnungen nicht auf Basis der Brutto-, sondern der Nettoeinkommen durchgeführt wurden. Dies ermöglicht eine präzisere Abbildung der tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten der Bürger. Die ursprünglichen Varianten der Infografik, die auf Bruttosätzen basierten, zeigten für die Ukraine eine Zahl von 31,12 Stunden, doch der korrigierte Index, der Steuern berücksichtigt, erhöhte diesen Wert auf 32,11 Stunden.

Die erhebliche Anzahl an Arbeitsstunden, die Ukrainer für den Kauf einer fiktiven Wareseinheit aufwenden müssen, wird durch eine Kombination makroökonomischer Faktoren erklärt. Zu den wichtigsten gehören die makrofinanzielle Instabilität und das aktuelle Niveau der offiziellen Medianlöhne, das in Dollar- und Euroäquivalenten niedriger bleibt als in den Ländern Mittel- und Südeuropas.

Das Problem fehlender regionaler Diversifizierung

Haupttreiber dieser Situation ist die Preispolitik internationaler Verlage. Große Unternehmen, die Software und digitalen Inhalt veröffentlichen, fixieren in der Regel den Preis von Flaggschiff-Veröffentlichungen in einer stabilen Währung (Dollar oder Euro) für die gesamte europäische Region.

Dabei berücksichtigen sie den lokalen Kaufkraftparität (KKP) nicht. Infolgedessen bleibt der Nennpreis des Produkts in Äquivalenten nationaler Währungen für Märkte mit mittlerem und niedrigem Einkommen unverändert hoch. Für einen Schweizer sind 80 Dollar eine verschwindend geringe Summe, die mit ein paar Arbeitsstunden abgedeckt ist, während sie für einen Ukrainer einen erheblichen Teil des monatlichen Haushalts darstellt und mehr als anderthalb Arbeitstage erfordert.