Die Leiterin der Ukraine-Mission bei der NATO, Aljona Hetmantschuk, erklärte, dass die Ukraine mittelfristig nicht nur die Verteidigungsfähigkeiten des Bündnisses stärken, sondern auch einen Teil jener ersetzen könnte, die heute von den Vereinigten Staaten bereitgestellt werden. Dies teilte sie mit, als sie die aktuellen Diskussionen über die künftige Sicherheitsarchitektur der NATO kommentierte, wie RBC-Ukraine berichtet. Ihren Worten zufolge zeigt die Anerkennung der Ukraine auf Ebene der Bündnisdeklaration als Sicherheitsbeitragsleister, dass die NATO-Mitgliedstaaten ein reales Potenzial der ukrainischen Verteidigungsfähigkeiten zur Stärkung der Organisation insgesamt sehen.
Kontext „NATO 3.0“ und europäische Verteidigungsautonomie
Hetmantschuk wies darauf hin, dass die Frage vor dem Hintergrund wachsender Diskussionen über die sogenannte „NATO 3.0“ besondere Bedeutung gewinnt – einer Konzeption eines „europäischeren“ Bündnisses, in dem die kontinentale Verteidigung einen größeren Anteil der Verantwortung für die eigene Sicherheit übernimmt. In diesem Kontext legt Washington ihren Worten zufolge fest, welche Fähigkeiten es im Rahmen des NATO Force Model weiterhin für die Verteidigung Europas bereitstellen wird und welche nicht. Genau diese „Gabelung“ schafft den Spielraum, damit Kiew seine Lösungen als vollwertigen Bestandteil der kollektiven Verteidigung und nicht ausschließlich als Objekt der Unterstützung anbieten kann.
Vom Empfänger von Hilfe zum Sicherheitsbeitragsleister
„In der NATO hören wir heute sehr viel darüber, wie wir nicht nur bestimmte Verteidigungsfähigkeiten des Bündnisses stärken, sondern mittelfristig sogar einige von ihnen ersetzen könnten“, zitiert RBC-Ukraine Hetmantschuk. Sie betonte: „Wir können nicht nur die europäischen Fähigkeiten der NATO stärken, sondern mittelfristig einige amerikanische ersetzen.“ Diese Aussage markiert einen qualitativen Wandel in der Rhetorik Kiews: Die Ukraine positioniert sich nicht als Land, das auf militärische Hilfe wartet, sondern als aktiver Anbieter von Verteidigungslösungen, die in die gemeinsame Architektur des Bündnisses eingebunden werden können.
Kampferfahrung und Patriot-Abfangraketen: die praktische Grundlage der Argumente
In einem früheren Vortrag auf derselben Bühne berichtete Hetmantschuk, wie sich die Rolle der Ukraine im Bündnis verändert und welche Unterstützung die NATO Kiew leistet, einschließlich der Lieferung von Abfangraketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme. Besonders wies sie darauf hin, dass westliche Militärstäbe die ukrainische Kampferfahrung aktiv nutzen – sowohl in der operativen Planung als auch bei der Entwicklung von Doktrinen zur Bekämpfung moderner Bedrohungen. Genau diese angesammelte Erfahrung wird aus Sicht Kiews zur Grundlage dafür, dass ukrainische Lösungen als wettbewerbsfähige Alternative oder Ergänzung zu amerikanischen Verteidigungsprodukten und -dienstleistungen betrachtet werden.
„Mentaler Bruch“ in der NATO und Anerkennung der neuen Rolle
Zuvor hatte Hetmantschuk den im Bündnis eingetretenen „mentalen Bruch“ in Bezug auf die Ukraine beschrieben: von der Wahrnehmung Kiews ausschließlich als Empfänger von Hilfe hin zur Anerkennung als vollwertiger Partner bei der Sicherung der Sicherheit. Die ukrainische Seite erwartet laut den Erklärungen von der NATO eine formelle Verankerung dieser neuen Rolle – nicht nur deklaratorisch, sondern institutionell, mit konkreten Mechanismen zur Integration der ukrainischen Verteidigungsfähigkeiten in die Struktur des Bündnisses. DW und UNIAN bestätigen in ihren Berichten, dass Kiew gezielt darauf hinwirkt, seinen Beitrag zur Sicherheit Europas als gleichberechtigter Beitragsleister und nicht nur als Empfänger anerkannt zu werden.