Der umfassende russische Überfall und die beispiellosen sozialen Herausforderungen, denen die Ukraine gegenübersteht, haben chronische Probleme des Systems des Sozialschutzes offengelegt. Von übermäßiger Bürokratie bis hin zu einem akuten Haushaltsdefizit – Millionen von Familien gerieten in eine schwierige Lage, was als Katalysator für umfassende Reformen diente.

Krise des alten Modells

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit erbte die Ukraine ein unhandliches sowjetisches Modell von Privilegien. Auf dem Papier wirkte es großzügig, in der Realität ließ es jedoch diejenigen, die am Rande des Überlebens standen, mit ihren Problemen allein. In den 2000er Jahren wurde offensichtlich: Das System war ineffizient, und die Haushaltsausgaben wuchsen schneller als die Qualität der Unterstützung.

Die Situation verschärfte sich 2014. Die Annexion der Krim und der Krieg im Donbass führten zu einem neuen sozialen Phänomen – den Binnenvertriebenen (BVL). Innerhalb von zwei Jahren stieg ihre Zahl auf fast zwei Millionen. Die soziale Infrastruktur in den Regionen hielt der Belastung kaum stand: Die Ausgaben für den Sozialschutz stiegen von 399 auf 625 Milliarden Hrywnja, doch die staatliche Unterstützung blieb unzureichend und zu langsam.

Übergang zur Zielgenauigkeit

Genau dann begann der schmerzhafte Übergang von „Statusgruppen' zur Zielgenauigkeit. Anstatt anonymisierter Kategorien wurde Hilfe nun gezielt denen geleistet, die sie wirklich benötigten. Anstelle von Papierkram wurden erste Schritte in Richtung Digitalisierung unternommen. 2018 wurde für die Rehabilitation der Verteidiger das Ministerium für Veteranenangelegenheiten gegründet.

Der Beginn des umfassenden Überfalls löste eine beispiellose humanitäre Krise aus. Die Zahl der Menschen mit Behinderungen stieg um mindestens 300.000. Ende 2025 gab es in der Ukraine 3,7 Millionen Binnenvertriebene, und weitere 5,6 Millionen waren ins Ausland geflohen.

Internationale Partnerschaft und das SPIRIT-Programm

Die lokalen Gemeinden trugen den ersten Schlag. Um ihnen die Hände freizugeben, erlaubte die Werchowna Rada im April 2022, Entscheidungen über die Gewährung von Soforthilfe innerhalb von 24 Stunden zu treffen. Die Gemeinden spürten jedoch einen akuten Mangel an Ressourcen und Fachkräften. Internationale Organisationen kamen zur Hilfe.

Bisher schufen Geber oft parallele Hilfesysteme, was zu einer Verdopplung der Funktionen führte. 2023 veränderte die Initiative PeReHID, die unter der Führung von UNICEF gestartet wurde, die Spielregeln. Internationale Organisationen integrierten sich in das staatliche Sozialschutzsystem und lenkten Ressourcen dorthin, wo sie am dringendsten benötigt wurden: in die Grenzgebiete, zu einkommensschwachen Familien und zu Menschen mit Behinderungen.

Die logische Fortsetzung dieses Erfolgs war der Start des umfassenden Programms SPIRIT (Social Protection for Inclusion, Resilience, Innovation and Transformation). Dies ist eine einzigartige, umfassende Initiative, die von der britischen Regierung über die Botschaft des Vereinigten Königreichs in der Ukraine im Rahmen des historischen Abkommens über die 100-jährige Partnerschaft finanziert wird. Das Programm wird vom Ministerium für Sozialpolitik in strategischer Partnerschaft mit UNICEF und der Weltbank entwickelt und umgesetzt.

Die vier Säulen des neuen Systems

Die Botschaft des Vereinigten Königreichs und UNICEF investieren nicht in den Unterhalt alter sowjetischer Einrichtungen, sondern in Humankapital – die wertvollste Ressource für den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg. Das Programm SPIRIT stützt sich auf vier Hauptsäulen:

  • Inklusion: garantiert den gleichen Zugang zu Hilfe für alle Bürger, mit besonderem Fokus auf Menschen mit Behinderungen und Kriegsopfer.
  • Resilienz: soll lokale Gemeinden stärken, damit sie über die Ressourcen und die Fähigkeit verfügen, zukünftige Krisen eigenständig zu bewältigen und sich schnell von Schocks zu erholen.
  • Innovationen: beinhalten die Einführung moderner Technologien und digitaler Instrumente für eine schnelle, transparente und nachhaltige Dienstleistungserbringung.
  • Transformation: systemische Änderungen in der staatlichen Politik, die ausschließlich auf realen Daten und qualitativ hochwertiger Analyse basieren müssen und nicht auf veralteten Konzepten.

Um eine evidenzbasierte Grundlage zu sammeln und Reformen zu modellieren, wurde beim Ministerium für Sozialpolitik ein analytischer Kern – das Büro für soziale Wiederherstellung (SRO) – geschaffen, dem führende UNICEF-Experten angehören. Dank der analytischen Unterstützung von SPIRIT bewegt sich die Ukraine auf die Schaffung eines modernen Systems zu, das jeden Bürger unter Bedingungen der Unsicherheit schützen kann.