Die Ukraine tritt in eine neue Phase des Aufbaus ihres Luftabwehrsystems ein. Außenminister Andriy Sybiga bestätigte offiziell, dass Kiew aktive Verhandlungen mit internationalen Partnern über die Erlangung von Lizenzen zur Produktion von Flugabwehrraketensystemen (Patriot) führt. Dies wurde während eines Briefings im Rahmen des NATO-Gipfels in Ankara bekannt.

Für die ukrainische Seite ist die Frage der Lizenzierung bereits von der hypothetischen Ebene in den Status konkreter Verhandlungen übergegangen. Laut dem Außenminister ist dies ein strategisch wichtiger Schritt, der es dem Land ermöglicht, nicht nur Hilfe zu erhalten, sondern seine ballistischen Abwehrfähigkeiten eigenständig und schnell auszubauen.

Vom Import zur eigenen Produktion

Andriy Sybiga betonte, dass der Zugang zu Technologien der effektivste Weg zur Stärkung der Verteidigung sei. Der Minister merkte an, dass die Ukraine bereit sei, neue Systeme schnell zu implementieren, zu produzieren und einzusetzen sowie sie auf der Grundlage fortschrittlicher Technologien, die von Partnern geteilt werden, weiterzuentwickeln.

„Priorität hat insbesondere ballistische Waffen oder Ausrüstung. Gleichzeitig geht es auch um Lizenzen in anderen Bereichen, da alles der Verteidigung dienen muss', erklärte Sybiga.

Kiew arbeitet an der Stärkung der Luftabwehr gleichzeitig in mehreren Richtungen. Insbesondere werden Verhandlungen mit europäischen Staaten geführt, die Vorräte an ballistischen Raketen auf ihren Lagern haben. Die Ukraine nutzt verschiedene Kommunikationskanäle und Kooperationsformate mit jedem Land und sucht aktiv nach Partnern außerhalb Europas.

Diplomatisches Lobbying und Munitionsmangel

Im Verhandlungsprozess spielen Länder, die als Lobbyisten fungieren, eine wichtige Rolle. Laut Sybiga gibt es Unterstützungsgruppen, die der Ukraine helfen, mit Drittstaaten zu interagieren, um die notwendigen Entscheidungen zu erhalten. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Ausbau der eigenen Produktionskapazitäten. Es haben bereits Gespräche des ukrainischen Präsidenten mit Führern von Ländern stattgefunden, die den Prozess der Fertigstellung eines nationalen Luftabwehrsystems mit ballistischen Abwehrfähigkeiten beschleunigen können.

Die Aktualität dieser Schritte wird durch die kritische Situation mit Munition begründet. Die Luftstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte berichteten zuvor über einen Mangel an Raketen für die Systeme Patriot, NASAMS und IRIS-T. In einigen Einheiten sind die Munitionsvorräte praktisch erschöpft. Der Berater des Verteidigungsministers Serhij „Flash“ Besskrystnow bestätigte, dass die Ukraine derzeit faktisch keine Raketen für die Abfangung russischer ballistischer Ziele besitzt.

Die Komplexität der Situation wird dadurch verschärft, dass Länder, die an Russland grenzen, die Bedrohung von dort ebenfalls als hoch einschätzen und nicht bereit sind, ihre Vorräte abzugeben. Zu diesen Staaten gehört insbesondere Deutschland. Dennoch bittet die Ukraine weiterhin 40 Länder um Raketen für Patriot und bietet im Gegenzug zukünftige Lieferungen an, die für die Ukraine vertraglich zugesichert wurden.

Internationale Unterstützung und neue Projekte

Trotz der Schwierigkeiten nimmt die Unterstützung durch die Verbündeten zu. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, dass bei einem Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump auf dem Gipfel in der Türkei die Stärkung der ukrainischen Luftabwehr eines der Hauptthemen sein wird. Außerdem hat Norwegen etwa 268 Millionen Euro für die Stärkung der Luftabwehr der Ukraine bereitgestellt; diese Mittel werden unter anderem für den Kauf von Raketen für die Patriot-Systeme verwendet.

Darüber hinaus entwickeln die Ukraine und Deutschland ein gemeinsames Luftabwehrsystem zum Schutz des gesamten europäischen Kontinents. Dieses ehrgeizige Projekt soll das Problem des Abfangens ballistischer Raketen lösen, das für viele europäische Länder eine knappe Fähigkeit darstellt.