Die Vereinigten Staaten haben den potenziellen Verkauf von 500 PAC-3 MSE-Abfangraketen für Patriot-Flugabwehrsysteme an die Ukraine im Gesamtwert von rund 2,1 Milliarden US-Dollar genehmigt. Wie jedoch RBC-Ukraine unter Berufung auf den Radio-Liberty-Korrespondenten Alex Raufoglu berichtet, verbirgt sich hinter der lauten Ankündigung ein entscheidender Vorbehalt: Es handelt sich um neue Abfangraketen, deren Lieferung nicht vor 2030 erwartet wird. Somit bedeutet die Genehmigung des Geschäfts keineswegs, dass die ukrainische Flugabwehr in absehbarer Zeit Munition erhält — genau dann, wenn sie jetzt, im Vorfeld des Winters, am dringendsten benötigt wird.

Was genehmigt wurde und wer den Kauf finanziert

Den Angaben des Journalisten zufolge wird die Ankündigung der US-Raketenlieferungen von einer wichtigen Klarstellung bezüglich des Zeitplans begleitet. Quellen zufolge wird die Finanzierung dieses Kaufs durch Beiträge europäischer Partner — insbesondere Kanadas, Deutschlands und Norwegens — im Rahmen des JUMPSTART-Programms sichergestellt. Das bedeutet, dass es sich um einen langfristigen Vertrag handelt, den Kiew nicht aus dem eigenen Budget, sondern aus den Beiträgen von Verbündeten bezahlt, die Munition jedoch erst in einigen Jahren erhalten kann.

Warum der Zeitplan das Defizitproblem nicht löst

Nach Einschätzung von Raufoglu wird die Lieferverzögerung kaum Auswirkungen auf den akuten Mangel an Abfangraketen haben, mit dem die ukrainischen Luftabwehrsysteme vor dem Winter konfrontiert sind. Die ukrainische Seite besteht darauf, dass die Waffen bereits im kommenden Winter benötigt werden, wenn Russland neue Angriffe auf die Energieinfrastruktur vorbereitet. Der Journalist merkt an, dass die Ankündigung langfristiger Beschaffungen von dem dringenderen Problem ablenken könnte — der Lieferung bereits vorhandener Abfangraketen an die Ukraine, die sich in US-Lagern und in der Produktion befinden.

Gemeinsame Produktion: Kein Durchbruch

Auch in der Frage der gemeinsamen Produktion von Abfangraketen gab es keinen Durchbruch. Kiew hat nach wie vor weder die Genehmigung zu deren Herstellung in der Ukraine noch einen konkreten Zeitplan für den Start einer solchen Produktion. Auf die Frage nach der Möglichkeit der Erteilung einer entsprechenden Lizenz antwortete das Pentagon, es habe beschlossen, diese Angelegenheit zusätzlich zu prüfen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Aussichten für eine heimische Produktion von Patriot-Raketen ungewiss bleiben: Kiew hat bisher weder eine Genehmigung noch konkrete Fristen für die interne Produktion.

Reaktion aus Kiew: Selenskyj forderte Übergabe der Raketen „wenn sie gebraucht werden“

Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Verkaufsentscheidung als wichtig, wies jedoch darauf hin, dass die Raketenlieferungen erst in einigen Jahren beginnen könnten. Er forderte die amerikanischen Partner auf, einen Weg zu finden, die Abfangraketen zu übergeben, wenn die Ukraine sie am meisten braucht. Folglich bleiben die formelle Genehmigung des Geschäfts in Washington und der reale Munitionsbedarf Kiews zeitlich getrennt — und genau diese Lücke ist nach Ansicht von Experten das Hauptrisiko für die ukrainische Luftabwehr in den kommenden Monaten.