In der Ukraine gewinnt eine neue Initiative an Fahrt, die die Interaktion der Bürger mit dem Staat grundlegend verändern könnte. Auf der Website des Kabinetts der Minister wurde eine Petition registriert, die eine massive Erweiterung des Konzepts «Staat im Smartphone» vorschlägt. Die Verfasser des Schreibens fordern, alle Verwaltungsdienste in ein digitales Format zu überführen, für die keine persönliche Anwesenheit des Antragstellers zwingend erforderlich ist.
Das Ende der Ära der Papierbürokratie
Hauptziel der Initiative ist die maximale Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen. Nach Ansicht der Verfasser der Petition wird dies ein mächtiges Instrument zur Verringerung bürokratischer Verfahren, zur Minimierung von Korruptionsrisiken und zur Steigerung der allgemeinen Effizienz der staatlichen Verwaltung sein.
Der Kernvorschlag des Dokuments besteht darin, 100 % der Verwaltungsdienste, die keine physische Anwesenheit erfordern, in die App «Diia» zu verlagern. Dies sollte der nächste logische Schritt in der Entwicklung des digitalen Ökosystems des Landes sein.
Elektronischer Dokumentenverkehr und Verzicht auf Bescheinigungen
Neben einer benutzerfreundlichen Schnittstelle für die Bürger schlägt die Petition die Einführung eines vollwertigen elektronischen Dokumentenverkehrs zwischen allen staatlichen Behörden vor. Die Initiative sieht einen automatischen Informationsaustausch zwischen den Ministerien vor.
Das Ergebnis dieser Integration wird der Verzicht auf Papierbescheinigungen bei der Erbringung der meisten Dienstleistungen sein. Bürger müssen nicht mehr Dokumente in einer Behörde sammeln, um sie in einer anderen vorzulegen – die Daten werden automatisch übermittelt.
Gehaltsreform und Dezentralisierung
Die Initiative geht über eine einfache Digitalisierung hinaus und berührt personelle und managementbezogene Fragen. Insbesondere schlägt der Verfasser der Petition eine Reform der Bezahlung staatlicher Bediensteter vor. Das Gehaltsniveau soll an die Effizienz der Arbeit und die wichtigsten Leistungsindikatoren (KPI) der jeweiligen Behörde gekoppelt werden.
Ein separater Punkt des Schreibens betrifft die Fortsetzung der Dezentralisierungsreform. Gemäß dem Vorschlag sollen 80 % der Befugnisse zur Verwaltung staatlicher Dienstleistungen auf die Ebene der vereinten territorialen Gemeinden übertragen werden. Dies wird es ermöglichen, die Dienstleistungen der Bevölkerung näher zu bringen und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen.
Status der Petition und Kontext der Digitalisierung
Die Petition mit der Nummer 41/010146-26эп wurde am 17. Juni 2026 registriert. Damit das Kabinett der Minister verpflichtet ist, das Schreiben zu prüfen, müssen 25.000 Unterschriften gesammelt werden. Stand 23. Juni haben 14 Bürger das Dokument unterstützt. Bis zum Abschluss der Unterschriftensammlung verbleiben noch 86 Tage.
Diese Initiative fügt sich in den allgemeinen Trend der technologischen Modernisierung des Staatsmanagements in der Ukraine ein. Zuvor wurde bekannt, dass die Staatliche Steuerverwaltung plant, bis Ende 2026 den «Elektronischen Steuerzahler-Portal» vollständig zu aktualisieren. In das System wird eine künstliche Intelligenz integriert, die Bürgern und Unternehmen hilft, die benötigten Dienstleistungen zu finden und sich in den Steuervorschriften ohne unnötige Bürokratie zurechtzufinden.
Auch die Legislative arbeitet bereits an der Automatisierung finanzieller Prozesse: Die Werchowna Rada hat ein Gesetz verabschiedet, das die Mahnung von Schulden automatisiert. Nach der Eintragung einer Person in das Einheitliche Register der Schuldner wird ihr die Möglichkeit, Eigentum oder Fahrzeuge zu verkaufen oder umzumelden sowie bestimmte Finanztransaktionen durchzuführen, automatisch eingeschränkt.