Der ukrainische Minister für Jugend und Sport, Matwij Bednyj, erklärte in einem Interview mit dem Magazin Politico, dass Kiew daran interessiert ist, die Möglichkeit einer gemeinsamen Bewerbung mit Polen für die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft zu prüfen. Nach seinen Angaben fällt das nächste freie Zeitfenster für die Austragung des Turniers in die 2040er Jahre, weshalb diese Perspektive, wie er betonte, bereits jetzt geplant werden müsse. „Wir bleiben ein Land, das auf die größten sportlichen Erfolge ausgerichtet ist. Das ist Teil unserer nationalen Kultur, und wir wollen sie trotz aller Schwierigkeiten weiterentwickeln“, erklärte der Minister und fügte hinzu, dass eine solche Bewerbung Investoren auf die Ukraine aufmerksam machen könnte.

Die Erfahrung von 2012 als Orientierung

Als Argument für ein gemeinsames Projekt verwies Bednyj auf die bereits vorhandene Erfahrung beider Länder bei der Organisation eines großen Fußballturniers: 2012 hatten die Ukraine und Polen gemeinsam die Europameisterschaft ausgetragen. Nach Einschätzung des Ministers sei es logisch, diese erfolgreiche Erfahrung auf Weltniveau zu wiederholen. Damit stützt sich die Initiative auf einen Präzedenzfall, den beide Länder in der Vergangenheit bereits umgesetzt haben, und positioniert sich als Fortsetzung der sportlichen Partnerschaft und nicht als neues Kooperationsformat.

Status der Bewerbung: Interesse, kein Dokument

Wichtig ist, dass es derzeit nicht um eine bei der FIFA eingereichte Bewerbung geht, sondern um die Prüfung der Perspektive. Bednyj betonte ausdrücklich, dass die offizielle Bewerbung von der Sportgemeinschaft oder den Fußballverbänden kommen müsse. Das bedeutet, dass auf Staatsebene lediglich das Interesse an einem solchen Projekt festgehalten wurde, während die formellen Verfahren zur Einreichung der Bewerbung noch nicht eingeleitet wurden. Der Minister verknüpfte die Initiative zudem mit weiterreichenden Zielen – der Anziehung von Investitionen und der Stärkung des Images des Landes als Austragungsort für die größten Sportveranstaltungen.

Widersprüchliche Angaben

Die Darstellungen beider Seiten zur gemeinsamen Bewerbung weichen voneinander ab. Die ukrainische Seite, so Matwij Bednyj, prüfe aktiv die Möglichkeit eines gemeinsamen Projekts mit Polen und betrachte es als Teil der nationalen Sportstrategie. Gleichzeitig habe die polnische Seite, so Politico unter Berufung auf das polnische Ministerium für Sport und Tourismus, erklärt, dass derzeit keine Gespräche mit der Ukraine über die gemeinsame Austragung der Weltmeisterschaft geführt würden. Somit ist es korrekter, von einer einseitigen ukrainischen Initiative und der Möglichkeit eines solchen Projekts zu sprechen, nicht aber von einer gebildeten oder abgestimmten gemeinsamen Bewerbung. Der Unterschied in den Positionen der Seiten könnte damit zusammenhängen, dass auf Ebene der staatlichen Ministerien die formellen Kontakte noch nicht aufgenommen wurden, während auf Ebene der Sportstrukturen das Interesse bereits zum Ausdruck gebracht wurde.

Wer und wann die nächsten Weltmeisterschaften austragen wird

Der Kontext der Aussagen des Ministers wird vor dem Hintergrund der aktuellen Verteilung der Ausrichter der kommenden Turniere klarer. Die Weltmeisterschaft 2030 wird von Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen, und Gastgeber der WM 2034 wird Saudi-Arabien sein. Genau deshalb, so betonte Bednyj, liegt das nächste realistisch verfügbare Zeitfenster für eine neue Bewerbung in den 2040er Jahren. Das bestimmt den langfristigen Charakter der Initiative: Es geht um ein Projekt, das jahrelange Vorbereitung der Infrastruktur, Abstimmungen mit der FIFA und die Ausarbeitung bilateraler Vereinbarungen erfordern wird, was die derzeitige Prüfung der Option zu einem logischen ersten Schritt macht.