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title: "Ukraine am Rande der Stagflation: Ökonom fordert Kabinett auf, zum einheitlichen Zentrum der kriegswirtschaftlichen Steuerung zu werden"
description: "Der Ökonom Bohdan Danilyschyn warnt vor Stagflationsrisiken in der Ukraine und fordert das Kabinett auf, zum einheitlichen Zentrum der kriegswirtschaftlichen Steuerung zu werden und die friedenszeitlichen Regeln zu überwinden."
date: 2026-09-21T12:52:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ukraine-stagflation-kriegswirtschaftliche-steuerung
tags: [ukraine-economy, stagflation, nbu, gdp, inflation, war-economy]
publisher: "XAB.info"
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# Ukraine am Rande der Stagflation: Ökonom fordert Kabinett auf, zum einheitlichen Zentrum der kriegswirtschaftlichen Steuerung zu werden

![Gebäude des ukrainischen Kabinetts der Minister mit Flaggen und Wache vor dem Hintergrund des Appells eines Ökonomen zur Zentralisierung der Kriegs­wirtschafts­steuerung bei Stagnationsgefahr](https://xab.info/media/2026/09/21/ukraina-stagflyatsiya-voennoe-ekonomicheskoe-upravlenie/ukraina-stagflyatsiya-voennoe-ekonomicheskoe-upravlenie-1.webp)

## 🎯 Key Points

- Laut Einschätzung des Staatsstatistikamts ist das reale BIP im II. Quartal 2026 um lediglich 0,6 % in Jahresrate gestiegen, während sich die Jahresinflation im August auf 8,1 % beschleunigt hat; die NBU prognostiziert eine Inflation von bis zu 10 % bis Jahresende bei einem BIP-Wachstum von 1,8 %.
- Der ehemalige Vorsitzende des NBU-Rats, Bohdan Danilyschyn, betrachtet das Fehlen eines einheitlichen Zentrums der wirtschaftlichen Verantwortung als Hauptproblem und fordert das Kabinett auf, die fiskalische, schuldenpolitische und Industriepolitik im Modus eines „Kriegszustands in der Wirtschaft“ zu koordinieren.

Die ukrainische Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung des bekannten Ökonomen und ehemaligen Vorsitzenden des NBU-Rats, Bohdan Danilyschyn, in einer „Gefahrenzone“, in der das Wachstum der Produktionsvolumina nahezu zum Stillstand gekommen ist, die Produktionskosten steigen, die Exportmöglichkeiten sich verengen und das Handelsdefizit wächst. Zusätzliche Schläge gegen die Energie-, Transport-, Lager- und Hafeninfrastruktur üben weiteren Druck auf die Preise aus. Der Autor der Kolumne für RBC-Ukraine betont: Eine voll ausgeprägte Stagflation gibt es im Land zwar noch nicht, doch ihre Anzeichen bilden sich bereits – die schwache Dynamik der Produktion geht einher mit anhaltender Inflation und einer Verschlechterung des Angebots.

### Zahlen, die keine Illusionen zulassen

Laut vorläufiger Einschätzung des Staatsstatistikamts (Ukrstat) ist das reale BIP im zweiten Quartal 2026 um lediglich 0,6 % gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres und um 0,4 % gegenüber dem ersten Quartal gestiegen. Nach dem BIP-Rückgang um 0,5 % im ersten Quartal sei dies, so Danilyschyn, eher eine technische Erholung als ein Übergang zu einem nachhaltigen Wachstum. Gleichzeitig hat sich die jährliche Verbraucherinflation im August auf 8,1 % beschleunigt, die Kerninflation betrug ebenfalls 8,1 %. Einzelne Kategorien sind deutlich stärker teurer geworden: der Verkehr um 23,8 % im Jahresvergleich, Kraftstoffe um 38,7 %, der Straßenpersonenverkehr um 39,1 %. Die NBU prognostiziert eine Beschleunigung der Inflation auf 10 % bis Ende 2026 bei einem realen BIP-Wachstum von nur 1,8 %, und die Umstrukturierung der Logistik nach den neuen russischen Angriffen könnte die Jahresinflation um weitere 0,4–0,6 Prozentpunkte erhöhen.

### Parallele Politiken statt eines einheitlichen Zentrums

Die größte Gefahr besteht nach Ansicht des Experten nicht einfach im Preisanstieg, sondern in der Kombination mehrerer Krisenprozesse, auf die man nicht ausschließlich mit einer Zinserhöhung reagieren kann. Zugleich ist es ein Fehler, die gesamte Verantwortung für den Zustand der Wirtschaft der Nationalbank zuzuschieben. Danilyschyn behauptet, dass gerade das Kabinett die führende Rolle spielen sollte: Staatsanleihen, das Programm „5-7-9 %“, die Zinszuschüsse und staatliche Garantien sind Instrumente und Zuständigkeitsbereich der Regierung. Die NBU beeinflusst den Preis des Geldes, die bankpolitischen Anreize und die allgemeinen Finanzierungsbedingungen, bestimmt aber nicht, wofür der Staat die aufgenommenen Mittel ausgibt. Heute, so seine Worte, fehlt ein ganzheitliches Zentrum der wirtschaftlichen Verantwortung: Fiskal-, Schulden-, Kredit-, Industrie-, Energie- und Geldpolitik existieren parallel und neutralisieren sich häufig gegenseitig.

### „Parageldpolitik“ als Folge mangelnder Abstimmung

Die Regierung stimuliert einzelne Branchen, erhöht gleichzeitig aber Steuern und Tarife und nimmt Mittel auf dem Binnenmarkt auf, ohne ausreichende Mechanismen zur Lenkung der Ressourcen in die Produktion zu schaffen. Ein erheblicher Teil der Programme stützt das Umlaufkapital und die Refinanzierung alter Verpflichtungen, nicht aber den Aufbau neuer Kapazitäten. Dies erzeugt das, was der Autor als ukrainische Parageldpolitik bezeichnet: Für den Großteil der Wirtschaft gelten teure Geldmittel, für einzelne Kreditnehmer aber ein budgetär subventionierter Kredit. Ein solches System sei, so Danilyschyn, nicht nur Folge der Politik der Nationalbank, sondern auch eines nicht abgestimmten geld- und fiskalpolitischen Designs, für das die Regierung unmittelbar die Verantwortung trage.

### „Kriegszustand in der Wirtschaft“ – was das bedeutet

Die Ukraine lebt bereits im fünften Jahr unter den Bedingungen eines großangelegten Krieges, doch ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Entscheidungen wird so getroffen, als handle es sich um eine vorübergehende Abweichung vom Friedenszyklus. Der Autor fordert den Übergang von einer de facto Kriegswirtschaft zu einer systematisch organisierten Kriegswirtschaft und formuliert ein Programm aus sieben Schritten, dessen Kernstück die Verwandlung des Kabinetts in ein einheitliches Zentrum der kriegswirtschaftlichen Steuerung ist. Unter „Kriegszustand in der Wirtschaft“ versteht Danilyschyn keine totale staatliche Regulierung, keine allgemeine Verstaatlichung und keine administrative Preisfestsetzung, sondern einen besonderen Steuerungsmodus, in dem der Markt den Hauptmechanismus der Wirtschaftsfunktionierung bleibt, die Regierung aber die Schlüsselrichtungen koordiniert. Die Kritik am Regulierer dürfe, so seine Worte, nicht zum bequemen Ersatz für die Analyse der Regierungspolitik werden.

### Widersprüchliche Daten

In den vorgelegten Materialien gibt es Abweichungen in der Bewertung der Wirtschaftsentwicklung. Die vorläufige Einschätzung des Staatsstatistikamts verzeichnet im zweiten Quartal 2026 ein positives, wenn auch minimales BIP-Wachstum (0,6 % in Jahresrate), was formal auf eine technische Erholung nach dem Rückgang im ersten Quartal hindeutet. Gleichzeitig wirkt die NBU-Prognose für das gesamte Jahr 2026 deutlich vorsichtiger: ein reales BIP-Wachstum von nur 1,8 % bei einer Beschleunigung der Inflation auf 10 %, mit einem zusätzlichen Risiko von 0,4–0,6 Prozentpunkten durch die Umstrukturierung der Logistik. Damit wird dieselbe Situation je nach Quartalsdaten als „Erholung“ und je nach Jahresprognosen als „Gefahrenzone“ mit Stagflationsrisiken beschrieben. Außerdem existieren in der Debatte über die Ursachen der Spannungen zwei konkurrierende Versionen: die Position, die das Problem auf die Geldpolitik und den Zins der NBU reduziert, und die Position Danilyschyns, der das Zentrum der Verantwortung auf die fiskalische und industrielle Politik der Regierung verlagert. Beide Sichtweisen sind in der Kolumne widergespiegelt; eine endgültige Einigung über die Aufteilung der Verantwortung zwischen NBU und Kabinett wird von den Quellen nicht festgehalten.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Wirtschaft am Rande der Stagflation: Warum die Regierung einen Kriegszustand in der Wirtschaft einführen sollte](https://www.rbc.ua/ukr/news/ekonomika-mezhi-stagflyatsiyi-chomu-uryadu-1789994964.html) - Колонка Богдана Данилишина. Цифры по ВВП (0,6% г/г во II кв. 2026, -0,5% в I кв.), инфляции (8,1% в августе, прогноз 10% к концу года) и росту ВВП (1,8%) приведены как данные Госстата и НБУ. Рекомендации автора — аналитическое мнение; полный перечень «семи шагов» в фрагменте не раскрыт.

## ❓ FAQ

### Q: Wie hoch ist das Stagflationsrisiko in der Ukraine laut den Daten für 2026?
**A:** Eine voll ausgeprägte Stagflation gibt es nach Einschätzung des Autors noch nicht, doch die Anzeichen bilden sich: Das minimale BIP-Wachstum (0,6 % in Jahresrate im II. Quartal 2026) geht einher mit einer Beschleunigung der Inflation auf 8,1 % im August und einer NBU-Prognose von bis zu 10 % bis Jahresende.

### Q: Wer sollte nach Meinung von Bohdan Danilyschyn die Hauptverantwortung für die Wirtschaftspolitik tragen?
**A:** Das Kabinett, das zum einheitlichen Zentrum der kriegswirtschaftlichen Steuerung werden muss, da Staatsanleihen, das Programm „5-7-9 %“ und staatliche Garantien Instrumente der Regierung und nicht nur der NBU sind.

### Q: Was bedeutet „Kriegszustand in der Wirtschaft“ im Kontext der Kolumne?
**A:** Es handelt sich nicht um Verstaatlichung oder administrative Preise, sondern um einen besonderen Steuerungsmodus, in dem der Markt den Hauptmechanismus bleibt, die Regierung aber die Schlüsselrichtungen koordiniert und die Ressourcen in die Produktion lenkt.