Die Ukraine wechselt zu einem grundlegend neuen Format für die Sicherung ihrer Luftverteidigung. Das Verteidigungsministerium des Landes gab bekannt, dass an direkten Verträgen für den Kauf von Anti-Ballistischen Raketen gearbeitet wird und zudem ein Programm zur Entwicklung einer eigenen Alternative zu solchen Munitionstypen gestartet wurde.
Direkte Verträge für PAC-3
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bestätigte, dass Kiew Verhandlungen über den direkten Kauf von PAC-3-Raketen führt. Diese Entscheidung wird einen historischen Präzedenzfall darstellen, da bisher keine ähnlichen Geschäfte abgeschlossen wurden. Laut dem Leiter des Verteidigungsressorts befinden sich die Verhandlungen in der Endphase, und ein erfolgreicher Abschluss wird in naher Zukunft erwartet.
Obwohl die Lieferung von Raketen durch amerikanische Partner fortgesetzt wird, reichen die Mengen nicht aus, um den Bedarf der ukrainischen Luftverteidigung vollständig zu decken. Fedorow betonte, dass Kiew einen konkreten Plan zur Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen hat, einschließlich „nicht offensichtlicher Lösungen“.
Die Rolle Deutschlands und das „Rückgabeschema“
Ein wichtiger Bestandteil der Strategie ist die Zusammenarbeit mit Deutschland. Bereits wurde ein umfassender Vertrag über die Lieferung von hunderten PAC-2 GEM-T-Raketen (Guidance Enhanced Missile-Tactical) und Anti-Ballistischen Raketen vom Typ PAC-3 abgeschlossen. Der Beginn der Lieferungen ist für das nächste Jahr geplant.
Um das aktuelle Defizit zu beheben, schlug der Minister einen Mechanismus der vorübergehenden Ausleihe vor. „Wir möchten diese Raketen jetzt sozusagen von einigen Ländern leihen, um sie später zurückzugeben“, erläuterte Fedorow. Zuvor hatten europäische Partner bereits einige Dutzend Munitionseinheiten übergeben, die eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Angriffen im Februar und März spielten.
Eigene Produktion und Geheimhaltung
Neben den Käufen arbeitet die Ukraine aktiv an der Entwicklung einer eigenen Version von Anti-Ballistischen Raketen. Details zur Entwicklung und konkrete Zahlen werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt, um dem Gegner keine zusätzlichen Informationen zu liefern. Laut dem Minister ist der ukrainische Präsident in diesen Prozess maximal eingebunden.
Kritisches Defizit und Verzögerungen
Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird durch die kritische Lage an der Front diktiert. Die Streitkräfte der Ukraine berichteten über einen Mangel an Raketen für die Systeme Patriot, NASAMS und IRIS-T. In einigen Einheiten sind die Munitionsvorräte praktisch erschöpft.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor angemerkt, dass eine politische Einigung über den Erwerb zusätzlicher Patriot-Systeme erzielt wurde, deren Umsetzung sich jedoch aufgrund der Notwendigkeit der Klärung finanzieller, rechtlicher und technischer Fragen verzögert.