Die ukrainische Regierung bereitet eine umfassende Reform der Straßenverkehrsregeln vor. Der Schwerpunkt liegt auf der Verschärfung der Haftung für Fahrer, die die Straßenverkehrsordnung systematisch verletzen, sowie auf der Modernisierung der Systeme zur Erfassung von Verstößen. Dies teilte die Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko in ihrem Telegram-Kanal mit.
Die Initiative ist das Ergebnis eines Treffens der Regierungschefin mit dem Innenminister Igor Klymenko. Laut Swyrydenko erfordert die aktuelle Situation umfassende Maßnahmen zur Verringerung der Unfallrate und zur Erhöhung der Disziplin im Straßenverkehr.
Aktionsplan der Regierung
Im Rahmen der Vorbereitung neuer Entscheidungen werden eine Reihe von Schlüsselbereichen geprüft:
- Verstärkung der Haftung für systematische Verstöße, insbesondere für Geschwindigkeitsüberschreitungen.
- Einführung strengerer Sanktionen für Fahrer, die Geschwindigkeitsbegrenzungen regelmäßig ignorieren.
- Verbesserung sowohl automatischer als auch nicht-automatischer Systeme zur Erfassung von Verstößen.
- Gesetzliche Regulierung der Nutzung von leichtem persönlichen Elektromobilität.
Swyrydenko betonte, dass die endgültigen Formulierungen der Gesetze unter Berücksichtigung von Vorschlägen der Gesellschaft erstellt werden. „Ich fühle mit jedem, der Angehörige und Liebste auf den Straßen verloren hat. Wir müssen alles tun, damit solche Tragödien nicht wiederholt werden können“, so die Ministerpräsidentin.
Ein resonantes Verkehrsunfall als Katalysator für Veränderungen
Die Diskussion über eine verstärkte Kontrolle wurde nach einer Tragödie in Kiew am Tschokolowski-Boulevard aktiviert. Ein Mercedes-Benz prallte mit hoher Geschwindigkeit in einen unterirdischen Fußgängertunnel, in dem sich Menschen befanden. Dabei kamen vier Menschen ums Leben, darunter ein 12-jähriger Junge, drei weitere wurden verletzt.
Laut den Strafverfolgungsbehörden war der 49-jährige Fahrer zuvor bereits mehrfach wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung zur Verantwortung gezogen worden. An seinem Fahrzeug wurden 39 Verstöße registriert, hauptsächlich im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsüberschreitungen. Am 8. Juni verhängte der Schewtschenko-Bezirksgericht von Kiew eine 60-tägige Haftstrafe für den Verdächtigen ohne Möglichkeit der Kaution.
Dieser Fall wurde zum Wendepunkt, der die Behörden veranlasste, ihren Ansatz zur Verkehrssicherheit zu überdenken und Maßnahmen zu ergreifen, die ein Wiederholungs solcher Vorfälle verhindern sollen.