Das Analyseunternehmen Surfshark hat einen Quartalsbericht veröffentlicht, der den globalen Anstieg kompromittierter Online-Konten dokumentiert. Im dritten Quartal 2026 wurden weltweit über 121,8 Millionen Konten kompromittiert – ein Anstieg von 13,2 % gegenüber dem zweiten Quartal desselben Jahres. Diese Dynamik bestätigt einen anhaltenden Trend: Cyberkriminelle greifen zunehmend nicht die Endgeräte der Nutzer an, sondern die Serverinfrastruktur großer Dienste, was Datenlecks massiv und für den Endverbraucher nahezu unvermeidbar macht.

Großbritannien — Epizentrum der europäischen Rückschritte

Den stärksten negativen Wandel verzeichnete Großbritannien: Die Zahl der kompromittierten Konten hat sich mehr als verdoppelt und erreichte 5,8 Millionen, was einem Anstieg von 121,6 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Dieser Sprung ermöglichte es dem Vereinigten Königreich, Frankreich zu überholen und den ersten Platz bei der absoluten Zahl der Datenlecks unter den europäischen Ländern einzunehmen. Experten führen diesen Anstieg auf mehrere große Vorfälle bei Cloud-Diensteanbietern zurück, die den britischen Markt bedienen.

Ukraine: Von Platz 47 auf Platz 6 in der Weltrangliste

Die bemerkenswerteste Veränderung in der globalen Tabelle zeigte die Ukraine, die innerhalb eines Quartals von der 47. auf die 6. Position aufstieg. Innerhalb von drei Monaten wurden 2,6 Millionen ukrainische Konten kompromittiert. Laut Daten von Microsoft führt die Ukraine bereits seit einigen Quartalen bei der Anzahl der Cyberangriffe in der Region. Der nationale Dienst CERT-UA verzeichnet zusätzlich massenhafte Phishing-Kampagnen, die auf Nutzer der Messenger Telegram und Signal abzielen, was einen weiteren Vektor für die Kompromittierung von Anmeldedaten darstellt.

Estland — Spitzenreiter bei der Leck-Dichte

Betrachtet man den Wert nicht in absoluten Zahlen, sondern umgerechnet auf tausend Einwohner, belegte Estland weltweit den ersten Platz, noch vor Australien, den USA und Großbritannien. Die hohe Digitalisierung der Gesellschaft und die Konzentration der IT-Infrastruktur in einem bevölkerungsarmen Land machen die Dichtestatistik besonders anfällig für einzelne große Vorfälle. Dennoch wird dieser Indikator von Regulierungsbehörden am häufigsten zur Bewertung der Wirksamkeit der nationalen Cyberabwehr herangezogen.

Warum VPN nicht schützt und was Nutzer tun können

Das wichtigste Fazit des Surfshark-Berichts ist, dass die meisten massiven Hackerangriffe auf den Servern von Unternehmen stattfinden und nicht auf den Geräten der Endnutzer. Das bedeutet, dass selbst Premium-VPN-Dienste keinen vollständigen Schutz vor Datenlecks garantieren können, da die Kompromittierung auf der Seite des Dienstes und nicht im Übertragungskanal erfolgt. Unter diesen Umständen empfehlen Analysten: persönliche Informationen als vertraulich zu behandeln und echte Daten nur auf offiziellen Ressourcen anzugeben; Pseudonyme, zusätzliche E-Mail-Adressen oder Dienste zur E-Mail-Maskierung für Registrierungen auf weniger bedeutenden Plattformen zu nutzen; zuverlässige Passwort-Manager zu verwenden, damit ein kompromittierter Zugriff auf einen Dienst den Angreifern nicht den Weg zu weiteren Konten ebnet; sowie Dienste zur Leck-Überwachung zu abonnieren, um rechtzeitig über neue Vorfälle informiert zu werden.

Kontext: Die Gorbag-Gruppe und Angriffe auf Militärs und Beamte

Der Anstieg der Lecks in der Ukraine erfolgt vor dem Hintergrund laufender gezielter Operationen russischer Hacker-Gruppierungen. Insbesondere wurde zuvor die Aktivität der Gorbag-Gruppe dokumentiert, die sich auf den Datendiebstahl bei ukrainischen Militärangehörigen und Staatsbeamten spezialisiert hat. Die Kombination aus massiven Phishing-Kampagnen, Infrastrukturangriffen und gezielten Kompromittierungen bildet eine multivektorielle Bedrohung, die nach Einschätzung von CERT-UA nicht ausschließlich durch Maßnahmen des Endnutzers neutralisiert werden kann.