Das ukrainische Außenministerium hat die kontroversen Äußerungen des ukrainischen Botschafters im Vereinigten Königreich, Valeriy Zaluzhny, kommentiert. Zuvor hatte der Diplomat erklärt, dass die Ukraine niemals Teil der NATO werden werde, was eine breite öffentliche Resonanz auslöste und zahlreiche Spekulationen über eine Änderung des außenpolitischen Kurses Kiews hervorrief.
Georgiy Tikhyy, Sprecher des Außenministeriums der Ukraine, erklärte in einem Kommentar an Journalisten der Agentur RBC-Ukraine, dass die Worte des Botschafters aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Laut dem Vertreter des Außenministeriums ging es im vollständigen Zitat nicht um einen Verzicht auf den Bündnis, sondern um die Teilnahme des Landes an den Gemeinsamen Expeditionskräften (JEF).
Kontext der Erklärung: JEF und die Rolle Großbritanniens
Tikhyy erläuterte die Logik der Aussage von Zaluzhny: Großbritannien ist das Rahmenland und der Führer der JEF. Genau in diesem Rahmen wurde die Zusammenarbeit diskutiert, nicht der NATO-Beitritt. Der Sprecher des Außenministeriums betonte zudem, dass die Frage des Beitritts der Ukraine zum Bündnis in der Zuständigkeit der Mission der Ukraine bei der NATO liegt und nicht der Botschaft in London.
„Der Kurs der Ukraine auf einen NATO-Beitritt bleibt unverändert. Eine alternative wirksame System der kollektiven Sicherheit gibt es derzeit nicht', erklärte Georgiy Tikhyy.
Im Ministerium ist man überzeugt, dass die Mitgliedschaft in der NATO der einzige Weg ist, um garantierte Sicherheit und Frieden im euroatlantischen Raum zu gewährleisten, sofern die Verbündeten dies anstreben. Das Außenministerium erinnerte zudem daran, dass eine Sicherheitsarchitektur Europas ohne die Ukraine unmöglich ist. Dies wird durch die Ergebnisse des NATO-Gipfels in Ankara bestätigt, wo die Ukraine als „Beitragender zur euroatlantischen Sicherheit“ anerkannt wurde.
Kritik am Bündnis und Pläne für die Zukunft
Valeriy Zaluzhny selbst, ehemaliger Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, äußerte sich während einer gemeinsamen Sitzung der Botschafter in Kiew, als er Fragen zur Teilnahme an der JEF beantwortete. Im Verlauf des Gesprächs beschränkte er sich jedoch nicht auf das Thema der Expeditionskräfte und übte scharfe Kritik am Bündnis selbst.
Laut Zaluzhny werden den NATO-Mitgliedsstaaten mindestens weitere 12 Jahre benötigt, um auf Standards umzusteigen, die es ermöglichen, das Niveau Russlands zu erreichen. Der Diplomat vermutete zudem, dass die Ukraine in Zukunft Teil anderer Blöcke und Bündnisse werden könnte, insbesondere eines militärischen Bündnisses europäischer Länder.
Diese Meinung löste eine zwiespältige Reaktion in der ukrainischen Expertencommunity aus. Mit den Behauptungen von Zaluzhny war sich Wladimir Kurenny, stellvertretender Generaldirektor von RBC-Ukraine, nicht einig, der eine eigene Kolumne der Analyse dieser Situation widmete.