In einer Ära, in der die Weltraumüberwachung ein unverzichtbarer Bestandteil der nationalen Sicherheit geworden ist, ist die Frage nach der Entwicklung einer eigenen Weltraumindustrie für die Ukraine nicht mehr theoretisch. Es ist eine Frage des Überlebens des Staates. Doch der Weg zu den Konstellationen führt durch eine harte Realität: den Verlust technologischer Reserven und die Notwendigkeit enormer Kapitalinvestitionen.
Oleg Fedorow, leitender Wissenschaftler und ehemaliger Direktor des Instituts für Weltraumforschung der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, zeichnete in einem Gespräch mit RBC-Ukraine ein komplexes Bild. Laut ihm hat das Land den Löwenanteil der Technologien verloren, über die es früher verfügte. Die staatliche Weltraumagentur arbeitet zwar an einem neuen Programm, doch die Entwicklung völlig neuer Konzepte allein ist heute unmöglich. Das einzige funktionierende Szenario ist eine enge internationale Kooperation.
Demonstrationsprojekte statt Telekommunikation
Die Situation im Satellitenbau steht nicht still. In den Mauern der NPU (Nationale Technische Universität „Igor Sikorsky KPI“) arbeiten bereits Teams, die in Partnerschaft mit internationalen Organisationen Demonstrations-Satelliten entwickeln. Dies ist ein ermutigendes Signal, doch Experten machen sofort deutlich: Es geht nicht um groß angelegte Telekommunikationssysteme.
Fedorow erklärte deutlich, dass die Entwicklung eigener Telekommunikationsgeräte in den nächsten Jahren unwahrscheinlich ist. Die Geschichte kennt nur einen Versuch, ein solches Gerät mit ausländischen Partnern zu bauen – das Projekt „Lybid“, das leider scheiterte. Gleichzeitig haben ukrainische Ingenieure erfolgreiche Erfahrungen bei der Entwicklung von Satelliten für die Erdbeobachtung, wie die Serie „Sich“.
Hauptproblem: Fehlende einheitliche Strategie
Um die Weltraumaktivitäten wiederherzustellen, ist ein grundlegender Audit notwendig. Es muss der Zustand der Unternehmen, der Produktionskapazitäten, der Fonds und, was am wichtigsten ist, des Personalpotenzials bewertet werden. Der Experte betont: Vieles ging verloren, und ohne eine objektive Bewertung der Ressourcen ist es sinnlos, weiterzumachen.
Der Paradoxon der Situation besteht darin, dass die Ukraine einen objektiven Bedarf an Weltraumtechnologien hat und die internationale Gemeinschaft bereit ist zu helfen. Aber auf nationaler Ebene fehlt eine einheitliche Vision für die Entwicklung der Branche. Die bestehenden Bemühungen sind fragmentiert und bilden keinen systematischen Ansatz. Ohne eigene Weltraummittel kann die volle Sicherheit des Staates nicht gewährleistet werden, und genau das sollte der Katalysator für die Vereinigung von Ressourcen und Willen sein.