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title: "Die Ukraine braucht kein eigenes Digitaldokument nach EU-Vorbild: eGA-Experte erklärt den Aufbau der WINWIN-Strategie"
description: "eGA-Experte Serhii Karelin erklärte in einer Kolumne für RBC-Ukraine, dass die Ukraine kein separates Digitaldokument nach EU-Vorbild benötigt: Es reicht aus, die WINWIN-Strategie mit den europäischen Prioritäten abzustimmen, Kennzahlen zu konkretisieren und ein Budget festzulegen."
date: 2026-10-30T09:52:34.031Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ukraine-winwin-2030-digitale-strategie-ega-experte
tags: [digital-transformation, eurointegration, winwin-strategy, eu-digital-decade, e-governance]
author: "Alexander Buran"
publisher: "XAB.info"
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# Die Ukraine braucht kein eigenes Digitaldokument nach EU-Vorbild: eGA-Experte erklärt den Aufbau der WINWIN-Strategie

![Windkraftanlage vor einer riesigen Solarpark-Fläche bei Sonnenuntergang](https://xab.info/media/2026/10/30/ukraina-winwin-2030-cifrovaya-strategiya-ekspert-ega/ukraina-winwin-2030-cifrovaya-strategiya-ekspert-ega-1.webp)

## Kernpunkte

- Die Ukraine verfügt bereits über die WINWIN-Strategie bis 2030, sodass ein separates Digitaldokument im europäischen Format nicht erforderlich ist
- Digital Decade 2030 setzt messbare Ziele (80% Kompetenzen, 20 Mio. IT-Fachkräfte, 100% Online-Behördendienste), aber der EU-Fortschritt hinkt mit 60% der Bevölkerung mit Grundkompetenzen hinterher
- WINWIN setzt Schwerpunkte auf Verteidigungsinnovationen, Agrartechnologien, Biotechnologien und Raumfahrt — Bereiche, die in der Digital Decade nicht hervorgehoben werden
- Hauptlücken von WINWIN sind das Fehlen eines festgeschriebenen Budgets, unklare Indikatoren und die Notwendigkeit der Gesetzgebungsangleichung an GDPR, DSA, DMA und eIDAS 2.0

Die Frage, ob die Ukraine den digitalischen Weg der Europäischen Union wiederholen sollte, bildete die Grundlage einer Expertenanalyse, die von eGA (E-Governance Academy) im Rahmen des EU-Projekts DT4UA durchgeführt wurde. Der leitende eGA-Experte Serhii Karelin verglich in einer Kolumne für RBC-Ukraine das europäische Programm Digital Decade 2030 und die ukrainische Globale Innovationsstrategie für digitale Entwicklung WINWIN bis 2030. Das Hauptfazit: Die Erstellung eines separaten strategischen Dokuments im europäischen Format um des Formats willen ist nicht zweckmäßig — wichtiger ist es, bestehende Strategien mit den europäischen Prioritäten abzustimmen, konkrete Kennzahlen und Finanzierungsquellen festzulegen.

### Messbare Ziele der Digital Decade 2030 und tatsächlicher Fortschritt der EU

Die Europäische Union hat ihre Vision der digitalen Entwicklung im Programm Digital Decade 2030 verankert, das vier Bereiche umfasst: digitale Kompetenzen, Digitalisierung der Wirtschaft, Infrastrukturentwicklung und elektronische öffentliche Dienstleistungen. Ein Hauptmerkmal des europäischen Ansatzes ist die Messbarkeit: 80 % der Bevölkerung sollen über digitale Grundkompetenzen verfügen, die Zahl der IT-Fachkräfte soll 20 Millionen erreichen, Cloud-Technologien, Big Data oder KI sollen in 75 % der Unternehmen eingesetzt werden, und 100 % der wichtigsten Behördendiensten müssen online verfügbar sein. Der jährliche Bericht der Europäischen Kommission State of the Digital Decade hält fest, dass derzeit nur 60 % der Bevölkerung über Grundkompetenzen verfügen, was zeigt, dass die Transformation selbst bei einer klaren Strategie ein komplexer Prozess bleibt.

### WINWIN: Eine Strategie aufgebaut auf dem Kontext von Krieg und Wiederaufbau

Die Ukraine hat die Globale Innovationsstrategie für digitale Entwicklung WINWIN Ende 2024 verabschiedet. Im Gegensatz zur europäischen Agenda berücksichtigt sie die Bedingungen eines umfassenden Krieges und die Notwendigkeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Zu den Prioritäten gehören Verteidigungsinnovationen, Agrartechnologien, Medizin- und Biotechnologien sowie Raumfahrttechnologien. Verteidigungstechnologien haben für die Ukraine strategische Bedeutung, während sie in der Digital Decade nicht als eigener Bereich hervorgehoben werden; Agrartechnologien hingegen sind ein vielversprechender Bereich für die ukrainische Wirtschaft. Der Unterschied in den Schwerpunkten zeigt, dass die Ukraine und die EU unterschiedliche Aufgaben lösen.

### Hauptlücken der ukrainischen Strategie

Nach Einschätzung des Autors bleiben die Hauptschwächen von WINWIN das Fehlen eines festgeschriebenen Budgets, unklare Indikatoren in bestimmten Bereichen und die Notwendigkeit einer Annäherung der Gesetzgebung an die europäischen Anforderungen — insbesondere an GDPR, den Digital Services Act, den Digital Markets Act und eIDAS 2.0. Genau diese Elemente und nicht die formale Ähnlichkeit der Dokumente bestimmen die echte Kompatibilität mit dem europäischen digitalen Raum.

### Braucht die Ukraine eine separate digitale Agenda

Der Experte kommt zu dem Schluss, dass eine separate Digital Agenda nach europäischem Vorbild nicht erforderlich ist: In der EU selbst gibt es keinen einheitlichen Ansatz für Strategieformate, und entscheidend ist die Effizienz der Umsetzung. Das Ziel der digitalen Eurointegration sind kompatible Systeme und bequeme Dienstleistungen und keine identischen Dokumente. Daher ist es rationaler, bestehende Strategien mit den europäischen Prioritäten abzustimmen, Kennzahlen und Finanzierungsquellen zu konkretisieren.

### Wettbewerbsvorteile der Ukraine

Die Ukraine verfügt bereits über ein entwickeltes System elektronischer öffentlicher Dienstleistungen, eigene technologische Lösungen und eine einzigartige Cybersicherheitserfahrung, die über mehr als ein Jahrzehnt der Abwehr von Cyberbedrohungen gesammelt wurde. Diese Aktiva sollten nach Ansicht des Experten die Grundlage für den Dialog mit der EU bilden: Die digitale Transformation bleibt ein wichtiger Teil des eurointegrativen Weges, aber ihre Logik muss auf dem ukrainischen Kontext beruhen und nicht auf dem mechanischen Kopieren des europäischen Formats.

## Faktencheck und Quellen

- [Должна ли Украина повторять цифровой путь Европейского Союза](https://www.rbc.ua/ukr/news/chi-povinna-ukrayina-povtoryuvati-tsifroviy-1793353535.html) - Primärquelle: Kolumne von Serhii Karelin (eGA, EU-Projekt DT4UA) in RBC-Ukraine. Die Zielzahlen der Digital Decade 2030 (80%, 20 Mio., 75%, 100%), der aktuelle Wert von 60% aus dem State of the Digital Decade-Bericht, die WINWIN-Prioritäten und die Schlussfolgerungen bezüglich der Unnötigkeit eines separaten Dokuments entsprechen der Grundlage.

## Häufige Fragen

### Braucht die Ukraine eine separate Digitalstrategie nach EU-Vorbild?

Nach dem Fazit des eGA-Experten nein: In der EU selbst gibt es kein einheitliches Strategieformat, und die Umsetzungseffizienz ist wichtiger. Es reicht aus, die bestehende WINWIN-Strategie mit europäischen Prioritäten abzustimmen, Indikatoren festzulegen und Finanzierungsquellen zu ermitteln.

### Welche messbaren Ziele sind in der Digital Decade 2030 verankert?

Digitale Grundkompetenzen für 80% der Bevölkerung, 20 Millionen IT-Fachkräfte, Einsatz von Cloud-Technologien, Big Data oder KI in 75% der Unternehmen und 100% der wichtigsten Behördendienste online. Laut dem Bericht State of the Digital Decade verfügen derzeit 60% der Bevölkerung über Grundkompetenzen.

### Worin unterscheidet sich WINWIN von der europäischen Agenda?

WINWIN berücksichtigt den Kontext von Krieg und Wiederaufbau: Zu den Prioritäten gehören Verteidigungsinnovationen, Agrartechnologien, Medizin- und Biotechnologien sowie Raumfahrt. In der Digital Decade werden Verteidigungstechnologien nicht als eigener Bereich hervorgehoben.

### Welche Lücken der ukrainischen Strategie hebt der Experte hervor?

Das Fehlen eines festgeschriebenen Budgets für WINWIN, unklare Indikatoren in bestimmten Bereichen und die Notwendigkeit der Annäherung der Gesetzgebung an GDPR, Digital Services Act, Digital Markets Act und eIDAS 2.0.