Die ukrainische Regierung überarbeitet das Warnsystem für Luftbedrohungen: Anstelle eines einheitlichen Alarmsignals wird ein zweistufiges Modell eingeführt — gelb und rot. Dies erklärte Ministerpräsident Serhij Korezkyj und betonte, dass alle Änderungen in Apps mit Benachrichtigungen angezeigt werden. Seinen Worten zufolge wird auf der roten Stufe ausnahmslos alles seine Arbeit einstellen, und die Menschen sind verpflichtet, sofort in das nächstgelegene Schutzziel zu gehen. Gleichzeitig bereitet der Kabinett Mechanismen vor, die es Unternehmen ermöglichen, bei Drohnenangriffen unter Vorhandensein von Schutzzielen weiterzuarbeiten, und plant zudem die Einführung einer einheitlichen staatlichen App auf Basis des Dienstes „Dija“.
Zwei Stufen statt einer Sirene
Die zentrale Neuerung ist die Differenzierung des Signals nach Gefahrengrad. Die gelbe Stufe sieht die Aufrechterhaltung eines Teils der alltäglichen Aktivitäten vor, während die rote Stufe den vollständigen Übergang in Schutzziele und die Einstellung der Arbeit bedeutet. Der Ministerpräsident teilte außerdem mit, dass die erneute Sirene zum Ende des Alarms abgeschafft wird: Den aktuellen Bedrohungsgrad können die Bürger in offiziellen kommunalen Apps und anderen vertrauten Diensten verfolgen. Dies soll die „Alarmmüdigkeit“ verringern und den Menschen ermöglichen, sich am tatsächlichen Risikograd und nicht am formalen Signal zu orientieren.
Einheitliche App auf Basis von „Dija“
Auf der Plattform „Dija“ wird eine staatliche App erstellt, die Informationen über Luftalarme, Gefahren und die Bewegung von Drohnen — „Scheheds“, Drohnen und Raketen — bündelt. Das Ziel, so die Formulierung der Regierung, ist es, ein einheitliches Informationsfeld über aktuelle Bedrohungen zu schaffen, damit die Bürger eine einzige verlässliche Datenquelle statt zahlreicher verstreuter Benachrichtigungen haben. In den Illustrationen zu den Nachrichten werden bereits aktuelle Bildschirme von Alarm-Apps mit Angabe der Stadt, des Bedrohungsgrads und der Programmversion gezeigt.
Ausgangssperre und Betrieb von Unternehmen
Die Regierung erklärt, die Anwendung der Ausgangssperre zu verbessern, um den Betrieb von Unternehmen zu erleichtern. Das Kabinett empfiehlt den lokalen Behörden, die zeitlichen Rahmen anzupassen — etwa auf den Zeitraum von 1:00 bis 5:00 Uhr zu beschränken. In Kiew wird der Transitverkehr von Lastwagen und der Personentransport von Bahnhöfen und anderen Knotenpunkten erlaubt. Besonders hervorgehoben wird, dass die oberste Priorität der lokalen Behörden gemeinsam mit den Unternehmen darin besteht, die Installation mobiler Schutzziele zu beschleunigen, die Menschen vor Trümmern schützen. Dabei werden heute bei Alarmen laut Medienberichten Einkaufszentren und Kinos geschlossen, was Handel und Dienstleistungssektor unmittelbar trifft.
Verkehr: U-Bahn, Brücken und Eisenbahn
Bei gelbem Bedrohungsgrad wird den städtischen Behörden von Kiew empfohlen, den Betrieb der U-Bahn in vollem Umfang sicherzustellen und bei Bedarf die Anzahl der oberirdischen öffentlichen Verkehrsmittel zu erhöhen, damit die Menschen sich frei in der Stadt bewegen können. Derzeit verkehrt die U-Bahn bei Alarm hingegen mit Einschränkungen — die Züge fahren nur auf den unterirdischen Stationen und werden faktisch zum Schutzziel, und es ist unmöglich, die Stadt von der linken auf die rechte Uferseite mit der U-Bahn zu überqueren. Der Betriebsmodus der Eisenbahn wird, wie der Ministerpräsident sagte, in Kürze gesondert geklärt.
Kontext: anhaltende Angriffe auf die Hauptstadtregion
Die Neuerungen werden vor dem Hintergrund eingeführt, dass Kiew und die Oblast Kiew seit dem 27. August unter anhaltenden Drohnenangriffen stehen: Der Gegner setzt raketenangetriebene „Scheheds“ ein, die Alarme dauern Stunden, und ihre Zahl übersteigt an einem Tag häufig zehn. Russische Angriffe richten sich immer häufiger gegen die Infrastruktur der Wirtschaft — Lager von Supermarkt- und Marktplatzketten, Verlagen, „Nowa Poshhta“, „Ukrposchta“, „Epizentr“, pharmazeutische Lager; kürzlich traf eine Drohne eine Coca-Cola-Fabrik in der Oblast Kiew. Genau aus diesem Grund wird die Überarbeitung der Alarm- und Ausgangssperre-Regeln als Versuch gewertet, die Sicherheit der Bevölkerung mit dem Erhalt des Wirtschaftsbetriebs in Einklang zu bringen.