Der Krieg im Donbass und an anderen Frontabschnitten hat sich fundamental gewandelt. Die ukrainischen Streitkräfte haben die strategische Initiative im Einsatz von unbemannten Fluggeräten übernommen. Drohnen haben aufgehört, ein bloßes Hilfsmittel für die Aufklärung zu sein, und sich zum primären Instrument für die systematische Zerstörung der feindlichen Logistik und Artillerie entwickelt.

Dies erklärte Iwan Kyrytschewskyj, Soldat des 413. Bataillons der Spezialkräfte „Reid“ und Waffenexperte, in einem Interview mit der Zeitung RBK-Ukraine. Nach seinen Worten wenden die ukrainischen Operatoren die Technik nicht nur effektiv an, sondern haben die Taktik der Kriegsführung vollständig verändert.

Spiegelzone der Gefechtswirkung

Laut dem Experten ermöglichen Drohnen den ukrainischen Truppen die Schaffung einer „Spiegelzone der Gefechtswirkung“ mit einer Tiefe von 10 bis 15 Kilometern. Dies beschränkt die Möglichkeiten der russischen Armee erheblich, die zuvor auf den massiven Einsatz von Artillerie als ihre Hauptstärke vertraute.

„Wir haben den Russen nicht nur die Initiative im Drohneneinsatz abgenommen, sondern auch die Strategie, wie man eine Drohne selbst zu einem Instrument des Erfolgs auf dem Schlachtfeld macht“, betonte Kyrytschewskyj.

Dank dieser Taktik erschweren ukrainische Einheiten erfolgreich die Nachschubversorgung von Truppen und Munition an der Front. Ziel der Angriffe sind nicht nur kleine Lastwagen, sondern auch schwerer LKW-Verkehr sowie Eisenbahnlokomotiven, die in beträchtlicher Tiefe hinter der Frontlinie zerstört werden.

Zerstörung von Technik und gescheiterte Angriffe

Die Effektivität der neuen Strategie wird durch konkrete Kampfeinsätze bestätigt. Mitte November vereitelten Soldaten des Bataillons „Reid“ an der Grenze der Oblast Donezk und Dnipropetrowsk einen Versuch eines mechanisierten Sturms seitens der russischen Besatzer.

Während der Operation wurden seltene russische T-80BV-Panzer zerstört. Diese Technik zeichnete sich durch eine spezifische Panzerung aus und sah optisch „wie Igel“ aus, erwies sich jedoch vor der Macht der Drohnen als schutzlos.

Ergebnisse der Arbeit des Bataillons „Reid“

In knapp zwei Jahren seines Bestehens hat das Bataillon „Reid“ beeindruckende Ergebnisse erzielt. Laut Iwan Kyrytschewskyj hat die Einheit mindestens 7000 feindliche Ziele getroffen. Der Experte stellt fest, dass diese Zahlen sowohl quantitativ als auch qualitativ die Erfolge der russischen Einheit „Rubikon“ übertreffen, die zuvor in den russischen Medien intensiv beworben wurde.

Der menschliche Faktor

Der Wendepunkt im Drohnenkrieg und die Ansammlung positiver Effekte sind das Ergebnis systematischer Arbeit auf allen Ebenen in den letzten neun Monaten oder einem Jahr. Nach Ansicht von Kyrytschewskyj ist der Schlüsselfaktor für den Erfolg jedoch weniger die Technologie selbst, sondern die Menschen.

„Die Ukraine zeigt derzeit Erfolge beim Einsatz von Drohnen auf dem Schlachtfeld nicht, weil entsprechende Technologien erfunden wurden, sondern weil es entsprechende willensstarke Menschen gibt, die, sozusagen, jede Drohne in ein tödliches Instrument verwandeln können“, fasste der Soldat zusammen.