Ukrainische Militärtechniker führten eine umfassende Untersuchung durch und zerlegten abgeschossene russische «Kalibr»-Raketen (3M14) bis auf den letzten Bauteil. Die detaillierte Analyse durch Spezialisten des ukrainischen Verteidigungsministeriums deckte unerwartete Änderungen in der Konstruktion dieser Waffe auf, die weiterhin eine Bedrohung für das Land darstellt. Wie sich herausstellte, ist die russische Rüstungsindustrie mit ernsthaften technologischen Widersprüchen konfrontiert.
Rückkehr zu ausländischen Komponenten
Eine der Hauptentdeckungen war, dass in den im Jahr 2025 produzierten Raketen wieder eine erhebliche Anzahl von Teilen ausländischer Herkunft gefunden wurde. Zuvor hatte Moskau versucht, vollständig auf eigene elektronische Komponenten umzusteigen, doch nach Ansicht ukrainischer Experten waren die inländischen Alternativen in Bezug auf Qualität und Präzision unterlegen. Dies zwang die Konstrukteure, zur Verwendung ausländischer Elemente zurückzukehren, die mehr als 80-90 % der Elektronik im Suchkopf ausmachen.
Den Experten gelang es nicht nur, die Teile anhand ihrer Kennzeichnung zu identifizieren, sondern auch die spezifischen Hersteller, Konstrukteure und Manager zu ermitteln, die an der Entwicklung dieser Systeme beteiligt waren. Diese Daten werden für weitere Sanktionsmaßnahmen übermittelt.
Neue Taktik: Streubomben-Kampfkopf
Im Frühjahr 2026 wurde in abgeschossenen Raketen erstmals ein grundlegend neuer Kampfkopf festgestellt. Während «Kalibr»-Raketen zuvor mit herkömmlichen Splitter-Sprengladungen ausgestattet waren, befindet sich nun eine Streubomben-Konstruktion im Inneren des Gehäuses.
Im Inneren des Kampfkopfes befinden sich etwa 3600 schädigende Elemente. Bei der Detonation verteilen sie sich über eine große Fläche, was es ermöglicht, verteilte Ziele zu treffen. Experten gehen davon aus, dass russische Konstrukteure die Rakete für Angriffe auf Flugplätze und offene Stellungen adaptiert haben, bei denen eine große Fläche getroffen werden muss.
«Vintage» im modernen Krieg
Die Analyse der Baugruppen ergab eine erstaunliche Tatsache: Die Produktion von «Kalibr» begann Anfang der 2000er Jahre, doch in einzelnen Bauteilen fanden die Spezialisten Kennzeichnungen von Teilen, die bereits in den 1980er Jahren entwickelt wurden. Dies deutet darauf hin, dass Russland weiterhin alte technologische Entwicklungen in modernen Systemen nutzt.
Besonderes Augenmerk wurde auf das Navigationssystem SN-99 gelegt. Es wurde noch in den 2000er Jahren in der ukrainischen Stadt Smela entwickelt, woraufhin die Produktion in Russland aufgenommen wurde. Die Flugroute wird im Voraus programmiert und berücksichtigt das Gelände, was der Rakete ermöglicht, in extrem niedrigen Höhen zu fliegen.
Die größte Schwachstelle
Trotz der Modernisierung des Kampfkopfes bleibt «Kalibr» eine Unterschall-Kreuzflugrakete. Genau dies gilt als ihre größte Schwachstelle. Der Versuch, sich maximal niedrig über der Oberfläche zu halten, schützt die Rakete nicht vor der Abfangung, da die Unterschallgeschwindigkeit den ukrainischen Luftabwehrkräften ausreichend Zeit für eine erfolgreiche Zerstörung des Ziels lässt.