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title: "«Kein Massenabzug wie 2022»: Demografie-Experte erklärt, warum die Ukrainer trotz Beschuss die Ukraine nicht verlassen"
description: "Der Experte des Instituts für Demografie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Alexej Posnjak, erklärte, dass die aktuellen Statistiken keinen Massenabzug der Ukrainer ins Ausland vor dem Hintergrund der Verschärfung des Beschusses feststellen. Laut seinen Daten verließen die mobilstesten Bürger das Land 2022, und der sommerliche Anstieg der Grenzübertritte wird durch den saisonalen Urlaub erklärt."
date: 2026-09-09T08:04:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ukrainische-migration-kein-massenabzug-experte-demografie-institut
tags: [ukraine-migration, war-impact, demography, unhcr, border-crossings, psychological-impact]
publisher: "XAB.info"
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# «Kein Massenabzug wie 2022»: Demografie-Experte erklärt, warum die Ukrainer trotz Beschuss die Ukraine nicht verlassen

![Eine ukrainische Familie mit Koffer und Einkaufstüten auf einer Stadtstraße: Illustration dafür, dass Ukrainer im Land bleiben und dort weiterleben, statt massenhaft zu fliehen](https://xab.info/media/2026/09/09/ukrainian-migration-no-mass-exodus-expert-demography-institute/ukrainian-migration-no-mass-exodus-expert-demography-institute-1.webp)

## 🎯 Key Points

- Die Daten des Instituts für Demografie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine stellen keinen signifikanten Anstieg der Migrationsabsichten vor dem Hintergrund des aktuellen Beschusses fest
- Der absolute Höhepunkt des Abzugs fiel auf März–Mai 2022: mehr als 3 Mio. Menschen in den ersten Wochen, 6–7 Mio. bis Ende des Frühlings
- Der einzige bemerkenswerte Anstieg nach 2022 hängt mit der Erlaubnis für den Ausreise von Männern im Alter von 18–22 Jahren im vergangenen Jahr zusammen
- Der Experte erklärt den sommerlichen Anstieg der Grenzübertritte mit dem saisonalen Urlaub und nicht mit der Flucht vor dem Beschuss
- Bei wesentlicher Verschlechterung der Bedingungen kann die Zahl der Abwanderer steigen, aber ein Massenabfluss wie 2022 wird nicht erwartet

Die Verschärfung der Lage durch feindliche Beschuss und Drohnenangriffe in der Ukraine, die seit mehreren Jahren festzustellen ist, hinterlässt unausweichlich einen starken psychologischen Abdruck auf die Bürger. Allerdings hat dies, laut Daten des Instituts für Demografie und soziale Forschung M. W. Ptuka der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, noch nicht zu einem anhaltenden Anstieg der Migrationsabsichten geführt. Dies erklärte der Seniorwissenschaftler des Instituts, Ökonom Alexej Posnjak, im Interview mit RBC-Ukraine und betonte, dass die aktuellen Statistiken keinen signifikanten Anstieg des Abwanderungsstroms ins Ausland feststellen.

### «Wer abwandern wollte, hat es bereits getan»

Laut Posnjak hat, wenn man sich das Gesamtbild ansieht, die große Mehrheit der Bürger, die ursprünglich aufgrund des Krieges dazu neigte, die Ukraine zu verlassen, diese Entscheidung in den ersten Monaten der vollumfänglichen Invasion umgesetzt. Diejenigen, die im Land geblieben sind oder nach einem kurzen Auslandsaufenthalt zurückgekehrt sind, orientieren sich eher daran, in der Ukraine zu bleiben. «Zumindest, solange sich die Lage nicht grundlegend ändert», präzisierte der Wissenschaftler. Dabei schließt der Experte nicht aus, dass die Zahl derer, die gehen werden, steigen kann, insbesondere wenn die Bedingungen unerträglicher werden als jetzt. Allerdings betont er: Das wird wahrscheinlich «kein solcher Massenabzug wie 2022, zu Beginn der vollumfänglichen Invasion», sein, da damals die mobilstesten und abwanderungswilligsten Bürger das Land verließen.

### Historischer Höhepunkt: Millionen in wenigen Wochen

Unter Verweis auf offizielle Daten des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) erinnerte Posnjak daran, dass der absolute Höhepunkt des Massenabzugs genau auf die ersten Monate der vollumfänglichen Invasion fiel. «In wenigen Wochen und Monaten überschritten Millionen die ukrainisch-europäische Grenze. Allein in den ersten Wochen des März 2022 verließen mehr als 3 Millionen Menschen das Land, und bis zum Ende des Frühlings überschritt die Zahl der Grenzübertritte die Marke von 6–7 Millionen», präzisierte der Experte. Abgesehen von dieser Periode, so sein Statement, wurden keine Abwanderungsspitzen in vergleichbarem Umfang festgestellt. Die einzige Ausnahme war das vergangene Jahr, als in der Ukraine der Ausreise von Männern im Alter von 18 bis 22 Jahren erlaubt wurde: Damals stieg der Abwanderungsstrom «in gewisser Weise», aber «nicht in einem solchen Maßstab» wie 2022.

### Saisonalität und Methodik: Urlaub oder Flucht?

Zur Verfolgung der Migrationsströmungen verwendet das Institut Daten der Grenzpolizei, die laut Posnjak kritisch analysiert werden. Der Experte wies auf einen wichtigen methodischen Aspekt hin: Im Sommer wird traditionell ein Anstieg des Stroms der Bürger, die die Grenze überschreiten, festgestellt – dies ist die Urlaubszeit, in der die Menschen planmäßig nach Europa fahren, um zu entspannen, und dann zurückkehren. «Und jemand wird das ansehen und sagen, dass dies Massenabwanderungen sind, zum Beispiel wegen des Beschusses. Aber woher kommt dieser Schluss? Wir können keine solche Bewertung abgeben», erklärte der Wissenschaftler. Laut seinen Daten wandert zu Beginn des Sommers mehr aus, und gegen Ende des Sommers wird der umgekehrte Strom – in Richtung Ukraine, d. h. die Rückkehr der Bürger – festgestellt.

### Psychologische Gewöhnung und Chronifizierung der Gefahr

Am Ende des Interviews räumte Posnjak ein, dass die Verschärfung des Beschusses «die Menschen auf die eine oder andere Weise einen starken psychologischen Abdruck hinterlassen». Dabei beschrieb er den Anpassungsmechanismus: «Jetzt sind Kriegsjahre, die Lage ändert sich ziemlich oft – heute eine Situation, morgen schon eine andere. Und so schon seit mehreren Jahren. Und wenn die Lage mehr oder weniger auf einem gleichen Gefahrenniveau bleibt, gewöhnen sich die Menschen teilweise daran. Das gibt es auch». Somit verringert die Chronifizierung der Bedrohung, nach Einschätzung des Demografen, die kurzfristige Abwanderungsmotivation, beseitigt aber nicht die angesammelte psychische Anspannung.

### Widersprüchliche Daten

In den Aussagen des Experten besteht eine gewisse innere Spannung zwischen zwei Thesen. Einerseits stellt Posnjak fest, dass «die gesamten Daten derzeit keinen signifikanten Anstieg der Migrationsabsichten zeigen» und dass kein Massenabzug vergleichbar mit 2022 erwartet wird. Andererseits erkennt er offen an, dass «aufgrund der aktuellen Ereignisse die Zahl derer, die fahren werden, steigen wird», insbesondere wenn die Bedingungen unerträglicher werden. Der Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen liegt im Horizont und in den Bedingungen: Die erste These beschreibt die aktuelle Statistik, die zweite – ein bedingtes Szenario bei wesentlicher Verschlechterung der Lage. Dennoch ist es für den Leser wichtig zu verstehen, dass der Experte keine eindeutige Prognose eines «null» Abflusses gibt: Er stellt den Massenabzug zum aktuellen Zeitpunkt fest, lässt aber die Frage eines möglichen Anstiegs bei Änderung der Konfliktparameter offen. Außerdem bezeichnet der Experte die Frage, ob der sommerliche Anstieg der Grenzübertritte eine Folge des Beschusses oder des saisonalen Urlaubs ist, auf der Grundlage der verfügbaren Daten als ungelöst: «Wir können keine solche Bewertung abgeben».

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Neue Migrationswelle? Verlassen Ukrainer wegen des verstärkten Beschusses das Land](https://www.rbc.ua/ukr/news/nova-hvilya-migratsiyi-chi-viyizdyat-ukrayintsi-1788940548.html) - Интервью с А. Позняком (Институт демографии и социальных исследований им. М.В. Птухи НАН Украины). Цифры по 2022 г. (3 млн за первые недели марта, 6–7 млн к концу весны) согласуются с публичными данными УВКБ ООН. Упоминание разрешения на выезд мужчин 18–22 лет в прошлом году (2025) соответствует известным решениям. Текущая оценка об отсутствии массового выезда — экспертное суждение на основе данных пограничной службы.

## ❓ FAQ

### Q: Wird derzeit ein Massenabzug der Ukrainer ins Ausland wegen des Beschusses festgestellt?
**A:** Laut Daten des Instituts für Demografie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, nein. Die aktuellen Statistiken zeigen keinen signifikanten Anstieg der Migrationsabsichten. Der Experte Alexej Posnjak betont, dass die abwanderungswilligsten Bürger das Land 2022 verließen, und der sommerliche Anstieg der Grenzübertritte wird durch den saisonalen Urlaub erklärt.

### Q: Wie viele Menschen verließen die Ukraine in den ersten Kriegsmonaten?
**A:** Laut Daten des UNHCR, auf die sich der Experte bezieht, überschritten allein in den ersten Wochen des März 2022 mehr als 3 Millionen Menschen die Grenze. Bis Ende des Frühlings 2022 überstieg die Gesamtzahl der Grenzübertritte 6–7 Millionen.

### Q: Gab es nach 2022 einen bemerkenswerten Abwanderungsanstieg?
**A:** Ja, aber nicht in vergleichbarem Maßstab. Posnjak verweist auf das vergangene Jahr, als in der Ukraine der Ausreise von Männern im Alter von 18 bis 22 Jahren erlaubt wurde. Damals stieg der Abwanderungsstrom «in gewisser Weise», erhielt aber keinen massenhaften Charakter wie 2022.

### Q: Ist bei Verschlechterung der Lage ein neuer Massenabfluss zu erwarten?
**A:** Der Experte erkennt an, dass bei wesentlicher Verschlechterung der Bedingungen die Zahl der Abwanderer steigen kann. Allerdings betont er, dass dies wahrscheinlich kein Massenabzug vergleichbar mit 2022 sein wird, da der mobilsteste Teil der Bevölkerung das Land bereits zuvor verlassen hat.