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title: "Die ukrainische Rüstungsindustrie an einem Scheideweg: Fremdkapital klopft an die Tür, doch Barrieren lassen es nicht herein"
description: "Die ukrainische Rüstungsindustrie zieht aktiv die Aufmerksamkeit ausländischer Partner auf sich und gründet Joint Ventures mit NATO-Unternehmen, doch systemische Barrieren – von der unvorhersehbaren staatlichen Auftragslage bis zu Exportschwierigkeiten – bremsen den Zufluss langfristigen Kapitals."
date: 2026-08-26T14:22:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ukrainische-ruestungsindustrie-fremdkapital-barrieren
tags: [ukraine-defense-industry, foreign-investment, nauti, mbda, danish-model, opk-ukraine, nato-cooperation]
publisher: "XAB.info"
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# Die ukrainische Rüstungsindustrie an einem Scheideweg: Fremdkapital klopft an die Tür, doch Barrieren lassen es nicht herein

![Ukrainisches gepanzertes Fahrzeug mit Flak-Anlage auf einem Rüstungsstand einer internationalen Messe, das das Potenzial der Branche für ausländische Investitionen zeigt](https://xab.info/media/2026/08/26/ukrainian-opk-foreign-investment-barriers/ukrainian-opk-foreign-investment-barriers-1.webp)

## 🎯 Key Points

- Ukrainische Rüstungsunternehmen gründen Joint Ventures mit MBDA, Ukrspecsystems und anderen NATO-Partnern und erhalten zudem Finanzierung nach dem „dänischen Modell“
- NAUDI-Chef Serhij Pashynskyi nennt drei Risikostufen für Investoren: militärische Bedrohung, Fehlen einer vorhersehbaren staatlichen Auftragslage und Exportbeschränkungen
- Für die Kapitalanziehung sind vorhersehbare Regeln für staatliche Aufträge, Zugang zu langfristiger Finanzierung, Schutz des geistigen Eigentums und klare Bedingungen für die internationale Kooperation erforderlich
- Das Verteidigungsministerium hat einen vergünstigten Finanzleasing für Rüstungsunternehmen eingeführt, doch Marktteilnehmer halten die Maßnahme für unzureichend

Die ukrainische Verteidigungs- und Rüstungsindustrie, die nach 2022 eine beispiellose Mobilisierung und einen technologischen Sprung durchlebt hat, steht heute vor einer neuen Herausforderung – der Anziehung ausländischen privaten und staatlichen Kapitals. Wie das Sonderprojekt von RBC-Ukraine „Eigene Waffe – Schild der Unabhängigkeit. Wie die Ukraine ihre Verteidigungsindustrie neu aufgebaut hat“ herausfand, existiert das Potenzial für externe Investitionen objektiv, doch seine Umsetzung stößt auf systemische Barrieren, die sich nicht mit einem einzigen Dekret lösen lassen. Vor dem Hintergrund wachsender internationaler Zusammenarbeit mit NATO-Unternehmen und der Ausweitung direkter Finanzierungsschemata durch Verbündete wird die Investitionslandschaft in der Branche zu einer der Schlüsselfragen für die langfristige Verteidigungsfähigkeit des Landes.

### Internationale Kooperation: von Absichtserklärungen zu Joint Ventures

Nach Beginn des großangelegten Krieges sind ukrainische Hersteller vom Modell eines „geschlossenen Staatssektors“ zu einer aktiven Integration in globale Lieferketten übergegangen. Der ukrainische Panzerfahrzeughersteller hat eine Reihe von Verträgen unterzeichnet, darunter ein Abkommen über die Gründung eines Joint Ventures mit der europäischen Raketengesellschaft MBDA. Ähnliche Strukturen bilden Ukrspecsystems und andere Mitglieder der Nationalen Assoziation der Verteidigungsindustrie der Ukraine (NAUDI). Parallel erhalten ukrainische Unternehmen bereits internationale Finanzierung nach dem sogenannten „dänischen Modell“ und anderen direkten Finanzierungsschemata, bei denen die Regierungen der Partnerländer Mittel für den Kauf ukrainischer Waffen für die Verteidigungskräfte bereitstellen. Auf internationalen Messen, auf denen ukrainische Plattformen – von gepanzerten Fahrzeugen mit ferngesteuerten Kampfböden bis hin zu unbemannten Systemen – in den Pavillons der NAUDI präsentiert werden, wird dieser Trend eindrucksvoll bestätigt: Ausländische Delegationen interessieren sich nicht nur für fertige Produkte, sondern auch für Möglichkeiten der Mitproduktion.

### Drei Risikostufen: der Blick aus der Branche

„Für einen Investor in ein ukrainisches Verteidigungsunternehmen ist das militärische Risiko nur die erste Stufe des Problems. Die zweite – das Fehlen einer vorhersehbaren Auftragslage nach Abschluss des aktuellen Vertrags. Die dritte – Exportverbot oder Exporterschwerung, die eine Kompensation des Rückgangs der inländischen Nachfrage nicht zulässt“, formuliert NAUDI-Chef Serhij Pashynskyi das Kernproblem. Seinen Worten zufolge macht gerade die Kombination dieser drei Faktoren die ukrainische Rüstungsindustrie im Vergleich zu europäischen und amerikanischen Äquivalenten für langfristiges Kapital weniger attraktiv. Als separate Risiken, die von Marktteilnehmern genannt werden, bleiben ein mögliches unverhältnismäßiges Eingreifen der Strafverfolgungsbehörden, der eingeschränkte Zugang zu langfristiger Finanzierung, der unzureichende Schutz des geistigen Eigentums und das Fehlen klarer Regeln zur Produktionslokalisierung bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern.

### Was für den Durchbruch nötig ist: die Forderungen der NAUDI

Nach Einschätzung der Nationalen Assoziation der Verteidigungsindustrie benötigt die Ukraine mindestens vier Bedingungen, um privates und ausländisches Kapital anzuziehen: vorhersehbare Regeln für staatliche Aufträge, Zugang zu langfristiger Finanzierung, Schutz des Unternehmens vor unverhältnismäßigem Eingreifen und verständliche Bedingungen für die internationale Kooperation. Ohne die Bildung eines solchen „regulatorischen Gerüsts“ riskiert die Branche, im Modus des extensiven Wachstums zu verbleiben, das von den dringenden Bedürfnissen der Front abhängt, nicht aber von tragfähigen Marktmechanismen. Zuvor wurde berichtet, dass das Verteidigungsministerium bereits einen vergünstigten Finanzleasing für Rüstungsunternehmen eingeführt hat – ein Schritt, den Marktteilnehmer als positiv, aber für die Bildung einer vollwertigen Investitionslandschaft als unzureichend bewerten.

### Widersprüchliche Daten

Bei der Bewertung des Branchenstands und der Perspektiven der Kapitalanziehung weichen die Positionen von Experten und Branchenverbänden in den Akzenten voneinander ab. Einerseits betonen RBC-Ukraine und NAUDI, dass die internationale Kooperation bereits angelaufen ist, Joint Ventures gegründet werden und das „dänische Modell“ funktioniert – das Fundament für den Kapitalzufluss also gelegt ist. Andererseits charakterisieren analytische Publikationen (unter anderem auf pravda.com.ua) den aktuellen Zustand der Rüstungsindustrie als „Modus laufender Entscheidungen und Drifts“ und weisen auf das Fehlen strategischer Planung und einer systemischen Investitionspolitik hin. Der Unterschied in den Bewertungen erklärt sich dadurch, dass die Ersten sich auf operative Erfolge der letzten Jahre konzentrieren, die Zweiten aber auf strukturelle Defizite, die in der kurzfristigen Perspektive nicht sichtbar sind, aber die Tragfähigkeit der Branche im mittelfristigen Horizont bestimmen. Eine einheitliche, abgestimmte Zahl zum Volumen des in die Rüstungsindustrie geflossenen Fremdkapitals für 2026 wird öffentlich nicht genannt – was selbst ein Indikator für die unzureichende Transparenz des Sektors ist.

### Kontext: Was auf den Messeflächen zu sehen ist

Die Präsentation ukrainischer gepanzerter Plattformen auf internationalen Verteidigungsmessen – mit NAUDI-Flaggen, ukrainischen Pavillons und einer Reihe ausländischer Partner – ist zum visuellen Symbol dafür geworden, dass das Land aufgehört hat, ausschließlich „Besteller“ zu sein, und sich zu einem „Hersteller“ mit Exportpotenzial gewandelt hat. Allerdings, wie in der Branche angemerkt wird, bleiben diese Vitrinen ohne Lösung der regulatorischen Fragen Vitrinen: Das Interesse des Investors wandelt sich in reale Investitionen erst dann, wenn die Spielregeln für einen Horizont von fünf bis zehn Jahren und nicht für einen einzigen Vertragszyklus verständlich sind.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Fremdinvestitionen in der ukrainischen Rüstungsindustrie: Welche Barrieren bremsen den Kapitalzufluss](https://www.rbc.ua/ukr/news/inozemni-investitsiyi-opk-ukrayini-ki-bar-1787751628.html) - Основной источник: цитаты Пашинского, информация о совместных предприятиях (MBDA, Ukrspecsystems), «датская модель», требования NAUDI, льготный лизинг Минобороны.
- [Die ukrainische Rüstungsindustrie im Modus laufender Entscheidungen und Drifts. Warum es so nicht weitergehen kann](https://www.pravda.com.ua/rus/columns/2026/07/12/8043739/) - Используется для контрастной оценки: характеристика отрасли как находящейся в «режиме дрейфа». Конкретные цифры и даты в данном источнике не пересекаются с данными РБК, противоречий по фактам не выявлено, но тональность более критическая.

## ❓ FAQ

### Q: Was ist das „dänische Modell“ der Finanzierung der ukrainischen Rüstungsindustrie?
**A:** Es handelt sich um ein Schema der direkten Finanzierung, bei dem die Regierungen der Partnerländer Mittel für den Kauf ukrainischer Waffen für die Verteidigungskräfte der Ukraine bereitstellen. Die Mittel fließen direkt von den Verbündeten, unter Umgehung der traditionellen Mechanismen der Militärhilfe.

### Q: Welche Joint Ventures wurden bereits von der ukrainischen Rüstungsindustrie gegründet oder werden gegründet?
**A:** Der ukrainische Panzerfahrzeughersteller hat ein Abkommen über die Gründung eines Joint Ventures mit der europäischen Raketengesellschaft MBDA unterzeichnet. Ähnliche Strukturen bilden Ukrspecsystems und andere NAUDI-Mitglieder. Die konkrete Liste aller Joint Ventures wird öffentlich nicht in vollem Umfang offengelegt.

### Q: Welche drei Risikostufen für Investoren nennt der NAUDI-Chef?
**A:** Serhij Pashynskyi nennt: 1) das militärische Risiko; 2) das Fehlen einer vorhersehbaren staatlichen Auftragslage nach Abschluss des aktuellen Vertrags; 3) Exportverbot oder Exporterschwerung, die eine Kompensation des Rückgangs der inländischen Nachfrage nicht zulässt.

### Q: Was unternimmt das Verteidigungsministerium zur Unterstützung der Rüstungsindustrie im Bereich der Finanzierung?
**A:** Das Verteidigungsministerium hat einen vergünstigten Finanzleasing für Unternehmen der Verteidigungs- und Rüstungsindustrie eingeführt. Marktteilnehmer bewerten die Maßnahme als positiven, aber unzureichenden Schritt für die Bildung einer vollwertigen Investitionslandschaft.