Ukrainische Städte sehen sich einer ernsthaften klimatischen Bedrohung gegenüber: In bebauten Gebieten kann die Lufttemperatur diejenige des Umlands um 5 Grad und mehr übersteigen. Dieses als „städtische Wärmeinsel“ bekannte Phänomen verwandelt urbanisierte Gebiete aufgrund übermäßiger Bebauung und Mangels an Grünflächen in Risikozonen.
Sofia Sadogurska, Expertin der Klimabteilung der gemeinnützigen Organisation „Ekodia“, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, wie Städte an extreme Hitze angepasst werden können und warum das Ignorieren des Problems schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Bewohner haben kann.
Naturbasierte Lösungen als Rettung
Um der Überhitzung der Luft entgegenzuwirken, empfehlen Experten, von traditionellen Methoden auf naturbasierte Lösungen umzusteigen. Diese kühlen nicht nur die Umgebung, sondern tragen auch zur Reinigung der Luft bei. Wie Sadogurska feststellt, ist allen bekannt, dass es in einem Park kühler ist als auf Betonplätzen. Die Umsetzung dieses Prinzips erfordert jedoch einen ganzheitlichen Ansatz.
Zu den wirksamen Maßnahmen gehören:
- Die Schaffung neuer Grünflächen und der Erhalt bestehender.
- Die Wiederherstellung des natürlichen Flusslaufs von Flüssen.
- Die Anlage von „Regengärten“.
- Die Einrichtung von Gründächern und -wänden, die die Temperatur innerhalb von Gebäuden senken können.
Besonderes Augenmerk wird auf „Regengärten“ gelegt. Dies ist eine innovative Methode, die die traditionelle Wasserabfuhr ersetzt. Anstatt Niederschläge in die Kanalisation zu leiten, werden spezielle Grünflächen geschaffen, die Feuchtigkeit auf natürliche Weise aufnehmen und so das Mikroklima regulieren.
Psychologischer Aspekt und mentale Gesundheit
Die Bedeutung solcher Räume geht über die Klimaanpassung hinaus. Unter Kriegsbedingungen wird der Zugang zu einer komfortablen, kühlen und grünen Umgebung für die mentale Gesundheit der Ukrainer entscheidend. Grünflächen helfen, das Stresslevel zu senken und ein Gefühl von Sicherheit zu schaffen.
Technologie im Dienste des Klimas
Um der Hitze wirksam zu begegnen, müssen Städte moderne Überwachungsinstrumente einsetzen. Die Analyse von Satellitendaten ermöglicht es, Bereiche genau zu identifizieren, die am stärksten überhitzen – beispielsweise mit Beton überzogene Plätze. Dies ermöglicht eine strategische Planung von Infrastrukturänderungen.
Darüber hinaus hilft die Vorhersage dabei, die Verwundbarkeit von Städten nicht nur gegenüber Hitze, sondern auch anderen klimatischen Risiken zu bewerten. Wenn ein bestimmter Standort bei Starkregen regelmäßig überflutet wird, helfen die Daten zu verstehen, dass dringend an diesem Abschnitt gearbeitet werden muss, um Risiken in Zukunft zu minimieren.
Was können die Bewohner tun?
Obwohl der Klimawandel oft als globales Problem wahrgenommen wird, machen sich seine Folgen auf lokaler Ebene bemerkbar. Die Expertin rät den Bewohnern, nicht untätig zu bleiben. Der wichtigste Rat ist, sich zusammenzuschließen und Fragen der Klimaanpassung auf der Ebene der lokalen Behörden zu thematisieren.
„Die Menschen spüren oft die Folgen dieser Veränderungen, verbinden sie aber nicht immer mit dem klimatischen Kontext“, fasst Sadogurska zusammen. Die Einbindung von Experten und ein aktiver Dialog mit den Behörden können der erste Schritt zur Schaffung einer komfortableren und sichereren städtischen Umgebung sein.