Die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine in den nächsten drei Jahren wird erheblichen Veränderungen unterliegen, wobei die politische Lage weiterhin der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt. Laut dem aktualisierten Bericht der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) „Regionale Wirtschaftsaussichten“, der von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde, werden das BIP-Wachstum 2026 nachlassen, doch 2027 ist ein starker Anstieg möglich, sofern eine kritische Bedingung erfüllt wird.
Verlangsamung des Wachstums in den Jahren 2025 und 2026
Die aktuelle wirtschaftliche Realität zeigt bereits Anzeichen einer Abkühlung. Nach Schätzungen der EBWE verlangsamt sich das reale BIP-Wachstum der Ukraine im Jahr 2025 auf 1,8 %. Die Hauptbremsen für die Entwicklung sind ein akuter Arbeitskräftemangel sowie systematische Störungen in Logistik und Energieversorgung, die durch anhaltende russische Angriffe auf die Infrastruktur verursacht werden.
Die Prognose für das folgende Jahr sieht noch zurückhaltender aus. Die EBWE erwartet ein Wirtschaftswachstum von 2,2 % im Jahr 2026. Die Experten der Bank führen diesen Rückgang auf die anhaltenden Probleme im Industriesektor und in den Lieferketten zurück. Ein weiterer Druckfaktor werden höhere Importpreise für Energieträger und eine Beschleunigung der Inflationsprozesse sein.
Szenario der Beschleunigung: Die Bedingung für Wachstum im Jahr 2027
Trotz der Verlangsamung in der mittelfristigen Perspektive enthält die Langzeitprognose ein optimistisches Szenario. Für das Jahr 2027 prognostiziert die EBWE ein BIP-Wachstum von 4,0 % – das ist fast doppelt so hoch wie die Werte von 2026. Die Experten betonen jedoch, dass eine solche Dynamik nur unter einer Bedingung möglich ist: wenn der Krieg beendet werden kann und eine umfassende Wiederaufbauphase beginnt.
Es ist wichtig anzumerken, dass die Prognosen anderer Analysezentren ebenfalls stark vom weiteren Verlauf des Konflikts abhängen. Bereits im Februar 2025 hatte die EBWE ihre Erwartungen angepasst, indem sie die Prognose für das laufende Jahr auf 3,5 % senkte und auf eine Beschleunigung auf 5,0 % im Jahr 2026 hoffte, falls bis Ende des Jahres eine Waffenruhe erreicht würde. Die Einschätzungen anderer Marktteilnehmer, einschließlich IWF, KSE, Dragon Capital, des Wirtschaftsministeriums und der NBU, reichen von 2,4 % bei Fortsetzung der Kampfhandlungen bis zu 5 % im Falle eines Friedens.
Inflation und energetische Risiken
Die makroökonomische Stabilität bleibt fragil. Im Januar 2026 sank die Inflation in der Ukraine auf 7,4 %, doch die geopolitische Spannungen im Nahen Osten haben diesen Indikator erneut bedroht. Der Anstieg der Energiepreise auf den Weltmärkten birgt Risiken für die Energiesicherheit des Landes und droht, die Lücke bei der externen Finanzierung zu vergrößern.
Haushaltsdefizit und Abhängigkeit von externer Hilfe
Die finanzielle Stabilität des Staates stützt sich in hohem Maße auf internationale Unterstützung. Das Defizit des Staatshaushalts der Ukraine ohne Berücksichtigung von Zuschüssen erreichte kritische Werte – 23,6 % des BIP im Jahr 2025. Im Jahr 2026 wird dieser Indikator hoch bleiben und auf einem Niveau von 19,3 % des BIP liegen. Diese Lücke wird überwiegend durch externe offizielle Unterstützung gedeckt, die weiterhin das Fundament der kurzfristigen Entwicklungsperspektiven darstellt.