Teilnehmer der 29. Ukrainischen Antarktisexpedition auf der Forschungsstation „Akademik Wernadskyj' haben ein einzigartiges atmosphärisches Phänomen aufgezeichnet – Perlmuttwolken in der Stratosphäre vor dem Hintergrund eines Vollmonds. Das Nationale Antarktis-Forschungszentrum veröffentlichte diese seltenen Aufnahmen und betonte, dass Beobachtungen dieser Art in der Region aufgrund häufiger Stürme und dichter Bewölkung äußerst schwierig sind.
Die Physik eines seltenen Phänomens
Autor der einzigartigen Aufnahmen ist der Meteorologe der Expedition, Serhij Jakuschtschenko. Die Fotos konnten während einer seltenen Aufhellung über der Insel Galindez gemacht werden. In der wissenschaftlichen Klassifizierung sind diese Gebilde als polare Stratosphärenwolken (PSW) vom Typ II bekannt. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Wolken bilden sie sich in einer Höhe von 15 bis 30 Kilometern in der Stratosphäre. Für ihre Entstehung sind extreme Bedingungen erforderlich: Die Temperatur muss unter -78°C sinken. Das Mondlicht, das durch mikroskopische Eiskristalle fällt, erzeugt einen Beugungseffekt, der die Wolken in Pastelltönen färbt.
Klimaindikator
Trotz ihrer ästhetischen Attraktivität signalisiert das Auftreten von Perlmuttwolken eine wichtige wissenschaftliche Botschaft. Die Oberfläche der Eiskristalle in der Stratosphäre wird zum Katalysator chemischer Reaktionen, die Chlorkomponenten aktivieren. Dieses Phänomen ist ein Vorläufer der saisonalen Ausdehnung des Ozonlochs, die normalerweise mit dem Beginn des polaren Frühlings einhergeht. Somit dienen die aufgezeichneten Aufnahmen als wichtiger Indikator für die Überwachung des Zustands der Ozonschicht.
Bedeutung für die Wissenschaft
Die Beobachtung von Iridisation (regnbogiger Färbung) bei Mondlicht gilt als seltener Fall, da das menschliche Auge unter Bedingungen schwacher Beleuchtung selten in der Lage ist, die Farbpalette zu unterscheiden. Der Erfolg der Beobachtung war auf eine ideale Geometrie zurückzuführen: einem bestimmten Winkel der Mondposition und einer einheitlichen Größe der Eiskristalle. Diese Daten tragen zum Verständnis atmosphärischer Prozesse in der Antarktis bei und helfen Klimatologen, globale Veränderungen zu verfolgen.
Widersprüchliche Daten
Obwohl in der wissenschaftlichen Gemeinschaft keine Uneinigkeit über die Natur des Phänomens besteht, gibt es unterschiedliche Interpretationen seiner Häufigkeit. Einige Quellen deuten darauf hin, dass solche Wolken in den letzten Jahren aufgrund sich ändernder klimatischer Bedingungen häufiger beobachtet werden als in den vorherigen Jahrzehnten. Andere Forscher glauben, dass dies auf die Verbesserung der Qualität der Aufnahmetechnik und eine sorgfältigere Überwachung zurückzuführen ist und nicht auf eine tatsächliche Zunahme der Häufigkeit des Phänomens. In jedem Fall bleibt jeder aufgezeichnete Fall für die Wissenschaft wertvoll.

