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title: "„Alle sind bereit, nur der Kreml-Chef nicht“: Ukrainischer Botschafter in der Türkei erklärt, wie Ankara das Einfrieren der Verhandlungen wahrnimmt"
description: "Der ukrainische Botschafter in der Türkei, Nariman Dschelal, erklärte, dass Ankara das Einfrieren der Verhandlungen mit Russland besorgt wahrnehme, aber scharfe Bewertungen vermeide. Der einzige funktionierende Track bleibe der Gefangenenaustausch, und Kiew sei zu einem Treffen der Staatsführer in der Türkei bereit."
date: 2026-09-03T06:26:04.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ukrainischer-botschafter-in-der-tuerkei-zur-einfrierung-der-verhandlungen-mit-russland
tags: [ukraine-turkey, peace-negotiations, black-sea, prisoner-exchange, free-trade, russia-ukraine, ankara]
publisher: "XAB.info"
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# „Alle sind bereit, nur der Kreml-Chef nicht“: Ukrainischer Botschafter in der Türkei erklärt, wie Ankara das Einfrieren der Verhandlungen wahrnimmt

![Ukrainischer Botschafter in der Türkei am Tisch vor ukrainischer Flagge und Moschee-Gemälde, der auf Ankaras Reaktion auf die eingefrorenen Gespräche eingeht](https://xab.info/media/2026/09/03/posol-ukrainy-v-turcii-o-zamorozke-peregovorov-s-rossiey/posol-ukrainy-v-turcii-o-zamorozke-peregovorov-s-rossiey-1.webp)

## 🎯 Key Points

- Türkische Diplomaten nehmen die Pause in den Verhandlungen mit Russland besorgt wahr, vermeiden aber den Begriff „negativ“, da sie verstehen, dass Moskau der Initiator war
- Der einzige Bereich mit echtem Fortschritt bleibt der Austausch von Kriegsgefangenen und Zivilisten
- Selenskyj bekundet seine Bereitschaft, sich in der Türkei mit Putin zu treffen; Verhandlungen unterhalb der Ebene der Staatsführer gelten als ineffizient
- Russische Angriffe auf die Hafeninfrastruktur zwingen Kiew zu spiegelbildlichen Antworten, was die Lage im Schwarzen Meer verschärft
- Das Freihandelsabkommen Ukraine–Türkei wurde ratifiziert, schafft aber Risiken für die Leichtindustrie

Das Einfrieren des Friedensdialogs zwischen der Ukraine und Russland löst in Ankara ein anhaltendes Gefühl der Besorgnis aus, auch wenn türkische Diplomaten bewusste scharfe Formulierungen wie „negative Reaktion“ vermeiden. Dies erklärte der ukrainische Botschafter in der Türkei, Nariman Dschelal, in einem exklusiven Interview mit RBC-Ukraine und betonte, dass die türkische Seite sehr wohl erkennt, dass die russische Seite die Urheberin der Pause ist. Seinen Worten zufolge hegen die diplomatischen Kreise in Ankara keine Illusionen über die Gründe für die Einstellung der Kontakte, halten sich öffentlich jedoch an einen zurückhaltenden Ton und konzentrieren sich auf die Suche nach Auswegen aus der Sackgasse.

### Der einzige Kanal, der weiterhin funktioniert: die Gefangenenaustausch

Trotz der allgemeinen Stagnation im Verhandlungsprozess wies der Botschafter auf einen Bereich hin, in dem ein echter Fortschritt festzustellen ist – die Freilassung ukrainischer Kriegsgefangener und eines Teils der Zivilisten. „Wir haben unsere Leute sowohl davor als auch danach befreit oder ausgetauscht, aber hier hat sich tatsächlich ein erheblicher quantitativer Anstieg ergeben“, so Dschelal. Der humanitäre Track bleibt somit der einzige funktionierende Mechanismus der Zusammenarbeit, der nicht durch den politischen Willen Moskaus gelähmt ist.

### Das Schwarze Meer als Eskalationsauslöser und die spiegelbildlichen Antworten Kiews

Zum sensibelsten Thema im ukrainisch-türkischen Dialog ist der Tod türkischer Seeleute infolge von Angriffen auf Handelsschiffe geworden. Dschelal erklärte offen, dass Kiew „ehrlich“ darüber spreche, dass die ständigen russischen Angriffe auf die Hafeninfrastruktur und die zivile Schifffahrt die ukrainische Seite zu spiegelbildlichen Maßnahmen zwingen. Eine solche Eskalation sei den türkischen Partnern nach Worten des Botschafters absolut unangemessen; sie drängten auf Treffen und unterstützten die Idee einer Wiederaufnahme des Dialogs. Laut The Telegraph haben die Angriffe auf die zivile Schifffahrt den Betrieb der Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Juzhnyj bereits erheblich eingeschränkt, was der Ukraine zu Verlusten von bis zu 1,5 % des BIP kosten könnte.

### „Alle sind bereit, nur der Kreml-Chef selbst nicht“

Der Botschafter betonte, dass Kiew nicht auf den Dialog verzichte: Präsident Wolodymyr Selenskyj habe in Gesprächen mit Recep Tayyip Erdoğan mehrfach seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, sich mit Wladimir Putin gerade auf türkischem Gebiet zu treffen. Gleichzeitig gelte nach Einschätzung Dschelals, dass Verhandlungen unterhalb der Ebene der Staatschefs unter den gegenwärtigen Bedingungen als wenig wirksam angesehen würden. „Am Ende stoßen wir auf das Unwillen Russlands, sich zu einigen. Die Türken sind bereit, wir sind bereit, die Amerikaner sind bereit. Alle sind bereit, nur der Kreml-Chef selbst und sein Umfeld nicht“, resümierte der Diplomat.

### Wirtschaftlicher Kontext: die Freihandelszone und ihre Kosten

Parallel zum diplomatischen Track entwickelt sich auch die wirtschaftliche Dimension der Beziehungen. Das Freihandelsabkommen zwischen der Ukraine und der Türkei wurde bereits 2022 unterzeichnet, und kürzlich hat die Werchowna Rada das Dokument ratifiziert, woraufhin es vom Präsidenten unterzeichnet wurde. Dschelal räumte ein, dass die Freihandelszone für das ukrainische Geschäft neue Absatzmärkte eröffne, gleichzeitig aber Risiken für die Leichtindustrie schaffe, die seiner Ansicht nach auf staatlicher Ebene gestützt werden müsse.

### Position Moskaus: der Getreide-Track bleibt eingefroren

Auf dem Hintergrund der Erklärungen Kiews und Ankandas zur Bereitschaft zum Dialog erklärte der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko, dass Moskau derzeit keine Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Getreideabkommens im Schwarzen Meer sehe. Dies bestätige die These des Botschafters Dschelal, dass die Initiative zur Wiederaufnahme der Kontakte auf Ebene der russischen Führung systematisch blockiert werde, während die ukrainische, türkische und amerikanische Seite nach seiner Einschätzung Verhandlungsbereitschaft zeigten.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [In der Türkei sorgt die Pause in den Verhandlungen für Besorgnis: Ukrainischer Botschafter legt Details offen](https://www.rbc.ua/ukr/news/turechchini-sturbovani-pauzoyu-peregovorah-1788416178.html) - Первичный источник: прямое интервью посла Наримана Джеляла. Все цитаты и факты соответствуют тексту интервью.
- [Ukrainischer Botschafter in Ankara würdigt die Vermittlerrolle der Türkei](https://www.aa.com.tr/ru/мир/посол-украины-в-анкаре-высоко-оценил-посредническую-роль-турции/4031539) - Вторичный источник (Anadolu Agency) подтверждает общий нарратив о посреднической роли Турции и оценках посла. Факты не противоречат версии РБК-Украина.

## ❓ FAQ

### Q: Wie nimmt das Türkei das Einfrieren der Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland wahr?
**A:** Nach Worten des ukrainischen Botschafters in der Türkei, Nariman Dschelal, nehmen die türkischen Diplomaten die Pause besorgt wahr, vermeiden aber bewusst den Begriff „negativ“. Sie verstehen sehr gut, dass die russische Seite die Urheberin des Einfrierens war.

### Q: Welcher Zusammenarbeitstrack funktioniert trotz der Pause weiter?
**A:** Der einzige Bereich mit erheblichem Fortschritt bleibt die Freilassung und der Austausch ukrainischer Kriegsgefangener und Zivilisten. Dschelal bemerkte, dass der quantitative Anstieg der Tausche gerade während der Pause stattfand.

### Q: Ist Kiew zu einem Treffen auf Ebene der Staatsführer bereit?
**A:** Ja. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Gesprächen mit Erdoğan mehrfach seine Bereitschaft bekundet, sich in der Türkei mit Putin zu treffen. Botschafter Dschelal betonte, dass Verhandlungen unterhalb der Ebene der Staatschefs unter den gegenwärtigen Bedingungen als wenig wirksam gelten.

### Q: Was passiert mit dem Getreideabkommen im Schwarzen Meer?
**A:** Der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko erklärte, dass Moskau derzeit keine Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Getreideabkommens sehe. Gleichzeitig haben die Angriffe auf die zivile Schifffahrt, laut The Telegraph, den Betrieb der Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Juzhnyj eingeschränkt.