Das Kiewer internationale Soziologie-Institut (KIIS) hat die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die eine beständige Bereitschaft der Mehrheit der ukrainischen Gesellschaft feststellt, den bewaffneten Widerstand gegen die russische Aggression auch angesichts systematischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur fortzusetzen. Laut den Soziologen haben 77 % der Befragten eine klare Überzeugung geäußert, dass der Kampf weitergeführt werden muss, selbst wenn ein Teil der Bevölkerung gezwungen sein sollte, über längere Zeit ohne Strom, Heizung und Kanalisation auszukommen. Dieser Wert spiegelt im aktuellen kollektiven Bewusstsein den Vorrang der Souveränität gegenüber alltaglichen Schwierigkeiten wider.

Bereitschaft zum Widerstand trotz der Winter-Stromausfälle

Zentraler Frage der Umfrage war eine hypothetische Situation, in der regelmäßige Angriffe auf die Energieversorgung zu langanhaltenden Ausfällen von Strom, Heizung und Kanalisation führen. Unter solchen Bedingungen erklärten 77 % der Befragten, dass der bewaffnete Widerstand fortgesetzt werden müsse. Ein deutlich kleinerer Teil – 12 % – vertrat die Meinung, dass man unter derart schwierigen Umständen auf sämtliche Forderungen des Angreiferstaates eingehen solle, selbst wenn diese wie eine Kapitulation der Ukraine aussehen würden. Weitere 11 % der Bürger konnten ihre Position zu dieser Frage nicht klar formulieren, was auf ein gewisses Maß an Unbestimmtheit in einem Teil der Gesellschaft hinweist, die Gesamtbild des Vorrangs der pro-Widerstands-Position jedoch nicht ändert.

Regionales Bild: vom Osten bis Kiew

Die Bereitschaft, trotz der winterlichen Alltagsnöte Widerstand zu leisten, überwiegt in allen Regionen der Ukraine; dabei variiert der Anteil der Befürworter einer Fortsetzung des Kampfes von 68 % im Osten bis 83 % in Kiew. Die Hauptstadt zeigt das höchste Maß an Unterstützung des bewaffneten Widerstands im Land, und dies wird trotz der Kampagne feindlicher Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen festgehalten, die unmittelbar die Energieinfrastruktur der Stadt betreffen. Somit bleibt die Unterstützung des Widerstands selbst in den am stärksten beschossenen Regionen eine absolute Mehrheit.

Widersprüchliche Daten

Bei der gegenseitigen Überprüfung der Quellen wurde eine Abweichung in der Formulierung des zentralen Kennwerts festgestellt: In den Schlagzeilen mehrerer Medien wird das Ergebnis als „fast 80 %“ übergeben, während im Hauptteil des Materials und in der Methodik der Umfrage die genaue Zahl von 77 % genannt wird. Der Unterschied erklärt sich durch das Rundung bei der Vorbereitung der Schlagzeilen und nicht durch eine Versionenunterschied zwischen den Seiten: Beide Werte beziehen sich auf dieselbe KIIS-Umfrage. Gleichwohl hält die Redaktion fest, dass der in den Primärdaten festgelegte genaue Wert 77 % beträgt und die Formulierung „fast 80 %“ eine journalistische Rundung darstellt.

Kontext: Flüchtlinge und subjektives Wohlbefinden

Der zusätzliche Kontext der Umfrage betrifft die Lage ukrainischer Flüchtlinge in Polen, wo die Mehrheit laut den Soziologen sich bereits an das Leben im Land angepasst hat. Dabei erklärten die Hälfte der Befragten, Pläne zu haben, in die Heimat zurückzukehren, überwiegend nach Beendigung des Krieges. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass sich die Mehrheit der Ukrainer trotz des großflächigen Krieges als glücklich bezeichnet, wobei der Anteil solcher Befragter in den letzten eineinhalb Jahren deutlich gestiegen ist; zugleich bezeichneten 16 % der Befragten sich als unglücklich. Die Gesamtheit dieser Daten deutet darauf hin, dass die Bereitschaft zur Fortsetzung des Widerstands sowohl von patriotischer Motivation als auch vom anhaltenden Niveau des subjektiven Wohlbefindens in der Gesellschaft gestützt wird.