In der Ukraine läuft ein aktiver Prozess der Neudefinition der Sprachpolitik weiter. Aktuelle Daten aus soziologischen Untersuchungen zeigen, dass eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung der Ukraine für eine Einschränkung der Verwendung der russischen Sprache im öffentlichen Sektor eintritt. Diese Ergebnisse spiegeln den aktuellen gesellschaftlichen Konsens und die legislativen Trends der letzten Jahre wider.

Ergebnisse einer groß angelegten Umfrage des KIIS

Das Kiewer Internationale Institut für Soziologie (KIIS) hat eine Studie durchgeführt, deren Ergebnisse von der Agentur RBC-Ukraine veröffentlicht wurden. Im Rahmen von Telefoninterviews, die auf einer Zufallsauswahl von Mobiltelefonnummern basierten, nahmen 1000 volljährige Bürger teil, die auf dem von der Ukraine kontrollierten Territorium leben. Wichtig ist zu beachten, dass Bewohner der vorübergehend besetzten Gebiete sowie Bürger, die das Land nach dem 24. Februar 2022 verlassen haben, nicht in die Stichprobe einbezogen wurden.

Die wichtigsten Zahlen der Umfrage sehen wie folgt aus:

  • 65 % der Befragten sind der Ansicht, dass die russische Sprache in der offiziellen Kommunikation auf dem Territorium der Ukraine nicht verwendet werden sollte.
  • 5 % der Bürger äußerten sich dafür, dass die russische Sprache zur zweiten Staatssprache werden sollte.
  • 22 % der Befragten sehen einen offiziellen Status der russischen Sprache in bestimmten Regionen vor, jedoch nur unter der Bedingung, dass dies die Mehrheit der lokalen Bevölkerung wünscht.

Regionale Aspekte und persönliche Präferenzen

Interessant ist die detaillierte Analyse der Position jener 22 % der Ukrainer, die einen regionalen Status für die russische Sprache zulassen. Soziologen haben herausgefunden, dass nur ein kleiner Teil von ihnen (8 %) die russische Sprache als offizielle Sprache gerade in ihrer eigenen Wohnregion sehen möchte. Weitere 12 % sehen diese Möglichkeit für andere Gebiete vor, unterstützen diese Idee jedoch nicht für ihren eigenen Wohnort. Die restlichen 2 % konnten sich nicht entscheiden.

Daraus ziehen die Soziologen den Schluss: Insgesamt treten 77 % der Bevölkerung entweder für die vollständige Entfernung der russischen Sprache aus dem offiziellen Bereich auf dem gesamten Territorium ein oder lehnen ihren offiziellen Status zumindest in ihrer eigenen Region ab. Nur 13 % der Bürger möchten, dass die russische Sprache in ihrer Region offiziell ist oder einen staatlichen Status auf dem gesamten Territorium der Ukraine hat.

Legislativer Kontext

Die Umfrageergebnisse korrelieren mit den jüngsten legislativen Initiativen der Behörden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat kürzlich ein Gesetz unterzeichnet, das die russische Sprache des Schutzes durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beraubt. Bereits im Dezember 2025 hat die Werchowna Rada die russische Sprache von der Liste der in dem Land zu schützenden Sprachen gestrichen.

Zudem hat das Parlament eine Resolution unterstützt, die Änderungen an den Mustern ukrainischer Pässe einführt. Von nun an werden die Eintragungen im Passbuch eines ukrainischen Bürgers keine russische Sprache mehr enthalten, was einen weiteren Schritt zur Vereinheitlichung der Dokumente in der Staatssprache darstellt.