In Ungarn ist ein beispielloser Fall im politischen Leben eingetreten: Die Gesetzgeber haben einstimmig für eine massive Kürzung ihrer eigenen Einkommen und die Abschaffung einer Reihe von Privilegien gestimmt. Initiator dieser radikalen Maßnahme zur Ersparnis von Haushaltsmitteln ist der neue Ministerpräsident des Landes, Péter Magyar.
Gehälter fallen um 40%
Die Änderungen treten bereits ab dem nächsten Monat in Kraft. Das Grundgehalt eines Parlamentsabgeordneten wird um 40 Prozent gekürzt. Das monatliche Einkommen eines Politikers beträgt nun das Äquivalent von 3690 Euro vor Steuern. Vor dieser Entscheidung überstiegen die Einkommen ungarischer Gesetzgeber den Durchschnittslohn im Land um das Dreifache.
Nicht nur die einfachen Abgeordneten, sondern auch die Spitzenführung – der Ministerpräsident, der Parlamentspräsident und die Ausschussvorsitzenden – waren von der Kürzung betroffen. Darüber hinaus wurde Politikern die Erstattung der Mobilfunkkosten vollständig gestrichen. Zuschläge für die Miete von Dienst- und Wohnräumen sowie Mittel für die Aufrechterhaltung eines persönlichen Personals wurden erheblich reduziert.
Einstimmige Entscheidung
Für die Annahme des Gesetzesentwurfs stimmten 189 von 199 Abgeordneten, was die volle Unterstützung der Initiative belegt. Der Ministerpräsident selbst begründete die Notwendigkeit dieser harten Maßnahmen mit dem Wunsch, Demut gegenüber den Wählern zu zeigen.
Laut Schätzungen der Regierung decken die durch diese Maßnahmen gesparten Mittel die Betriebskosten des Staates für ein ganzes Jahr. Magyar verbindet die Reform direkt mit den Folgen jahrelanger Korruption und kündigte Pläne zur Gehaltskürzung für Bürgermeister an, was jedoch bereits auf lokaler Ebene auf Widerstand stieß.
Kampf gegen das Erbe Orbáns
Das Hauptziel der neuen Regierung ist der Kampf gegen die Veruntreuung staatlicher Mittel. Experten nennen schockierende Schätzungen des Schadens durch systemische Korruption: Während der 16-jährigen Amtszeit des ehemaligen Staatschefs Viktor Orbán verlor das Land etwa 186 Milliarden Euro.
Diplomatischer Durchbruch mit der Ukraine
Parallel zur inneren Reform zeigt Ungarn auch auf außenpolitischer Ebene Aktivität. Die Regierung des Landes gab eine Einigung mit der Ukraine bezüglich der Rechte der ungarischen Minderheit bekannt. Diese Frage, die zuvor die Verhandlungen über den Beitritt Ungarns zur EU blockierte, steht kurz vor der Lösung.
Magyar betonte, dass die ukrainische Regierung zugestimmt habe, die vereinbarten Änderungen in die Gesetzgebung aufzunehmen. Schüler in Klassen mit Unterricht in Sprachen nationaler Minderheiten dürfen ihre Muttersprache nun nicht nur während des Unterrichts, sondern auch in der Freizeit untereinander und mit Lehrern verwenden.
Zudem hat Ungarn die Mittel des Europäischen Friedensfonds freigegeben, die für den Kauf von Luftabwehrsystemen für die Ukraine verwendet werden können. Die Entscheidung über die Verwendung dieser Mittel wurde bereits auf Ebene der europäischen Botschafter abgestimmt.