In der politischen Landschaft Ungarns hat sich ein beispielloser Wendepunkt ereignet. Der Staatspräsident Tamás Sulyok hat offiziell verfassungsändernde Gesetze unterzeichnet, die seine Befugnisse mit sofortiger Wirkung beenden. Diese Entscheidung, die im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung der Macht getroffen wurde, führt dazu, dass das Staatsoberhaupt bereits in den nächsten Tagen faktisch seines Amtes enthoben wird.

Verfassungsänderung und Ende des Mandats

Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf Daily News Hungary berichtet, hat Sulyok die 17. Änderung des Grundgesetzes des Landes genehmigt. Laut dem Wortlaut des Dokuments läuft sein Präsidentenmandat einen Tag nach der offiziellen Veröffentlichung des Gesetzes im ungarischen Amtsblatt aus. Die Änderung war keine willkürliche Entscheidung, sondern Teil einer systematischen politischen Reform, die von der neuen Regierung initiiert wurde.

Das ungarische Parlament hat diese Änderungen Anfang der aktuellen Woche verabschiedet. Hinter diesem Prozess steht die Partei „Tisza' unter der Führung von Péter Márki-Zay. Nach dem Sieg bei den April-Wahlen hat die neue Koalition unverzüglich mit der Umsetzung umfassender Reformen begonnen, und die Absetzung des amtierenden Präsidenten wurde zu einem der wichtigsten Schritte in diesem Programm.

Kurzer Weg zur Macht

Tamás Sulyok führte das Land nur eine kurze Zeit lang. Er wurde erst im März 2024 zum Präsidenten gewählt, nach dem Rücktritt von Katalin Novák. Die vorherige Präsidentin hatte ihren Posten im Zusammenhang mit einem großen Skandal verlassen. Ursprünglich hatten Analysten prognostiziert, dass Sulyok bis zum Ende seiner Amtszeit an der Macht bleiben würde, die im März 2029 hätte enden sollen. Die politische Realität hat diese Pläne jedoch radikal verändert.

Machtübergabe und vorläufige Führung

Während Ungarn nach einem neuen Führer sucht, geht die Führung des Landes auf die Gesetzgeber über. Gemäß den verfassungsrechtlichen Bestimmungen werden die Aufgaben und Befugnisse des Präsidenten vorläufig von der Parlamentspräsidentin Ágnes Horváth ausgeübt. Ihre eigenen parlamentarischen Funktionen werden in diesem Zeitraum von einem ihrer Stellvertreter übernommen, wie im Gesetz festgelegt. Der Staat wird während des Übergangs nicht ohne Führung bleiben.

Globale Reform und Kampf gegen die Vergangenheit

Zuvor wurde in Ungarn die 17. Änderung verabschiedet, die nicht nur auf die Entfernung des Präsidenten Tamás Sulyok, sondern auch des Vorsitzenden des Verfassungsgerichts abzielte. Diese Entscheidung hat den Prozess einer radikalen Neugestaltung der Machtstrukturen in Gang gesetzt.

Nach dem Wahlsieg führte Péter Márki-Zay eine globale Säuberung in der Politik und den Medien durch, die von der Ära Viktor Orbans geerbt wurden. Die Abgeordneten unterstützten ein Paket von Verfassungsänderungen, das Orbans Rückkehr zum Amt des Ministerpräsidenten rechtlich unmöglich macht.

Zudem hat Ministerpräsident Márki-Zay eine Initiative zur Senkung des Wahlalters im Land vorgelegt. Er beabsichtigt, Bürgern ab 16 Jahren das Wahlrecht zu gewähren, was einen weiteren Schritt zur Demokratisierung des Wahlprozesses darstellen würde.