Die neuen Behörden in Ungarn haben eine umfassende Antikorruptionskampagne namens „Reinigendes Feuer“ gestartet, um das von Alt-Premierminister Viktor Orbán geschaffene politisch-korrupte System vollständig zu zerschlagen. Berichten der Financial Times zufolge könnte der Ex-Regierungschef einer der ersten prominenten Beschuldigten sein, gegen die offiziell Anklage erhoben wird. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Orban befinden sich bereits in der Endphase der Vorbereitung.
Der Hintergrund des „Gold-Konvoi“-Skandals
Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Aufsehen erregender Vorfall vom März dieses Jahres. Damals hatte Ungarns Antizähmungseinheit (TEK) gewaltsam gepanzerte Fahrzeuge der ukrainischen Oschadbank gestoppt, die Bargeld und neun Kilogramm Gold aus Österreich nach Kiew transportierten. Viktor Orbán warf der Ukraine öffentlich vor, heimlich die ungarische Opposition zu finanzieren; jedoch wurden die Geldtransporteure bereits am nächsten Tag freigelassen und die beschlagnahmten Werte der Ukraine nach Orbans Wahlniederlage zurückgegeben.
Beweise und Zeugenaussagen
Die Ermittlungsbehörden stützen sich auf eine solide Beweisbasis, darunter Aussagen des ehemaligen Staatsanwalts Pál Fürcht, der die Fälle im März leitete. Seinen Angaben zufolge hat Viktor Orbán den Geheimdiensten persönlich befohlen, die ukrainischen Kuriere festzunehmen. Dies wird auch durch einen Bericht der Staatsanwaltschaft vom Juni sowie durch Äußerungen des TEK-Chefs János Hajdu gestützt, der bereits wegen illegaler Freiheitsberaubung und Amtsmissbrauchs angeklagt wurde.
Politischer Kontext und Reaktion der neuen Führung
Der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar bezeichnete das frühere Kabinett von Orban als politische und wirtschaftliche Mafia und betonte die Notwendigkeit einer kompromisslosen Fortsetzung der Antikorruptionsermittlungen. Neben dem Fall der Geldtransporteure untersuchen die Strafverfolgungsbehörden auch das Umfeld des Ex-Premiers, darunter den ehemaligen Zentralbankchef György Matolcsy und dessen Verwandte, die in Finanzverstöße verwickelt sind.