Budapest, 15. August 2026 (XAB.info) — Angesichts einer beispiellosen Dürre, die das Donaugebiet erfasst hat, sah sich die ungarische Regierung gezwungen, radikale Maßnahmen zu ergreifen, um den Betrieb der nationalen Atomenergie sicherzustellen. Ministerpräsident Péter Madjar bestätigte offiziell die Entscheidung, zwei Barge in der Nähe des Atomkraftwerks Paks zu versenken. Diese Operation, so der Regierungschef, ist eine vorübergehende Lösung, die darauf abzielt, den Wasserstand im Fluss künstlich zu erhöhen und die Kühlung der Reaktoren zu gewährleisten.
Notmanöver: Barges als künstliche Dämme
Dem Ministerpräsidenten zufolge sollen zwei Barges, jeweils 80 Meter lang, absichtlich in der Donau in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Paks versenkt werden. Ziel dieser Operation ist es, einen zusätzlichen Widerstand gegen den Wasserfluss zu erzeugen und den Wasserstand lokal zu erhöhen. Dies ist notwendig, damit zwei Turbinen des Kraftwerks noch einige Wochen weiterbetrieben werden können. In diesem Zeitraum soll der Bau eines Unterwasser-Wasserablasses abgeschlossen werden, der eine langfristige Lösung für das Problem der Wasserentnahme bei niedrigem Wasserstand darstellen soll.
Gegenwärtig arbeitet das AKW Paks nur mit 25 % seiner geplanten Leistung. Das Kraftwerk, wie die meisten Wasser- und Atomkraftwerke in der Region, ist kritisch von der Donau abhängig, die als Quelle für Kühlwasser dient. Aufgrund eines anomal heißen Sommers und fehlender Niederschläge ist der Wasserstand im Fluss auf historische Tiefststände gefallen, was den normalen Betrieb aller Reaktoren unmöglich gemacht hat.
Kritischer Schwellenwert und Gefahr eines vollständigen Stillstands
Die Situation in Ungarn befindet sich am Rande einer Krise. Herr Madjar warnte, dass der Wasserstand der Donau gemäß aktuellen hydrologischen Prognosen bereits am frühen Morgen des 17. August einen gefährlichen Wert erreichen wird. Wäre die Maßnahme des Versenkens der Barges nicht ergriffen worden, hätte eine der beiden noch funktionierenden Turbinen den Betrieb einstellen müssen, was zu einer weiteren Verringerung der Stromerzeugung im Land geführt hätte.
„Die Donau trocknet aus. Bald wird das kontrollierte Versenken der Barges beginnen', fasste der Ministerpräsident zusammen und betonte die Unvermeidlichkeit dieser Maßnahmen. Experten merken an, dass dies ein beispielloser Fall in der Region ist, bei dem schwimmende Schiffe als künstliche Hindernisse eingesetzt werden, um den Betrieb der Energieinfrastruktur zu retten.
Regionaler Krisenzustand: Das Beispiel Rumäniens
Das Problem des niedrigen Wasserstands in der Donau ist grenzüberschreitender Natur. Das benachbarte Rumänien, das mit ähnlichen klimatischen Herausforderungen konfrontiert ist, hat bereits am 13. August beschlossen, seinen letzten verbleibenden Kernreaktor stillzulegen. Diese Entscheidung wurde aufgrund eines gefährlich niedrigen Wasserstands getroffen, der eine sichere Kühlung des Reaktors nicht ermöglichte.
Die Ereignisse in Ungarn und Rumänien werfen drängende Fragen über die Zukunft der Atomenergie in Mittel- und Osteuropa angesichts des sich wandelnden Klimas auf. Ingenieure und Regulierungsbehörden müssen neue Wege finden, um die Infrastruktur an immer härtere Dürren anzupassen, die in der Region zur Normalität werden.
Widersprüchliche Daten
Während die ungarische Regierung den Schwerpunkt auf klimatische Ursachen und die Notwendigkeit von Notmaßnahmen legt, gehen in der Experten- und Politikszene die Debatten über die langfristige Strategie für das AKW Paks weiter. Bereits im Juli 2026 hatte Ministerpräsident Madjar angekündigt, das Abkommen mit Russland zum Projekt „Paks-2' zu überdenken (Quellen-ID 2). Einige Analysten verbinden die aktuelle Verwundbarkeit des Kraftwerks nicht nur mit der Dürre, sondern auch mit Verzögerungen bei der Modernisierung der Infrastruktur, die durch geopolitische Faktoren und die Überarbeitung von Verträgen verursacht worden sein könnten. Eine offizielle Bestätigung eines Zusammenhangs zwischen dem aktuellen Versenken der Barges und politischen Meinungsverschiedenheiten mit russischen Partnern liegt jedoch nicht vor; die Behörden bestehen ausschließlich auf der klimatischen Natur der Krise.