Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) der Vereinten Nationen hat beschlossen, die Operation zur Evakuierung von Schiffen aus dem Bereich des Ormus-Sunds vorübergehend auszusetzen. Grund für die dringende Pause war ein Angriff auf ein Frachtschiff im Omanischen Golf, der die Sicherheit des Seewegs in Frage stellt und die Möglichkeit weiterer Navigation gefährdet.
Evakuierung in Gefahr
Das Programm zur Begleitung von Schiffen wurde am 23. Juni gestartet. Die Initiative sollte Hunderten von Schiffen und Tausenden von Seeleuten helfen, die aufgrund von Kampfhandlungen in der Region blockiert waren. Für eine sichere Passage wurden zwei Routen festgelegt: durch iranische Gewässer und durch omanische Gewässer. Die letzte Option wurde von den USA unterstützt.
Zum Zeitpunkt der Ankündigung der Aussetzung der Arbeit der Seeschifffahrtsorganisation hatten 57 Schiffe das Programm in Anspruch genommen. An Bord dieser Schiffe befanden sich rund 1100 Seeleute, die es geschafft hatten, die Gefahrenzone zu verlassen.
Ursachen und Folgen des Vorfalls
Der Generalsekretär der IMO, Arsenio Dominguez, erklärte, dass eine Pause notwendig sei, um die Sicherheitsgarantien nach dem letzten Vorfall zu bewerten. Nach vorläufigen Berichten war das angegriffene Schiff nicht an der offiziellen Evakuierungsinitiative beteiligt, doch die Tatsache des Angriffs allein war ein Alarmzeichen.
Dem Nachrichtenagentur Reuters zufolge wurde das Schiff nach einem Treffer vor der Küste Omans beschädigt. Dieser Vorfall war ein neuer Schlag gegen die fragilen Vereinbarungen zur Sicherheit der Schifffahrt im Ormus-Sund. US-Beamte vermuten, dass der Iran am Angriff beteiligt sein könnte, obwohl diese Version bisher nicht offiziell bestätigt wurde.
Geopolitischer Kontext
Der Ormus-Sund bleibt einer der wichtigsten Seewege der Welt, durch den ein erheblicher Teil des weltweiten Erdölexportes fließt. Nach der teilweisen Wiederherstellung des Schiffsverkehrs begann der Verkehr in der Region wieder zu wachsen, doch der letzte Angriff hat die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Navigation erneut verschärft.
Die Lage in der Region bleibt angespannt vor dem Hintergrund diplomatischer Prozesse. Der Iran schloss den Ormus-Sund wenige Tage nach dem Abschluss eines Friedensabkommens mit den USA im Juni. In der Nacht zum 18. Juni unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Rahmenabkommen mit dem Iran, das vorläufige Friedensvereinbarungen vorsieht. Die Arbeit an den Details geht jedoch weiter, und besonders heikel bleibt die Frage des iranischen Atomprogramms.