An der Kontaktlinie haben ukrainische Einheiten das Auftreten einer neuen Waffengattung des Gegners registriert. Es handelt sich um eine kostengünstige Raketen-Drohne, die trotz ihrer einfachen Konstruktion eine hohe Geschwindigkeit aufweist und, was von kritischer Bedeutung ist, in der Lage ist, moderne Systeme der elektronischen Kriegsführung (EW) zu umgehen.

Die Informationen wurden von Serhij Beskrestnov, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers und bekannter Drohnenexperte, bestätigt, der in Fachkreisen unter dem Spitznamen „Flash“ bekannt ist. Nach seinen Angaben basiert das Konzept der neuen russischen UAV auf einer Kombination aus verfügbaren Komponenten und unkonventionellen technischen Lösungen, was sie für die Verteidigung extrem gefährlich macht.

Technologischer Durchbruch oder List?

Das Hauptmerkmal des neuen Geräts liegt in der Wahl der Frequenz für die Videoübertragung. Die meisten kommerziellen und serienmäßigen militärischen FPV-Drohnen arbeiten auf standardmäßigen „zivilen“ Frequenzen: Analoges Video wird auf 5,8 GHz übertragen, während die Steuerung über 2,4 GHz oder 915 MHz erfolgt. Da diese Bänder gut erforscht sind, sind stationäre und Graben-EW-Systeme speziell auf deren Unterdrückung ausgelegt.

Allerdings nutzt die neue Raketen-Drohne die analoge Frequenz von 3,3 GHz. Dies erzeugt ein sogenanntes „Effizienzfenster": Herkömmliche Störsender sehen dieses Signal einfach nicht oder können es nicht blockieren, da ihre Antennen und Störgeräte für andere Wellen ausgelegt sind. Solange die ukrainische Seite ihre EW-Mittel nicht an diesen Frequenzbereich anpasst, bleibt die Drohne praktisch immun gegen elektronische Gegenmaßnahmen.

Zudem weisen Wellen mit einer Frequenz von 3,3 GHz im Vergleich zu den Standard-5,8-GHz-Wellen bessere Durchdringungseigenschaften auf. Sie dringen deutlich effektiver durch Baumkronen, Büsche, leichte Deckungen und Wände. Dies gewährleistet eine stabile Verbindung auch bei Flügen in geringer Höhe, was für FPV-Kamikaze-Drohnen im letzten Abschnitt der Flugbahn von kritischer Bedeutung ist. Bei gleicher Senderleistung hat das Signal auf 3,3 GHz zudem eine größere Reichweite.

Geschwindigkeit und fehlende Latenz

Die Verwendung eines analogen Videosignals anstelle eines digitalen (wie beispielsweise bei DJI-Drohnen) hat unter Kampfbedingungen ihre Vorteile. Das digitale Signal bietet zwar eine hohe Bildqualität, verursacht jedoch Verzögerungen bei der Datenübertragung. Das analoge Signal wird praktisch verzögerungsfrei übertragen, was es dem Piloten ermöglicht, die Drohne mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h zu steuern, ohne an Reaktionsfähigkeit zu verlieren.

Laut Angaben von Serhij „Flash“ sind die technischen Spezifikationen der neuen UAV beeindruckend:

  • Flugreichweite: bis zu 100 Kilometer (derzeit wurden Angriffe in einer Entfernung von 30–40 km von der Frontlinie registriert).
  • Kreuzgeschwindigkeit: 260 km/h.
  • Maximale Geschwindigkeit: bis zu 300 km/h.
  • Kampflast: etwa 4–5 kg Sprengstoff.

Der Experte stellt fest, dass die russischen Besatzer versuchen, diese Drohne als Gegenmaßnahme gegen Flugabwehr-Drohnen und kleine Hubschrauber einzusetzen. Derzeit sucht das ukrainische Verteidigungsministerium nach Möglichkeiten, ein komplettes Beutestück zu beschlagnahmen, um dessen Konstruktion detailliert zu untersuchen und die Funktionsprinzipien zu verstehen.