Im ukrainischen Verteidigungsministerium wurde die Entscheidung getroffen, eine umfassende Überprüfung der Tätigkeit der territorialen Rekrutierungszentren (TCK) in den Oblasten Nikolajew und Odessa durchzuführen. Die Initiative wurde vor dem Hintergrund von weitreichenden Beschwerden von Abgeordneten der Werchowna Rada und Berichten über Menschenrechtsverletzungen während der Mobilisierungsmaßnahmen eingeleitet.
Die offizielle Erklärung gab der stellvertretende Verteidigungsminister Wasylyj Schkuraikow während der „Fragestunde der Regierung“ im Parlament ab. Nach seinen Worten wird die Überprüfung umfassend sein und die Arbeit beider Behörden betreffen.
Skandal um Handys und Korruptionsrisiken
Anlass für die harte Reaktion der Beamten waren Fragen des Abgeordneten Anton Jazenko aus der Fraktion „Für die Zukunft“. Der Politiker machte auf systemische Probleme in der Arbeit der Wehrämter aufmerksam, insbesondere auf die Praxis des Entziehens von Mobiltelefonen an Bürger, die zu den Einberufungskommissionen kommen, sowie auf Fälle der Erniedrigung der menschlichen Würde.
„Das ist inakzeptabel. Wir untersuchen alle Fälle des Entziehens von Handys oder der Erniedrigung der Würde direkt“, betonte Schkuraikow und räumte ein, dass solche Handlungen eine Verletzung der gesetzlichen Rechte der Menschen darstellen.
Zudem brachte der Abgeordnete die Frage der personellen Integrität in den TCK auf. Jazenko wies auf Fälle der Einstellung ehemaliger Polizisten hin, die zuvor wegen Korruptionsdelikten oder wegen grausamen Umgangs entlassen wurden. Als Beispiel führte er die Situation im TCK von Uman an.
Reaktion der Behörden und personelle Umstrukturierungen
Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass das Problem mit dem Rekrutierungszentrum Uman bereits gelöst wird. Der Leiter dieses TCK, Nekrasow, wurde auf eine andere Stelle versetzt. Die Arbeit zur Beseitigung der Probleme in dieser Region geht jedoch weiter.
Um die Reaktion auf Beschwerden zu beschleunigen, führt die Behörde neue Erfassungsmechanismen ein. Eingaben von Volksabgeordneten und öffentlichen Organisationen werden nun in separaten Registern festgehalten, was eine schnellere Reaktion auf Hinweise auf Verstöße ermöglichen soll.
Kontext: Reform und andere Skandale
Wasylyj Schkuraikow fügte hinzu, dass in naher Zukunft auf einer Regierungssitzung die Reform der territorialen Rekrutierungszentren vorgestellt werden wird. Dies zeugt davon, dass die Behörde zu systemischen Änderungen in der Arbeit der Einberufungsstelle bereit ist.
Die Überprüfungen der TCK finden vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von spektakulären Vorfällen statt, die mit der Mobilisierung und dem Dienst in den Streitkräften der Ukraine verbunden sind:
- Fall des Alleinerziehenden Vaters: Kürzlich sorgte die Geschichte der Einberufung eines Mannes, der eine fünfjährige Tochter allein aufzieht, für große Resonanz. Die Mitarbeiter des TCK verweigerten ihm die Aussetzung und erklärten, es gebe Anzeichen einer Fälschung des gerichtlichen Bescheids, den er zur Befreiung vom Dienst vorgelegt hatte.
- Skandal im Bataillon „Skala“: Ein weiterer Grund für harte Maßnahmen war die Untersuchung im 425. separaten Sturmregiment „Skala“. Nach Berichten über den Tod von Rekruten und möglichen Folterungen eröffnete das Detektivbüro (DBR) ein Strafverfahren, und der Kommandeur des Regiments wurde von seinem Amt suspendiert.
Die Gesamtheit dieser Fakten deutet darauf hin, dass die ukrainische Führung gezwungen ist, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um das Vertrauen in das Mobilisierungssystem wiederherzustellen und die Rechte der Bürger in Kriegszeiten zu gewährleisten.