Laut einem Bericht der Washington Post, auf den sich RBC-Ukraine bezieht, sind die US-Geheimdienste zu dem Schluss gekommen, dass die langandauernde Militäroffensive gegen den Iran die Position Washingtons spürbar geschwächt hat. Vor diesem Hintergrund übermittelte CIA-Direktor John Ratcliffe während seines Besuchs in Moskau der russischen Führung eine Warnung vor einer weiteren wesentlichen Eskalation gegen die Ukraine.

Beurteilung des Kremls: Washington ist erschöpft

Den Angaben der Zeitung zufolge gingen der Reise Ratcliffes in die russische Hauptstadt neue Geheimdienstinformationen über die Einschätzung der strategischen Lage der USA im Kreml voraus. Dem russischen Führungspersonal zufolge, so die Information, hält man den Krieg gegen den Iran für einen Faktor, der einen Teil der Möglichkeiten Washingtons aufgebraucht hat, und Moskau könnte dies als Chance werten, den Druck auf die amerikanischen Interessen und auf die US-Verbündeten in Europa zu erhöhen. Die Informanten der Zeitung gaben jedoch nicht preis, auf welche Weise diese Informationen gewonnen wurden und inwieweit die Analysten von ihrer Zuverlässigkeit überzeugt sind.

Die Warnung Ratcliffes an Moskau

Die Details der Gespräche des CIA-Direktors mit der russischen Führung bleiben streng geheim. Ein Informant der Washington Post berichtete jedoch, dass Ratcliffe Moskau gewarnt habe: Eine weitere wesentliche Intensivierung des Krieges gegen die Ukraine könnte sich für Russland selbst negativ auswirken. Laut dem Informanten ging es bei dem Besuch nicht nur um die Bewertung der Lage der russischen Truppen, die es nicht geschafft hatten, einen Wendepunkt an der Front zu erzwingen, sondern auch darum, dass Moskau die USA vermutlich als durch die langandauernde Offensive erschöpft und nicht in der Lage zu aktiver Intervention wahrnimmt. Ratcliffe ließ zudem durchblicken, dass eine großangelegte Eskalation die Position von Präsident Donald Trump verändern und ihn zu einer aktiveren Unterstützung Wolodymyr Selenskyjs bewegen könnte.

Geheimhaltung des Besuchs auf Anordnung Trumps

Wie die Informanten erinnern, fand Ratcliffes Besuch in Moskau diese Woche auf persönliche Anordnung des US-Präsidenten unter erhöhter Geheimhaltung statt. Den Informanten zufolge hat der Herr des Weißen Hauses die Details der Reise nicht einmal einem Teil seiner engsten Berater und Vertretern der Militärführung offengelegt. Die Geheimdienstbeurteilung, die der Grundlage der Gespräche diente, entstand vor dem Hintergrund von Berichten über einen Rückgang der Kampfbereitschaft der US-Truppen und einen Mangel an Munition infolge der langandauernden Offensive gegen den Iran.

Widersprüchliche Daten

Hier gehen die Versionen der Beteiligten auseinander. Auf der einen Seite deutet die Geheimdienstbeurteilung, über die die Washington Post berichtet, auf einen echten Mangel an Munition und einen Rückgang der Kampfbereitschaft der US-Streitkräfte nach der iranischen Offensive hin. Auf der anderen Seite leugnen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und andere Vertreter der Regierung öffentlich das Vorhandensein eines ernsthaften Mangels, während sie gleichzeitig von den Rüstungsproduzenten eine Beschleunigung der Fertigung fordern. Außerdem haben die Informanten der Zeitung die Methodik der Gewinnung von Informationen über die Stimmung im Kreml und das Maß an Vertrauen in deren Zuverlässigkeit nicht offengelegt, was Raum für Zweifel an der Genauigkeit dieser Beurteilung lässt.

Kontext und mögliche Folgen

Die Kombination aus zwei Faktoren – der Wahrnehmung der USA durch Moskau als geschwächt und der direkten Warnung Ratcliffes – bildet eine neue Runde der informellen Diplomatie vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine. Wenn die russische Führung die iranische Offensive tatsächlich als Signal der Verwundbarkeit Washingtons interpretiert, könnte dies Versuche anregen, den Druck auf die europäischen Hauptstädte und auf die US-Verbündeten zu erhöhen. Gleichzeitig dient das Argument der CIA, dass eine Eskalation die Position Trumps zugunsten Selenskyjs verändern könnte, als hemmender Faktor. Die Ergebnisse der streng geheimen Gespräche werden vorerst nicht offengelegt.