Am 13. August 2026 kündigte die Nationale Vereinigung der Versicherungsbeauftragten der USA (NAIC) die Fortsetzung des Pilotprojekts AI Risk Evaluation Supplement an – eines Dokuments, das darauf abzielt, den Ansatz zur Überprüfung der Nutzung von künstlicher Intelligenz in Versicherungsunternehmen zu vereinheitlichen. Der Pilot wird bis September laufen, wonach die Regulatoren eine aktualisierte Version des Dokuments der öffentlichen Diskussion vorlegen planen. Dieses Ereignis stellt einen Schlüsselmeilenstein bei der Schaffung einheitlicher Aufsichtsstandards für KI in einer der konservativsten Branchen der US-Wirtschaft dar.
Zwölf Bundesstaaten an der Spitze der digitalen Aufsicht
Am aktuellen Pilotprojekt nehmen Aufsichtsbehörden aus 12 Bundesstaaten teil: Kalifornien, Colorado, Connecticut, Florida, Iowa, Louisiana, Maryland, Pennsylvania, Rhode Island, Vermont, Virginia und Wisconsin. Wichtig ist, dass die Anwendung des Dokuments variiert: Einige Bundesstaaten haben es in die geplanten Prüfungen integriert, andere nutzen es als einmaligen Fragebogen. Dieser flexible Ansatz ermöglicht es den Regulatoren, das Instrument an die Spezifika des lokalen Marktes und die Reife der Versicherungsunternehmen in der Region anzupassen.
Was genau geprüft wird: Von Modellregistern bis hin zur Auswirkung auf Verbraucher
Die aktuelle Version des Supplements verlangt von Versicherern eine detaillierte Beschreibung der KI-Nutzung in mehreren Schlüsselbereichen. Unternehmen müssen Informationen über das Modellmanagementsystem, Validierungs- und Testverfahren bereitstellen sowie Modelle mit erhöhtem Risiko identifizieren. Besonderes Augenmerk wird auf Datenquellen, Überwachungsmethoden und die Kontrolle externer KI-Lieferanten gelegt. Darüber hinaus fordern die Regulatoren Daten zur Auswirkung der Algorithmen auf Verbraucher und zu bestehenden Schutzmaßnahmen an.
Der Weg zur Version 7.0: Von öffentlichen Diskussionen bis zur nationalen Sitzung
Die Pilotphase dient als Grundlage für die Entwicklung der Version 5.0 des Dokuments, die im September für eine 30-tägige öffentliche Diskussion veröffentlicht werden soll. Dies wird von einer weiteren, 14-tägigen Diskussionsphase zur Version 6.0 gefolgt sein. Die endgültige Version 7.0 wird auf der Herbsttagung der NAIC behandelt. Experten warnen jedoch, dass die Fristen für die Abschlussprüfungen in den verschiedenen Bundesstaaten variieren können und der Abschluss aller Pilotprüfungen bis zum 30. September nicht garantiert ist.
Neue Anforderungen an Teams zur Entwicklung von ML-Systemen
Für Teams, die maschinelles Lernen in der Versicherungsbranche entwickeln, bedeutet dies eine erhebliche Verschärfung der Anforderungen an die Nachweisbasis. Den Regulatoren können nun aktuelle Modellregister, Informationen zu Eigentümern und Genehmigungen, Validierungsergebnisse, Datenherkunft, Überwachungshistorie und vollständige Dokumentation externer Systeme erforderlich sein. Dies schafft die Notwendigkeit einer strengeren internen Disziplin und Transparenz der Entwicklungsprozesse.
Widersprüchliche Daten
Obwohl die NAIC das Supplement als Instrument zur Vereinheitlichung der Ansätze positioniert, zeigt die Praxis eine Uneinheitlichkeit in seiner Anwendung. Während einige Bundesstaaten das Dokument in obligatorische geplante Prüfungen einbeziehen, nutzen andere es lediglich als empfehlenden Fragebogen. Dies birgt das Risiko einer Fragmentierung der Regulierung: Unternehmen, die in mehreren Bundesstaaten tätig sind, könnten mit unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert werden, was ihre Geschäftstätigkeit erschwert und die Compliance-Kosten erhöht.
Warum dies für die gesamte Branche wichtig ist
Obwohl das Supplement derzeit noch ein Projekt im Rahmen eines Piloten und einer öffentlichen Diskussion bleibt, zeigt sein Update im August, wie sich ein einheitlicher Ansatz der US-Regulatoren zur KI-Prüfung in der Versicherungswirtschaft entwickeln könnte. Für die Branche ist dies ein Signal dafür, dass die Ära der „wilden' KI-Einführung zu Ende geht und ihr eine Ära strenger Regulierung, Transparenz und Rechenschaftspflicht folgt. Unternehmen, die sich früher als andere an diese Anforderungen anpassen können, werden einen Wettbewerbsvorteil unter dem wachsenden Druck der Regulatoren erlangen.