Washington hat Präsident Wladimir Putin ein offizielles Einladungsschreiben zum Gipfel der „Gruppe der Zwanzig“ (G20) übermittelt, der am 14.–15. Dezember 2026 in Miami, Bundesstaat Florida, stattfinden wird. Dies erklärte US-Außenminister Marco Rubio in einer Sendung des amerikanischen Fernsehsenders One America News, wie RBC-Ukraine berichtet. Laut Rubio hofft Washington, dass der russische Präsident die Einladung annimmt und persönlich am Treffen der Staats- und Regierungschefs der G20-Mitgliedstaaten teilnimmt. Dabei betont das Weiße Haus, dass eine Teilnahme Putins am Gipfel die Möglichkeit für ein bilaterales Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump eröffnen würde.
Reaktion des Kremls: „Wir begrüßen es“, aber die Entscheidung wird noch geprüft
Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, kommentierte die Einladung in charakteristischer diplomatischer Manier. Laut seinen Worten „begrüßt“ der Kreml die erhaltene Einladung, jedoch werde die endgültige Entscheidung über eine Reise Putins nach Miami nach entsprechender interner Prüfung innerhalb der russischen Führung getroffen. Die Formulierung „wir werden es prüfen“ ist weder eine Bestätigung noch eine Ablehnung – es handelt sich um ein Standardverfahren, das Moskau Spielraum für Manöver lässt. Somit ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die Teilnahme Putins am G20-Gipfel weder bestätigt noch ausgeschlossen.
Kontext: vom APEC-Gipfel in China zum G20 in Florida
Bevor die Einladung zum G20 bekannt gegeben wurde, bewerteten Analysten und Medien die Wahrscheinlichkeit einer Anwesenheit Putins in Miami als äußerst gering. So berichtete Bloomberg zuvor, dass der russische Präsident plane, am 18.–19. November 2026 am APEC-Gipfel in China teilzunehmen, während seine Reise nach Florida als unwahrscheinlich galt. Die Änderung des Tons in Washington – vom Schweigen zur öffentlichen Einladung – zeigt, dass die Trump-Regierung den G20 als Plattform für einen möglichen direkten Dialog mit Moskau vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Spannungen betrachtet.
Position Kiews: Selenskyj bereit zu einem Treffen „am Rande“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor öffentlich erklärt, bereit zu sein, sich mit Putin am Rande des G20-Gipfels in Miami zu treffen. Falls beide Führer am 14.–15. Dezember gleichzeitig in Miami anwesend sind, würde dies einen Präzedenzfall für einen direkten Kontakt schaffen, der auf höchster Ebene seit Beginn des großangelegten Konflikts nicht mehr stattfand. Dabei könnte in der Teilnehmerliste des G20-Gipfels neben Putin und Trump auch Selenskyj auftauchen, was die Veranstaltung zu einer mehrdimensionalen diplomatischen Plattform machen würde.
Widersprüchliche Daten
In öffentlichen Quellen werden eine Reihe von Unstimmigkeiten und Unterschieden in den Bewertungen festgestellt. Erstens charakterisierte Bloomberg noch vor dem Gipfel die Teilnahme Putins am G20 als „unwahrscheinlich“, während die Erklärung Rubios bei One America News faktisch feststellt, dass die Einladung bereits übermittelt wurde und Washington auf eine positive Antwort hofft. Zweitens ist die Formulierung Peskows – „der Kreml begrüßt“ und „wird prüfen“ – nicht gleichbedeutend mit einer Bestätigung der Teilnahme: Es handelt sich um eine diplomatische Verzögerung, die sowohl einer Zustimmung vorausgehen als auch eine höfliche Ablehnung darstellen kann. Drittens verschiebt sich der Schwerpunkt in verschiedenen Medien (RBC-Ukraine, NV, APA, BFM): Ukrainische Quellen betonen die Möglichkeit eines Treffens zwischen Selenskyj und Putin, russische Quellen betonen das „Prüfen“ und „Begrüßen“ ohne konkrete Angaben zu Datum und Format. Ein einheitlich bestätigtes Datum, auf das Putin seine Reise bereits festgelegt hätte, existiert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht.
Was das für die Diplomatie bedeutet
Die Übermittlung einer offiziellen Einladung zum G20 ist das erste öffentliche Signal der Trump-Regierung, bereit zu sein, einen formellen Kontakt mit Moskau auf einer multilateralen Plattform zu suchen. Selbst wenn Putin am Ende nicht anreist, ändert der bloße Umstand der Einladung den informationspolitischen Hintergrund: Sie zeigt, dass Washington Putin aus dem internationalen Dialog auf „Zwanziger“-Ebene nicht ausschließt. Für Kiew bleibt die entscheidende Frage, ob das G20-Format genutzt werden kann, um ein bilaterales Treffen zwischen Selenskyj und Putin zu organisieren, das, wie der ukrainische Präsident sagte, „am Rande“ des Gipfels möglich ist. Das Ergebnis wird in den kommenden Wochen bekannt werden, wenn der Kreml die interne Prüfung der Einladung abgeschlossen hat.