Das US-Außenministerium hat eine offizielle Empfehlung veröffentlicht, in der es amerikanische Bürger auffordert, während der Feiertage des jährlichen jüdischen Festes Risch ha-Schana von Reisen nach Umanj (Oblast Tscherkassy, Ukraine) abzusehen. Dies berichtete die Zeitung RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Erklärung der US-Botschaft in der Ukraine. Das vom diplomatischen Vertretungsbüro verbreitete Dokument enthält eine direkte Warnung vor erhöhten Risiken für das Leben und die Gesundheit ausländischer Pilger, die traditionell zum Grab des chassidischen Führers Rebe Nachman aus Brisk-Litowsk in die Stadt strömen.
Militärschläge gegen Infrastruktur und religiöse Stätten
Zur Begründung seiner Position weist die US-Botschaft darauf hin, dass die russischen Streitkräfte seit Beginn des großangelegten Krieges Luftangriffe auf zivile Gebäude und kritische Infrastruktur auf dem gesamten ukrainischen Territorium führen. Die Diplomaten betonen, dass Umanj keine Ausnahme darstellt: In der Stadt wurden Schäden festgestellt, einschließlich Schläge in unmittelbarer Nähe von Orten religiöser Anbetung. Genau dieser Faktor macht das Verweilen der Pilger in der Stadt aus Sicht der amerikanischen Seite unsicher, insbesondere während der Massenansammlung von Menschen.
Mangel an Bunkern und Geltung des Kriegsrechts
Als eigenen Punkt der Warnung nennt die US-Botschaft die unzureichende Infrastruktur des zivilen Schutzes in Umanj. Laut Angaben der lokalen Behörden, die von den amerikanischen Diplomaten zitiert werden, fehlen in der Stadt Bunker, die während der Pilgerzeit alle erwarteten Reisenden aufnehmen könnten. Darüber hinaus gilt in der Ukraine weiterhin das Kriegsrecht, das eine Ausgangssperre und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Bürger vorsieht. Alle diese Maßnahmen werden ausländische Pilger unmittelbar betreffen und ihre Bewegungsfreiheit an den Feiertagen einschränken, so die Erklärung.
Daten von Risch ha-Schana 2026 und Empfehlungen für jene, die dennoch fahren wollen
Im Dokument des Außenministeriums wird die Chronologie des Festes präzisiert: Risch ha-Schana 2026 beginnt am Freitagabend, dem 11. September, und endet am Sonntagabend, dem 13. September. Für jene amerikanischen Bürger, die trotz der offiziellen Empfehlung dennoch beschließen, die Ukraine zu besuchen, hat die Botschaft eine Liste zusätzlicher Vorsichtsmaßnahmen vorbereitet. So werden die Pilger beispielsweise dazu geraten, sich im System für Reisebenachrichtigungen zu registrieren, auf lokale Warnungen vor Luftalarm zu achten und alternative Evakuierungspläne bereitzuhalten.
Besonderes Einreiseregime und Warnungen des ukrainischen Außenministeriums
Parallel zur amerikanischen Warnung führen die ukrainischen Behörden ebenfalls zusätzliche Einschränkungen ein. Wie RBC-Ukraine zuvor berichtete, gilt in Umanj während der Feiertage von Risch ha-Schana ein besonderes Regime für Einreise, Ausreise und Bewegung. Im Mikrobereich der Pilgerstätte sind eine Reihe von Verbotsmaßnahmen geplant, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung dienen. Das ukrainische Außenministerium hat seinerseits die nach Umanj reisenden Chassiden mit einer offiziellen Warnung vor militärischen Risiken konfrontiert und ausdrücklich erklärt, dass es unter den Bedingungen des anhaltenden Konflikts die vollständige Sicherheit ausländischer Pilger nicht garantieren kann.
Widersprüchliche Daten
In den Erklärungen der beteiligten Seiten ist eine gewisse Diskrepanz in den Signalen zu erkennen, die potenzielle Pilger erhalten. Einerseits formuliert das US-Außenministerium seine Empfehlung als eindeutiges „nicht fahren“, und die Botschaft betont, dass die Risiken die Reise unvernünftig machen. Andererseits hebt die ukrainische Seite die Pilgerfahrt selbst nicht auf, sondern führt lediglich ein besonderes Regime ein und warnt vor Risiken, was faktisch anerkennt, dass das Fest stattfinden wird und die Stadt Gäste empfangen wird. Für einen amerikanischen Bürger, der eine Reise plant, ergibt sich somit eine Situation, in der die offizielle Position seiner Regierung der Logik der lokalen Veranstaltung widerspricht: Die Pilgerfahrt wird fortgesetzt, mit dem Vorbehalt, dass der Staat keine Sicherheitsgarantie übernimmt. Die Unterschiede in der Formulierung – „nicht empfohlen“ auf amerikanischer Seite und „wir warnen vor Risiken“ auf ukrainischer Seite – können über den Grad der Gefahr in die Irre führen.