Im Septemberbericht hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) die Bilanz des ukrainischen Getreidemarkts für das Marketingjahr 2026/27 revidiert. Die wichtigste Änderung betrifft Weizen: Die Schätzung der Produktion wurde um 0,6 Mio. Tonnen auf 26 Mio. Tonnen angehoben, was das Ministerium mit der Rekordernte der aktuellen Saison begründet. Gleichzeitig wurde die Exportprognose für Weizen gesenkt: Wo das USDA im August noch Lieferungen an ausländische Märkte in Höhe von 13,5 Mio. Tonnen erwartete, liegt die Schätzung nun bei 12,5 Mio. Tonnen, also eine Million Tonnen weniger. Damit hat das Ministerium ein paradoxes Bild festgehalten — mehr Getreide wurde geerntet, aber weniger wird exportiert.
Rekordernte bei schrumpfendem Export
Auch die Struktur der inneren Verwendung von Weizen hat sich verändert. Das USDA hat die Prognose für den Inlandsverbrauch um 0,3 Mio. Tonnen auf 9,5 Mio. Tonnen erhöht und die erwarteten Endbestände um 1,3 Mio. Tonnen auf 6,1 Mio. Tonnen nach oben revidiert. Insgesamt bedeutet dies, dass ein erheblicher Teil der Rekordernte im Land bleibt: Ein Teil fließt in den Inlandsbedarf, ein Teil wird in den Beständen angesammelt, während der Exportstrom vor dem Hintergrund logistischer und geopolitischer Einschränkungen geschrumpft ist.
Mais und andere Getreidearten: Stabilität und wachsende Bestände
Bei Mais ist das Bild stabiler: Die Produktionsprognose blieb unverändert bei 31,8 Mio. Tonnen, der Export bei 22 Mio. Tonnen, die innere Verwendung bei 7,2 Mio. Tonnen. Geändert wurden lediglich die Endbestände, die das USDA um 0,6 Mio. Tonnen auf 5,46 Mio. Tonnen angehoben hat. Bei den übrigen Getreidekulturen (außer Weizen und Mais) hat das Ministerium die Produktionsschätzung um 0,5 Mio. Tonnen auf 7,29 Mio. Tonnen verbessert, aber die Exportprognose um 0,5 Mio. Tonnen auf 1,77 Mio. Tonnen gesenkt. Infolgedessen sind die erwarteten Endbestände dieser Gruppe um 1,5 Mio. Tonnen auf 8,63 Mio. Tonnen gestiegen.
„Getreide-Ormus': Blockade des Schwarzen Meeres und Weltmarktpreise
Der Kontext der Prognoseüberarbeitung bleibt angespannt. Die russischen Besatzungstruppen setzen die Blockade des ukrainischen Getreideexports über das Schwarze Meer fort, weshalb die Welt laut Warnung von Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem sogenannten „Getreide-Ormus' konfrontiert sein könnte. Dabei, so betonte der Staatschef, würden die Ukrainer selbst nicht ohne Nahrungsmittel bleiben. Vor diesem Hintergrund sind die Weltmarktpreise für Weizen aufgrund der Bedrohung durch eine neue Eskalation des Krieges in der Ukraine auf den höchsten Stand der letzten drei Jahre gestiegen.
Was das für den Markt bedeutet
Das Ergebnis des Septemberberichts des USDA lässt sich auf drei Tendenzen zusammenfassen: eine Rekordernte bei Weizen, ein geschrumpfter Exportkanal und wachsende Inlandsbestände bei allen Hauptkulturen. Für den Weltmarkt ist dies ein Signal mit doppeltem Effekt — einerseits bleibt die ukrainische Ernte wettbewerbsfähig, andererseits ist ihre Verfügbarkeit für Importeure durch Logistik und bewaffneten Konflikt eingeschränkt, was den erhöhten Preisrahmen auf dem Getreidemarkt aufrechterhält.