In ukrainischen Schulen könnte gesetzlich ein Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen, Tablets und Smartwatches während des Unterrichts eingeführt werden. Die Initiative wird auf Ebene des zuständigen Ausschusses der Werchowna Rada diskutiert, jedoch hat das Dokument die erste Lesung noch nicht bestanden.
Gesetzentwurf Nr. 15105: Inhalt und Status
Der Ausschuss der Werchowna Rada für Fragen der Bildung, Wissenschaft und Innovation hat den Gesetzentwurf Nr. 15105 geprüft, der Änderungen an Artikel 53 des Gesetzes der Ukraine „Über Bildung' vorsieht. Das Hauptziel des Dokuments besteht darin, Schüler dazu zu verpflichten, sich während des Unterrichts nicht durch Gadgets ablenken zu lassen.
Eine Ausnahme war nur in zwei Fällen geplant: wenn die Technik für den Bildungsprozess notwendig ist oder aus medizinischen Gründen erforderlich ist. Die Volksabgeordneten haben jedoch beschlossen, den Gesetzentwurf nach der ersten Lesung zur Überarbeitung an den Verfasser zurückzugeben.
Warum das Verbot nicht sofort eingeführt wurde
Laut Experten führt das Fehlen einer einheitlichen gesetzlichen Regulierung zu rechtlicher Unsicherheit. Schulen haben derzeit keine rechtliche Grundlage, um Handys von Schülern zu beschlagnahmen, da es sich um Privatbesitz handelt. Gleichzeitig verfügen Bildungseinrichtungen über Autonomie und können die Nutzung von Gadgets eigenständig durch Satzungen und interne Regeln regeln.
Die Bildungsombudsfrau Nadiya Leschyk betont, dass ohne klare Gesetze praktische Probleme entstehen: Wo sollen die Telefone während des Unterrichts aufbewahrt werden, wer trägt die Verantwortung für deren Sicherheit und wie ist auf Bullying-Vorfälle zu reagieren, die auf Video festgehalten wurden?
Das Handy als Instrument zum Schutz der Rechte
Wichtig ist zu beachten, dass mobile Geräte häufig eine Schutzfunktion erfüllen. Schüler filmen Fälle von Misshandlung, Menschenrechtsverletzungen oder Mobbing – solche Aufnahmen können als rechtliche Beweise dienen. Ein totales Verbot könnte die Kinder dieses Instruments berauben.
Ablenkung vom Lernen: Daten aus Studien
Das Problem der verminderten Konzentration aufgrund von Gadgets wird durch Studien bestätigt. Laut Daten des Fachmagazins JAMA verbringen Teenager während eines jeden Schultages durchschnittlich 70 Minuten mit Smartphones, in denen sie sich eigentlich auf den Unterricht konzentrieren sollten. Die gesamte Bildschirmzeit für Unterhaltungsinhalte erreicht 8,5 Stunden pro Tag.
Gleichzeitig hat der Verfasser des Gesetzentwurfs keine genauen Daten vorgelegt, ob Handys die Hauptursache für den Leistungsabfall sind. Dies war einer der Argumente für die Rücksendung des Dokuments zur Überarbeitung.
Was derzeit vorgeschlagen wird
Der Ausschuss hat dem Bildungs- und Wissenschaftsministerium empfohlen, gemeinsam mit Experten einen umfassenden Mechanismus zu entwickeln, der die Nutzung digitaler Geräte in Schulen klar regelt. Derzeit werden Entscheidungen auf Ebene einzelner Bildungseinrichtungen getroffen.
Der Bildungs- und Wissenschaftsminister Oksen Lesnoi hatte zuvor erklärt, dass Schulen das volle Recht haben, die Nutzung von Mobiltelefonen während des Unterrichts einzuschränken, sofern sie dies mit den Eltern abstimmen. Dafür sind keine speziellen Direktiven des Bildungsministeriums erforderlich – es reicht aus, einen „sozialen Vertrag' abzuschließen und die Sammlung von Handys in Boxen oder individuellen Schließfächern vor dem Unterricht zu organisieren.
Was kommt als Nächstes
Solange der Gesetzentwurf in der Überarbeitungsphase ist, handeln die Schulen weiterhin im Rahmen ihrer Autonomie. Eltern, Pädagogen und Experten warten auf klare Regeln des Staates, die ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit, Schülerrechten und Bildungsqualität gewährleisten.