In den Sälen der UN-Generalversammlung entbrennt ein diplomatischer Skandal, der bereits als Verletzung der grundlegenden Prinzipien der internationalen Organisation bezeichnet wird. Der ständige Vertreter Russlands bei der UNO, Wjatscheslaw Nebensja, erklärte, dass Washington dem stellvertretenden Außenminister der Russischen Föderation, Alexander Alimow, die Einreisevisa verweigert hat. Der Diplomat sollte an einer wichtigen Sitzung des Sicherheitsrats teilnehmen, die sich mit der Einhaltung der UN-Charta und Fragen der multilateralen Zusammenarbeit befasste.

Initiator der Sitzung war China, das derzeit den rotierenden Vorsitz im Sicherheitsrat innehat. Peking lud den russischen Beamten offiziell ein, doch die amerikanischen Einwanderungsbehörden blockierten seine Reise. Nebensja nannte die Handlungen der USA eine Missachtung des chinesischen Vorsitzes und einen direkten Verstoß gegen das UN-Hauptsitzabkommen, das das Aufnahmeland verpflichtet, den ungehinderten Zugang der Delegierten zu gewährleisten.

Der Pressesprecher des UN-Generalsekretärs, Farhan Haq, bestätigte, dass das Aufnahmeland allen Teilnehmern der Veranstaltungen der Organisation Visa ausstellen muss. Er betonte, dass jegliche Hindernisse beim Zugang zum Hauptsitz in New York unzulässig sind. Gleichzeitig haben Vertreter des US-Außenministeriums sowie der Missionen Chinas und des Iran bisher von offiziellen Kommentaren zu diesem Vorfall abgesehen.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass nach Angaben diplomatischer Quellen ähnliche Probleme auch dem iranischen Außenminister Abbas Araki entstanden sind. Er konnte ebenfalls nicht nach New York reisen und traf sich nicht mit António Guterres, wie zuvor geplant. Haq bestätigte die Absage des Treffens, gab jedoch die Gründe für das Fehlen des iranischen Ministers nicht bekannt.

Dieser Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund einer verschärften internationalen Spannungen. Zuvor hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit dem US-Außenminister Marco Rubio vor neuen Angriffen auf Kiew gewarnt und ausländische diplomatische Missionen aufgefordert, die Evakuierung ihres Personals in Erwägung zu ziehen. Nun wird die Frage des Zugangs zur UN-Tribüne zu einem weiteren Punkt in der Liste der diplomatischen Differenzen zwischen Moskau und Washington.