In den volkstümlichen Traditionen waren mit Geld zahlreiche Regeln verbunden: Man riet davon ab, Geld nach Sonnenuntergang weiterzugeben, auf den Tisch zu legen oder an bestimmten Tagen zu verleihen. Man glaubte, dass ein ungünstiger Zeitpunkt zusammen mit den Scheinen das finanzielle Glück aus dem Haus tragen könnte. Das ukrainische Lifestyle-Projekt Styler (RBC-Ukraine) hat die gängigsten Geld-Omen, die an die Wochentage gebunden sind, gesammelt und systematisiert, um zu zeigen, wann es nach dem Glauben der Vorfahren üblich war, Kredite aufzunehmen und zurückzuzahlen und wann man von jeglichen Finanzgeschäften absehen sollte.

Montag und Dienstag: Tage der Vorsicht

Montag hat in vielen Geld-Omen keinen guten Ruf. Man glaubte, dass man zu Beginn der Woche weder Geld verleihen noch um ein Darlehen bitten sollte: Angeblich könnten sich finanzielle Schwierigkeiten danach hinziehen, und das Geld würde schneller ausgegeben. Auch am Dienstag war Vorsicht geboten – nach einem weit verbreiteten Glauben bedeutete es, an diesem Tag Geld zu leihen, das Risiko, lange in Schulden „festzustecken“. Dabei ist zu beachten, dass es für den Dienstag auch gegensätzliche Deutungen gibt, weshalb diese Regel in der volkstümlichen Tradition nicht als einheitlich gelten kann.

Mittwoch: Der Tag, der die Omen teilt

Beim Mittwoch ist die Lage deutlich interessanter und widersprüchlicher. Einige Geld-Omen bezeichnen ihn als guten Tag für die Rückzahlung von Schulden und finanzielle Geschäfte: Nach einem Glauben konnte man gerade am Mittwoch seine Schulden begleichen, damit das Geld wieder in den Hausfließt. In anderen Traditionen gilt der Mittwoch hingegen als ungünstig für Darlehen. Die Empfehlungen für den Mittwoch unterscheiden sich je nach Quelle und Region erheblich, was diesen Tag zum umstrittensten im wöchentlichen Plan der Finanzgeschäfte macht.

Widersprüchliche Angaben

Die wesentlichen Widersprüche in den volkstümlichen Geld-Omen betreffen vor allem Mittwoch und Dienstag. Zum Mittwoch raten einige Omen-Sammlungen ausdrücklich, Schulden zurückzuzahlen, um den Geldfluss zu „wecken“, während andere Quellen den Mittwoch zu den Tagen zählen, an denen man ein Darlehen besser nicht geben sollte. Für den Dienstag gibt es eine ähnliche Spaltung: Ein Teil der Omen warnt vor dem Risiko, lange in Schulden festzustecken, ein Teil deutet den Tag neutral oder sogar positiv. Keine der Quellen nennt eine einheitliche, in der volkstümlichen Tradition allgemein anerkannte Regel für diese beiden Tage, was die Variabilität der mündlichen und schriftlichen Geld-Omen unterstreicht. Die Redaktion von Styler weist ausdrücklich darauf hin, dass die Omen je nach Quelle erheblich abweichen, und erhebt keinen Anspruch auf die einzig richtige Version.

Günstige Tage: Donnerstag und Samstag

Am häufigsten wird unter den günstigen Tagen für die Abwicklung von Schulden der Donnerstag genannt. In den volkstümlichen Überlieferungen schrieb man ihm ein besonderes finanzielles Glück zu und hielt ihn für einen guten Moment, um das zurückzuzahlen, was man früher aufgenommen hatte. Zu den günstigen Tagen für die Rückzahlung von Schulden zählen in einigen Omen-Sammlungen auch der Samstag. Gerade diese beiden Tage erscheinen in der schematischen Darstellung der Geld-Omen als „grüne Zone“ für Finanzgeschäfte.

Freitag, Sonntag und die Sonnenuntergangsregel

Der Freitag gilt in einigen Überlieferungen gerade für die Rückzahlung eines Darlehens als ungünstig, der Sonntag hingegen als Ruhetag, an dem man finanzielle Geschäfte angeblich besser nicht beginnen sollte. Außerdem gibt es eine Regel, die in verschiedenen Varianten der Geld-Omen unabhängig vom Wochentag vorkommt: Man riet davon ab, Geld zu verleihen oder zurückzugeben, nachdem die Sonne untergegangen war. Man glaubte, dass der Mensch zusammen mit den Scheinen symbolisch auch seinen Wohlstand abgeben könnte. Fasst man die gängigsten Überlieferungen in eine schematische Darstellung zusammen, so gelten Montag, Dienstag, Freitag und Sonntag häufig als ungünstig für Schulden, während Donnerstag und Samstag für die Rückzahlung von Geld günstiger sind. Zum Mittwoch gehen die Traditionen auseinander.

Volkswisdom und Moderne

Natürlich sind all diese Regeln nur volkstümliche Omen, die keine wissenschaftliche Bestätigung haben. Doch diese Überlieferungen sind interessant, weil sie zeigen, wie stark die Vorfahren Geld nicht nur mit Arbeit und Wohlstand, sondern auch mit der Zeit, den Wochentagen und den täglichen Ritualen verbanden. In einer Ära, in der finanzielle Bildung und Budgetplanung zum Alltag gehören, ist der Bezug zu alten Überlieferungen eher ein kulturelles und unterhaltsames Phänomen als ein praktisches Handbuch. Dennoch lässt sich gerade über solche Details der Volkstradition nachverfolgen, wie sich das Verhältnis der Gesellschaft zu Geld, Schuld und Zeit formte.