Sechs Monate nach dem Machtwechsel in Caracas haben die Vereinigten Staaten eine beispiellose Kontrolle über Schlüsselbereiche des venezolanischen Lebens übernommen. Laut einer Untersuchung der New York Times erstreckt sich der amerikanische Einfluss auf das Finanzsystem, die Ölindustrie und die Arbeit staatlicher Institutionen. Im Zentrum dieser neuen Realität steht der US-Außenminister Marco Rubio, der die Aktionen der venezolanischen Behörden im Wesentlichen koordiniert.

Die direkte Verbindung: Rubio und Rodríguez

Demnach unterhalten mehr als zehn Beamte aus den USA und Venezuela, dass Marco Rubio ständigen Kontakt mit Delcy Rodríguez, der amtierenden Staatschefin, hält. Die Kommunikation erfolgt über den Messenger WhatsApp. Journalisten betonen, dass diese Kontakte ungleich sind: Rodríguez befindet sich in einer starken Abhängigkeit von den Entscheidungen Washingtons.

Ohne abgestimmte Finanzierung kann die venezolanische Verwaltung keine Gehälter auszahlen und den Wechselkurs der Landeswährung stabil halten. Rubio kontrolliert nicht nur die Sanktionspolitik, sondern auch die Reform des Ölsektors und beteiligt sich an Personalentscheidungen, einschließlich der Ernennung des Verteidigungsministers.

Der Finanzschleuse unter US-Kontrolle

Einer der bedeutendsten Aspekte des Einflusses ist die direkte Verwaltung der Exporteinnahmen. Das US-Finanzministerium erhält Mittel aus dem Großteil des venezolanischen Exports und leitet sie anschließend über das Bankensystem des Landes zurück. Die amerikanische Seite bestimmt, wofür das Geld ausgegeben werden darf und wer über es verfügen darf.

Dieser Mechanismus ermöglichte es laut dem Bericht, Korruptionsschemata zu unterbinden und staatliche Einnahmen vor Forderungen von Gläubigern zu schützen. Dies bedeutet jedoch auch, dass Venezuela seine finanzielle Autonomie verloren hat.

Internationale Diplomatie unter Aufsicht

Der amerikanische Einfluss erstreckt sich auch auf die Außenpolitik von Caracas. So wurde beispielsweise die Reise von Delcy Rodríguez nach Indien von Marco Rubio angekündigt, bevor die offiziellen Behörden Venezuelas dies taten. Zudem berichtet die NYT, dass die Verwaltung nach einem US-Angriff auf den Iran forderte, eine Veröffentlichung des venezolanischen Außenministers Ivan Gil, die die Aktionen Washingtons kritisierte, zu entfernen – der Beitrag wurde innerhalb weniger Stunden gelöscht.

Von der Demokratie zur Verwaltung

Die Politik Rubios unterscheidet sich nach Ansicht der Autoren der Veröffentlichung deutlich von seinen früheren Aussagen zur Unterstützung demokratischer Reformen in Lateinamerika. Der US-Präsident Donald Trump bestätigte, dass Washington Venezuela verwalten werde, bis zu einem „sicheren, ordnungsgemäßen und vernünftigen Übergang“ der Macht – ein Prozess, der seiner Aussage zufolge viele Jahre dauern könnte.

Zuvor hatte Trump auch angedeutet, dass eine mögliche Militäroperation auf Kuba nach dem Vorbild der Aktionen in Venezuela durchgeführt werden könnte – was auf langfristige Pläne der USA in der Region hindeutet.