Am 8. Juli 2026 ereignete sich an den US-Aktienmärkten ein markanter Wandel: Die Aktien der größten Infrastrukturunternehmen, die traditionell mit dem Kryptowährungs-Mining assoziiert werden, verzeichneten einen deutlichen Anstieg. An der Spitze stehen TeraWulf (WULF), IREN (ehemals Iris Energy) und Hut 8 (HUT). Doch der Treiber dieser Bewegung war nicht die Volatilität des Bitcoin-Kurses, sondern eine fundamentale Transformation der Geschäftsmodelle: Miner entwickeln sich zu Anbietern von Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz.
Die größten Deals: Wie Miner Kilowattstunden an KI-Hyperscaler verkaufen
Das Investoreninteresse verlagerte sich auf Unternehmen, die eine fertige Energieinfrastruktur für Hochleistungsrechnen (HPC) anbieten können. Bis Mitte 2026 formte sich ein Portfolio an Großverträgen, das das Gesicht der Branche verändert:
- TeraWulf (WULF): Das Unternehmen schloss eine strategische 20-Jahres-Vereinbarung mit dem KI-Modell-Entwickler Anthropic ab. Das Projekt basiert auf dem Justified Data Campus in Kentucky. Der vertraglich gebundene Umsatz wird auf 19 Milliarden Dollar bei einer Last von 401 MW geschätzt. Bereits im ersten Quartal 2026 überstiegen die Einnahmen von TeraWulf aus der Vermietung von HPC-Infrastruktur (21 Millionen Dollar) erstmals die Erlöse aus dem Mining (13 Millionen Dollar) und machten rund 60 % des Gesamtumsatzes aus.
- IREN: Das Unternehmen setzt einen Fünfjahresvertrag im Wert von 3,4 Milliarden Dollar mit dem Konzern NVIDIA um. Die Vereinbarung sieht den Einsatz von Grafikprozessoren der Blackwell-Architektur auf den Kapazitäten des Rechenzentrums Childress in Texas (60 MW) vor. Die Einnahmen von IREN aus KI-Cloud-Diensten stiegen im Quartal um 94,2 % und erreichten 33,6 Millionen Dollar. Auf diesem Hintergrund stufte Freedom Capital Markets die Aktien auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 58 Dollar hoch.
- Hut 8 (HUT): Das Portfolio des Unternehmens wurde durch einen 15-Jahres-Triple-Net-Lease-Vertrag für das Objekt Beacon Point in Texas diversifiziert. Die Grundkosten der Transaktion werden auf 9,8 Milliarden Dollar geschätzt, mit einem Potenzial für ein Wachstum auf 25 Milliarden Dollar dank Indexierungsmechanismen der Zinssätze.
Der Energieengpass als Haupttreiber
Der Grund für den rasanten Wechsel der Miner in den KI-Sektor liegt im kritischen Mangel an verfügbaren elektrischen Kapazitäten in Nordamerika. Im Gegensatz zum Neubau von Rechenzentren (Greenfield), der Jahre für Genehmigungen benötigt, verfügen ehemalige Miner über eine fertige Infrastruktur: bestehende Umspannwerke, Netzanschlüsse und langfristige Tarife. Dies ermöglicht eine Verkürzung der Bereitstellungszeiten für KI-Cluster.
Risiken für Investoren und die neue Realität
Trotz der Marktoptimismus weisen Analysten aus Wall Street auf begleitende Risiken hin. Der Wechsel zu KI erfordert enorme Kapitalinvestitionen. Um die Umrüstung der Standorte zu finanzieren, sind die Unternehmen gezwungen, umfangreiche Kapitalerhöhungen durchzuführen, was zu einer Verwässerung der Anteile der aktuellen Aktionäre führt. So führte TeraWulf Ende des Frühlings eine Emission über 800 Millionen Dollar durch.
Darüber hinaus wird ein erheblicher Teil der vertraglich gebundenen Kapazitäten im Zeitraum 2026–2028 in Betrieb gehen. Dies bedeutet, dass der kurzfristige Nettogewinn unter Druck geraten könnte. Dennoch zeigt die Handelsstatistik bereits eine sinkende Korrelation zwischen der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen und dem Bitcoin-Kurs. Die Vermögenswerte werden in die Kategorie der IT-Infrastruktur-Immobilien umgewidmet und ähneln REITs. In der neuen Realität wird nicht mehr die Effizienz der Rechenchips, sondern das Volumen der vertraglich gebundenen Netzkapazität zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.